A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T Ü V W Z

Dionysius

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Dionysius

Dionysius, hl., Papst 22. 7. 259-268; Grieche, vorher römischer Presbyter, stand als solcher in Sachen der Ketzertaufe mit Dionysius von Alexandria in brieflichem Verkehr (Eusebius, HE VII 5,6). Sein Pontifikat verlief unter Gallienus, der den Christen die gottesdienstlichen Lokale und Coemeterien zurückgab, ohne Störung von außen, so daß eine Reorganisation der römischen Gemeinde möglich war. Er veranstaltete 262 auf Veranlassung ägyptischer Christen, die gegen Dionysius von Alexandria Beschwerde führten, eine Synode, die den Sabellianismus und Subordinationismus verurteilte, und machte dem Bischof von deren Beschlüssen durch seine in der Geschichte des Primates wichtigen Lehrschreiben Mitteilung. (teilweise erhalten bei Athanasius, De decr. Nic. Syn. c. 26, vgl. De sent. Dion. c. 13). In einem weiteren Brief verlangte er vom Bischof in rücksichtsvoller Form Verantwortung, worauf sich dieser rechtfertigte. Nach Basilius d. gr. (Epist. 70 ad Dem.) sandte Dionysius an die Gemeinde Cäsarea (Kappad.), die durch Barbareneinfälle (Goten um 264?) gelitten hatte, ein Trostschreiben mit Geldmitteln. Das Schreiben der großen antiochenischen Synode gegen Paul von Samosata ist ebenfalls an Dionysius gerichtet… Der Papst … liegt im Coemeterium des Calixtus begraben.

Dionysius der Große, hl. (Fest im Martyrol. Rom. 17. Nov.), 247/248-264/265 Bischof von Alexandria; stammte von heidnischen Eltern, wurde nach ernstem Studium Christ, seit 231/232 Vorsteher der Katechetenschule von Alexandria. In der Verfolgung unter Decius flüchtig, unter Valerian verbannt, aber in Fühlung mit seiner Gemeinde. In sturmbewegter Zeit eine Zierde des alexandrinischen Stuhles, den er durch seinen ausgedehnten Briefverkehr zu ökumenischer Bedeutung erhob. Schüler des Origenes, doch weniger Theoretiker als Mann der Tat, Seelsorger vom Scheitel bis zur Sohle, mit Energie, aber in edlem, versöhnlichem Geist in alle kirchlichen Kämpfe eingreifend. Dinoysius ist wichtiges Glied in der Fortbildung der origenistischen Lehren über Kanon (Hebr!), Kirche, Christus und Trinität zur Rechtgläubigkeit, auch in letzterem Punkt nicht erst nach der Mahnung seines römischen Namensvetters; in der Frage der Lapsi milder, aber nicht grundsätzlich anders als Cyprian; im Ketzertauf-Streit der römischen Kirche näher als den Gegnern, doch vermittelnd und der Tragweite des Streites nicht vollbewußt; in der Bekämpfung philosophischer Irrtümer unter dem Einfluß des Origenes, nicht minder in seinem Allegorismus, doch ohne die gewagten Spekulationen des Meisters.

Dionysius, hl., gilt als 1. Bischof von Augsburg. Doch erscheint er erst in der legendenhaften Conversio S. Afra (8. Jahrhundert), und zwar als Onkel der hl. Afra und vom hl. Narcissus zum Bischof eingesetzt. Die spätere Legende ließ ihn nach Afra das Martyrium erleiden. Die frühesten Rezensionen des Bischofskatalogs (2. Hälfte des 11. Jahrhunderts) nennen wohl richtig als ältesten Bischof Zosimus, fügen aber mit Rücksicht auf die Tradition vorher einen Märtyrer Dionysius ein; die jüngeren nennen als 1. Bischof Dionysius; einige suchen eine Änderung des Namens Zosimus in Dionysius zu erklären. Anfang des 12. Jahrhunderts fand man seinen Leib unter der Ulrichskirche. Seit einer weiteren Translation vom 26.2.1252 (das Haupt heute in der dortigen Sakristei-Kapelle) datiert sein Kult, der im Dom 1506 zur Einführung gelangte. Fest 26. Februar.

