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Migne

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Migne

Migne, Jacob Paul, Publizist und verdienter Verleger, wurde am 25. Oktober 1800 zu St. Flour in der Auvergne geboren, machte seine Studien zu Orleans, versah eine Zeitlang eine Lehrstelle am Kolleg von Chateaudun und erhielt 1824 die Priesterweihe. Einige Jahre wirkte er als Seelsorger in der Diözese Orleans, ging aber dann, da er wegen seiner Schrift De la liberté, 1833, mit seinem Bischof Brunault de Beauregard in Differenzen geraten war, nach Paris. Hier gründete er noch in demselben Jahr die Zeitschrift L´Universe religieux (später einfach L´Univers genannt), legte jedoch schon 1836 die Redaktion nieder und widmete sich ganz einer von ihm ins Leben gerufenen Verlagsanstalt zu Petit-Montrouge bei Paris. Sein Plan war nicht, neue literarische Werke zu veranlassen, sondern die zerstreuten Schätze der katholischen Vergangenheit zu sammeln und dem Dienst der Kirche und der Wissenschaft zugänglich zu machen. Mit Hilfe zahlreicher Mitarbeiter, unter denen sich auch bedeutende Männer des Auslandes, wie Hergenröther und Floß, befanden, verwirklichte Migne mit staunenswerter Kühnheit und außerordentlichem Geschick seine weit umfassenden Unternehmungen. Das Hauptwerk, das seinen Namen durch ganz Europa trug, war eine Sammlung aller griechischen und lateinischen Väter und Kirchen-Schriftsteller von den apostolischen Zeiten bis zur zweiten Hälfte des Mittelalters (Patrologiae cursus completus seu Bibliotheca universalis…) Die ganze Sammlung ist in zwei Serien eingeteilt, eine Serie latina, 1844 bis 1865, welche in 217 Bänden mit 4 Bänden der reichhaltigen Indizes von Tertullian bis zu Papst Innozenz III. (1216) reicht, und eine Series graeca, 1857-1866, welche in 161 Bänden die Schriftsteller von den apostolischen Vätern an bis zum Konzil von Florenz umfaßt…
Das ganze Werk, welches in einem sehr handlichen Format (Großoktav) und zu beispiellos billigem Preise erschien (…), umfaßt nicht nur alles, was in den früheren Väter-Sammlungen mitgeteilt worden ist, wobei für jeden einzelnen Schriftsteller stets nach der besten Ausgabe gegriffen wurde, sondern berücksichtigt auch zahllose Einzelpublikationen bis zur neuesten Zeit, bringt viele neue Mitteilungen aus Handschriften und sammelt in den Einleitungen, Dissertationen, Noten und Registern ein reichhaltiges, bisher zerstreutes oder in Bibliotheken begrabenes Material.
Von anderen größeren Sammelwerken sind besonders zu erwähnen: Scripturae sacrae cursus completus ex commentariis omnium perfectissimis usque habitis, 28 voll, 1860-1862, worin für jedes Buch der heiligen Schrift der beste Kommentar aus alter oder neuer Zeit ausgewählt wurde…
eine Zusammenstellung und Übersetzung apologetischer Schriften von 117 Autoren (von tertullian und Origenes bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts) gegen die verschiedenen Angriffe auf das Christentum…
die besten Traktate über die einzelnen Thesen der katholischen Glaubens- und Sittenlehre enthaltend…
eine Sammlung des Besten, was über die allerseligste Jungfrau und ihre Verehrung in dogmatischer, aszetischer, historischer Beziehung je geschrieben worden ist…
die bedeutendsten Leistungen der französischen Kanzelredner seit drei Jahrhunderten bietend…
Besondere Erwähnung verdient auch die große Encyclopédie théologique in drei Serien zu 52, 53 und 60 Bänden, 1844-1866, welche in mehr als 100 alphabetisch geordneten Nachschlage-Büchern sämtliche Gebiete der Theologie, dann der Philosophie, der Geschichte, der Natur-Wissenschaften, soweit sie überhaupt für einen Theologen in Betracht kommen können, umfaßt…
Mit dem Verlagsgeschäft verband dann Migne eine Zahl von Werkstätten, in denen kirchliche Utensilien, insbesondere Orgeln und Harmoniums, religiöse Bilder und Schnitzwerke, hergestellt wurden; den ganzen Komplex nannte er Ateliers catholiques.
Im J. 1868 zerstörte eine große Feuersbrunst die Anlage; der Schaden soll mehr als 6 Millionen Franken betragen haben. Von den Verlagswerken wurde nur wenig gerettet; die Stereotypplatten zur Patrologie gingen sämtlich zu Grunde. Ehe Migne sein Unternehmen wieder nach dem ganzen Umfang erneuern konnte, brachte der deutsch-französische Krieg neue Unterbrechungen. Auch mit der kirchlichen Behörde geriet Migne in Konflikt. Der Erzbischof von Paris untersagte ihm die Fortführung des Geschäftes, da die kanonischen Bestimmungen einem Kleriker solche Handels-Unternehmungen nicht gestatteten, und sprach über ihn schließlich die Suspension aus. Ebenso verbot ihm ein römisches Dekret vom 9. Dezember 1874, sich ferner Meßstipendien überweisen und die Messen durch Geistliche persolvieren (Anm.: Gebete sprechen; eine Messe lesen) zu lassen, welchen er dafür Bücher oder andere Waren lieferte. Migne starb am 24. Oktober 1875.

aus: Wetzer und Welte`s Kirchenlexikon, Bd. 8, 1893, S. 1510-1512

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