A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T Ü V W Z

Heinrich III.

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Heinrich III., deutscher Kaiser

Heinrich III., * 28.10.1017, bestieg 1039 den Thron, † 5.10.1056 zu Bofelda a. Harz; im Speyrer Dom beigesetzt. Heinrich ist der Idealtyp des mittelalterlichen Herrschers, seine Regierungszeit neben der Friedrich I. der Zenit der mittelalterlichen Kaisermacht. Im Äußeren Ebenbild seines Vaters Konrad II., wich er geistig von dessen Laiennatur entschieden ab. Im Geiste der kirchlichen Kultur seiner Zeit von Bischöfen erzogen, fühlte er etwas von der Mission des karolingischen Priesterkönigtums in sich. Er war unbedingter Anhänger des damals von Aquitanien her sich ausbreitenden Gottesfriedens. Doch durchzogen seine Regierung stete Kämpfe. Als Schutzherr der Kirche (Auffassung der aus dem Patriziat fließenden Verpflichtungen) griff Heinrich ein in das in Rom herrschende, in der Rivalität der Adelsparteien wurzelnde Schisma, wo sich zeitweise der jugendliche, sittenlose Benedikt IX., dessen Gegenpapst Silvester III., dann der sittenreine, aber simonistische Gregor VI. gegenüber standen.

Auf Synoden zu Sutri und Rom wurden die drei abgesetzt; auf Heinrichs Vorschlag wurde Klemens II. Papst, der ihn 1046 krönte und durch Übertragung der Würde eines Patrizius des Kaisers Einfluss auf die Papstwahl sicherte (Patriziat). Unter den kurzen Pontifikaten der beiden deutschen Päpste Klemens II. und Damasus II. machte sich der deutsche Einfluss in Rom besonders in der kurialen Kanzlei stark geltend. Dann begannen mit Leo IX. der weltgeschichtliche Aufstieg des Papsttums, seine Emanzipation vom Kaisertum, die universalen Interessen auch in politischer Hinsicht. Nach Leos IX. Tod erhob Heinrich nach längerer Vakanz Viktor II. zum Papst; formell erfolgte diese Erhebung durch den Kaiser, tatsächlich aber war sie das Ergebnis der ihr vorausgegangenen Verhandlungen mit den Römern. In dieses Pontifikat fällt Heinrichs 2. Romzug. Bei dem Gegensatz zwischen dem sächsischen Herzogtums der Billunger und dem aufstrebenden Bremer Erzbistum begünstigte Heinrich Erzbischof Adalbert. 1043 vermählte er sich zum 2. Mal mit der streng kirchlichen Agnes von Poitou, was bedeutsam wurde für die Ausbreitung der cluniazensischen Reformbestrebungen. Jedenfalls trug Heinrich wesentlich dazu bei, daß der Geist von Cluny in Rom durchdrang. –

Wem die Harmonisierung der staatlichen und kirchlichen Interessen als erstrebenswert erscheint, dem gilt Heinrich III. als vorbildlicher Herrscher, während die Gegenseite ihn gerade deshalb verurteilt, weil Heinrich der kirchlichen Reform die Wege bahnte und so die Emanzipation der Kirche veranlasste. –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. IV, 1932, Sp. 912 – Sp. 913

Buch mit Kruzifix
Heinrich I. bis VII. deutsche Könige
Buch mit Kruzifix
Patriziat

Weitere Lexikon-Einträge

Buch mit Kruzifix

Melchisedech

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Melchisedech Melchisedech (= „Mein König (Gott) ist Gerechtigkeit“, oder „König der Gerechtigkeit“ (Hebr. 7,2); nach andern „Mein König ist Sedek“ (Gottesname), Priesterkönig von Salem (wohl = Jerusalem), kommt dem siegreich heimkehrenden Abraham entgegen, opfert…
Buch mit Kruzifix

Palästina

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Palästina Palästina heißt mit seinem späteren, allgemein üblichen Namen das den Israeliten von Gott verheißene und übergebene Land. Es wurde nämlich der Name des südwestlich von dem israelitischen Gebiet an der Meeresküste gelegenen Landes…
Buch mit Kruzifix