Dionysius, Bischof von Korinth um 170, wirkte seelsorglich über die Kirche Korinths hinaus in Bekämpfung der Zeitirrtümer. Dem Montanismus gegenüber betont er die Rechte der von Gott geschaffenen Natur. Einzige Quelle über ihn ist Eusebius (HE IV 23 (vgl. 21); II 25,8), der 8 Briefe von ihm kennt, die, vielleicht bis auf den letzten, zu einer Sammlung vereinigt waren: je 1 an die Lazedämonier, an die Athener (Zeugnis für Dionysius Areopagita als ersten Bischof Athens), an die Nikomedier (gegen Marcion), an die Gemeinde von Gortyna und die anderen kretischen Städte (Warnung vor Irrlehren; Marcion?), an die Gemeinde von Amastris und die anderen Städte des Pontus, an die Gemeinde von Knossos (Bischof Pinytus). Diese beiden Briefe behandeln Ehe und Enthaltsamkeit (wohl im Gegensatz zum Montanismus). Der 7. Brief an die Gemeinde von Rom, eine Antwort auf ein Schreiben des Papstes Soter, ein wichtiges Zeugnis für das Ansehen der römischen Gemeinde in dieser Zeit, bezeugt den Aufenthalt und Tod Petri und Pauli in Rom und den Korintherbrief des Klemens Romanus. Der 8. Brief ist ein Privatschreiben an „eine sehr gläubige Schwester namens Chrysophora“.

Dionysius, hl., Erzbischof von Mailand seit ca. 351, verteidigte 355 auf der Synode daselbst die dogmatischen Definition des Konzils von Nicäa und Athanasius gegen den Kaiser Konstantius und die Arianer. Auf die Aufforderung des Eusebius von Vercelli, zuerst müsse das nicänische Glaubensbekenntnis unterschrieben werden, ergriff Dionysius als erster die Feder hierzu, aber der Arianer Valens von Mursia entriß sie ihm; es entstand ein großer Tumult, die Sitzung wurde aus der Kirche in den kaiserlichen Palast verlegt und Dionysius abgesetzt. Vom Kaiser nach Armenien verbannt, starb er dort (Datum unbekannt). 375-376 ließ der hl. Ambrosius seine leiblichen Überreste nach Mailand bringen (Kirche des hl. Dionysius). Fest 25. Mai.

Dionysius, hl., erster Bischof von Paris, nach Gregor von Tours (Hist. Franc. I 31) mit 6 anderen Bischöfen Mitte des 3. Jahrhunderts von Papst Fabian aus Rom nach Gallien gesandt, als sich die unter Septimius Severus verheerte Kirche wieder zu erholen begann. In einer neuen Verfolgung erlitt er mit dem Priester Rustikus und dem Diakon Eleutherius den Märtyrertod… Dionysius zählt zu den französischen Nationalheiligen und 14 Nothelfern. Fest 9. Oktober. Seine Gebeine in St-Denis. –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. III, 1931, Sp. 333 – Sp. 339

Buch mit Kruzifix
Goffine, Leonhard
Buch mit Kruzifix
Raimund von Pennafort

Weitere Lexikon-Einträge

Buch mit Kruzifix

Abrahamiten

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Abrahamiten Abrahamiten, 1. eine Sekte des neunten Jahrhunderts, welche die Gottheit Christi leugnete; sie erhielt den Namen von ihrem Haupt Abraham von Antiochien und war in Syrien weit verbreitet. – 2. Deisten in Böhmen,…
Buch mit Kruzifix

Konstantius

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Konstantius Konstantius von Fabriano, sel., OP, * 1410, † 25.2.1481 zu Ascoli; trat in seiner Vaterstadt Fabriano in den Orden; wirkte als Professor der Theologie zu Bologna und Florenz. Seinen Eifer für die Ordensreform…
Buch mit Kruzifix

Japhet

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Japhet Japhet, ein Sohn Noe`s und Vater zahlreicher Völkerstämme. Er wird unter seinen Brüdern gewöhnlich zuletzt genannt (Gen. 5, 32; 6, 10 usw.), war aber gleichwohl der älteste, da nach Gen. 11, 10 vgl.…
Buch mit Kruzifix

Grosseteste

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Grosseteste Grosseteste (Greathead, Capito), Robert, vielseitiger Gelehrter und Sittenreformer, * ca. 1175 zu Stradbrook (Suffolk), † 9.10.1253; erwarb sich in Paris gründliche Kenntnisse des Griechischen, Hebräischen, Aramäischen, war 1205-35 der gefeiertste Lehrer Oxfords, wurde…
Buch mit Kruzifix

Methodisten

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Methodisten Methodisten, die Mitglieder der größten und bedeutendsten Erweckungsbewegung des zu Beginn des 18. Jahrhunderts erstarrten englischen Protestantismus, welche die Einzel- wie Massenbekehrung und damit die religiöse Erneuerung und Rettung der Welt durch bestimmte…

Weitere Lexikon-Beiträge

Buch mit Kruzifix

Israelitische Religion

Heilige Schrift AT
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Israelitische Religion Durch seine Religion ist Israel zum Erzieher und Wohltäter der Menschheit geworden (Siehe: Judentum und Christentum). Sie ist nach Inhalt und Entwicklung etwas Einzigartiges in der antiken und orientalischen Welt. 1) Gotteslehre Charakteristisch gegenüber den andern altorientalischen Religionen ist der strenge Monotheismus. Zunächst noch mehr naiv-praktisch und…
Buch mit Kruzifix

Karäismus

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Karäismus Karäer (= Schriftkundige oder = Anhänger der Schrift), jüdische Sekte, welche die rabbinische Tradition und damit den Talmud verwirft. Unrichtig ist, daß sie aus dem Sadduzäismus hervorgegangen seien, wenn sie sich auch sadduzäische Lehrmeinungen, soweit solche in der talmudischen Literatur noch vorhanden waren, zu eigen machten. Als Grund…
Buch mit Kruzifix

Berengar

Irrlehrer und Irrlehren
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Berengar Berengar I. – Berengar II. – Berengar v. Tours – Berengar v. Poitiers Berengar I., römischer Kaiser 915 bis 924, ermordet 7.4.924; seit 873 Markgraf v. Friaul, 888 in Pavia zum König v. Italien gekrönt, aber wiederholt verdrängt, zuerst von Wido von Spoleto (889) und dessen Sohn Lambert,…
Buch mit Kruzifix

Mormonen

Irrlehrer und Irrlehren
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Mormonen Mormonen, nordamerikanische Sekte, gegründet 1830 in Fayette (Neuyork) durch Joe Smith, von dem sie in Wesen und Lehre ihr eigenartiges Gepräge erhielt. Die Sekte bildet einen straff organisierten Kirchenstaat mit theokratischer Verfassung. Im Namen Gottes regieren 3 Apostel (Nachfolger der 3 Säulenapostel Petrus, Jakobus und Johannes) als erste…
Buch mit Kruzifix

Wiclifismus

Irrlehrer und Irrlehren
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Wiclifismus Der Wiclifismus (die Wiclifie) machte in England zunächst noch Fortschritte. Als aber Th. Arundel den Stuhl v. Canterbury (1396) und Heinrich IV. Lancaster den Thron bestieg (1399), erhoben sich Staat und Kirche zur Ausrottung der weit verbreiteten Häresie. Auf Grund des Statuts De comburendo haeretico v. 1400 wurden…
Buch mit Kruzifix

Hillel

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Hillel Hillel I., genannt „der Alte“, jüdischer Gesetzeslehrer, mit Schammai als letztes der sogenannten 5 Paare der Traditionskette aufgeführt., * um 50 v. Chr.; † 10 n. Chr. Über ihn und seine Gelehrsamkeit erzählt die Tradition viel Legendäres. Er soll aus einer armenisch-babylonischen Exulanten-Familie (daher auch ha-Babli) stammen, die…
Consent Management Platform von Real Cookie Banner