Dionysius Exiguus

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Dionysius Exiguus Dionysius Exiguus (wie er sich in Demut nannte), Skythe von Geburt, Mönch (Abt?), lebte seit etwa 497 bis um 540 in Rom. Ausgezeichnet durch Kenntnis der Hl. Schrift und Beherrschung der griechischen…
Buch mit Kruzifix

Hexenprozess

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Hexenprozess Hexenprozess heißt eine seit dem 16. Jahrhundert ausgebildete besondere Form der strafrechtlichen Verfolgung solcher Personen, welche des crimen magiae beschuldigt wurden. 1. Entstehung Man unterschied im Mittelalter weiße und schwarze Magie; jene, auf…
Buch mit Kruzifix

Tusculum

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Tusculum Tusculum, latinische Stadt im Albanergebirge, ehemaliger Bischofssitz (Tusculan. Dioces.), der nach der Zerstörung der Stadt 1191 nach Frascati verlegt wurde. Vgl. KehrIP II 37/40. – Die Grafen von Tusculum stammen von Markgraf Alberich…

Weitere Lexikon-Beiträge

Buch mit Kruzifix

Arkadius

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Arkadius Arkadius, hl. Märtyrer zu Cäsarea in Mauretanien (Cherchel) in der diokletianischen Verfolgung. Die älteste Bezeugung über ihn besitzen wir in einer Rede des hl. Zeno von Verona (Migne PL XI 450/54) und in einer Passio, die ihn irrtümlich nach Achaia versetzt (Th. Ruinart, Acta martyrum, Regensburg 1859, 550/53).…
Buch mit Kruzifix

Saint-Jure, Johann Baptist

Biographie
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Saint-Jure Saint-Jure, Jean Baptist, SJ (seit 1604), * 19.2.1588 zu Metz, lehrte an Ordensschulen und war Oberer der Häuser in Amiens, Alençon, Orléans und (nach einem Zwischenaufenthalt in England) in Paris, † ebd. 30.4.1657. Einer der bedeutendsten geistlichen Schriftsteller der Gesellschaft Jesu, neben Alfons Rodriguez zu stellen, den er…
Buch mit Kruzifix

Allioli, Joseph Franz

Biographie
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Allioli Allioli, Joseph Franz, Exeget und Bibelübersetzer, *10.8.1793 zu Sulzbach, † 22.5.1873 zu Augsburg. Priester 1816 zu Regensburg, Dr. Theol. 1816 zu Landshut. Nach Verwendung in der Seelsorge studierte er 1818-1821 in Wien, Rom und Paris, begann 1821 die akademische Laufbahn, wurde 1823 außerordentlicher, 1824 ordentlicher Professor der orientalischen…
Buch mit Kruzifix

Arius

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Arius Arius, * ca. 280, aus Libyen, Schüler alexandrinischer und antiochenischer Weisheit (Lucian von Samosata), schon als Laie in das meletianische Schisma (Meletius von Lykopolis) verwickelt, nach seiner Bekehrung von Bischof Petrus von Alexandrien zum Diakon geweiht, aber bald wieder wegen Verbindung mit den Schismatikern exkommuniziert. Wieder versöhnt mit…
Buch mit Kruzifix

Günther

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Günther Günther, Anton, Begründer der sogenannten Wiener theologischen Schule und des Güntherianismus, *17.11.1783 zu Lindenau (Böhmen), †24.2.1863 zu Wien; studierte Philosophie und Rechte in Prag (Schüler Bolzanos) und (auf Rat des hl. Klemens Maria Hofbauer) Theologie in Raab; 1821 Priester, 1822-24 Jesuitennovize, 1824 bis 1863 Privatgelehrter in Wien, bis…
Buch mit Kruzifix

Leviratsehe

Heilige Schrift AT
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Leviratsehe Leviratsehe (lateinisch levir = Schwager), Schwagerehe, die Ehe, die der Bruder eines ohne männliche Nachkommen verstorbenen Ehemannes mit dessen Witwe eingehen musste. Das Recht der Leviratsehe bestand schon zur Zeit der Patriarchen und wurde streng aufrecht erhalten (Gn. 38); es galt auch bei anderen Völkern (Hethiter, Assyrer, Inder)…
Consent Management Platform von Real Cookie Banner