A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T Ü V W Z

Chasaren

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Chasaren

Chasaren, uralaltaiisches westtürkisches, halbnomadisches Volk und nach der Völkerwanderung gegründetes Reich am Kaspischen Meer (Chasaren-Meer), an der Wolga (Chasaren-Fluss) und teilweise auf der Krim. Seit 585 geschichtlich bezeugt; meist mit den Byzantinern befreundet. 627 kämpften sie mit Heraklius gegen Chosrau II. Justinians II Gemahlin Theodora und Kaiserin Irene, Gemahlin des Konstantin Kopronymos und Mutter Leos IV, waren Chasaren-Prinzessinnen. Zwischen 851 und 863 unternahm der Slawenapostel Cyrill eine Missionsreise zu dem damals im Kaukasus (Balandschar?) residierenden Chagan; 200 Personen ließen sich taufen. Vorher oder (nach den Quellen) wahrscheinlich später nahm der Chagan selbst das Judentum an. Der Brief des Chagans Joseph an Rabbi Chisdai (Buxtorf in der Praef. zu Jehuda Hallewis al-Chazari 1660; Russ. Revue 1874) ist unecht. Sehr verbreitet war unter den Chasaren der Islam. 964 wurde das Reich von den Russen unter Swjatoslaw vernichtet. –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. II, 1931, Sp. 849

Chasaren und ihre Christianisierung

Die Chasaren, wohl zu unterscheiden von den Kadscharen, waren ein altes, wildes und mächtiges Raubvolk, dessen Gebiet bei seiner Bekehrung zum Christentum sich von der Wolga und dem kaspischen Meer bis zum asowschen Meer über die Kuma, die ganze Kabardei und über einen Teil der Halbinsel Krim erstreckte. Das Verdienst, unter den Chasaren den Samen des Christentums ausgestreut zu haben, gebührt dem hl. Cyrill. Alten Nachrichten zufolge kamen zur Zeit des griechischen Kaisers Michael des Trunkenbolds Abgeordnete der Chasaren nach Konstantinopel mit der Bitte um einen tüchtigen christlichen Missionar, da sie nicht alle gewillt seien, den Glauben der Juden und Sarazenen, welche unter ihnen Proselyten zu machen suchten, anzunehmen. Die alte Freundschaft mit dem byzantinischen Hof und der Umstand, daß in der Chasarennähe, im taurischen Chersonesus selbst, unter den Iberiern, Laziern und andern asiatischen Stämmen das Christentum schon festen Fuß gefasst hatte, sprechen ebenfalls für die Wahrheit jener alten Nachricht in Betreff des angezogenen Bittgesuchs.

Um diesem Gesuch zu entsprechen, betraute der Hof von Konstantinopel im Einverständnis mit dem Patriarchen den nachher so berühmt gewordenen Slawenapostel Constantin (Cyrillus) mit dieser Mission. Dürfte man den Worten Stredowskys (Sacra Moraviae historia, sive vita SS. Cyrilli et Methodii, Solisbaci 1710) Glauben schenken, so fiele Constantins Missionsreise in das Jahr 843, auch hätte Constantin seinen Bruder Methodius mitgenommen; allein schon der Jesuit Henschen (Comment. Praev. In vitam SS. Syrilli et Methodii) und noch mehr Joseph Simon Assemani (Calendarium ecclesiae universae) haben deutlich nachgewiesen, daß Cyrill allein und erst nach 848 seine Reise über die damals noch griechische Stadt Cherson zu den Chasaren angetreten hat.

War auch Cyrills Wirksamkeit bei diesen eine sehr gesegnete, so daß er bei einem mehrjährigen Aufenthalt viele Tausende für die christliche Religion gewann, so gab es doch im zehnten Jahrhundert, wie der Mohammedaner Achmed Ibn Foßlan, der als Gesandter des Kalifen im Jahr 921 ihr Land durchreiste, erzählt, noch viele, die teils dem altväterlichen Götzendienst anhingen, teils dem Islam und Judentum zugetan waren. Im Jahr 862 kehrte Cyrill, begleitet von vielen Griechen, die ihm ihre Befreiung aus chasarischer Gefangenschaft zu verdanken hatten, wieder nach Konstantinopel zurück, um im Bund mit seinem Bruder Methodius an der Christianisierung anderer an das griechische Reich grenzenden Völkerschaften zu arbeiten. Die Aufsicht über die Christen unter den Chasaren behielt der Erzbischof von Cherson. Im Jahr 1016 wurde das Reich von den Russen zerstört. –
aus: Wetzer und Welte`s Kirchenlexikon, Bd. 3, 1884, Sp. 113 – Sp. 114

Buch mit Kruzifix
Gaonat
Buch mit Kruzifix
Friedrich I. bis III. deutsche Kaiser

Weitere Lexikon-Einträge

Buch mit Kruzifix

Paläologen

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Paläologen Paläologen, ein seit dem 11. Jahrhundert hervor tretendes byzantinisches Adelsgeschlecht, das beim Sturz des Lateinischen Kaisertums auf den Thron gelangte mit Michael VIII. (1261-82), der durch den Geschichtsschreiber Georg Akropolites 1274 eine vorüber…
Buch mit Kruzifix

Donoso Cortes

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Donoso Cortes Donoso Cortes, Juan Francisco Maria, spanischer Staatsmann, wurde am 6. Mai 1809 im Dorf Valle de la Sarena geboren, wohin sich seine Eltern, Pedro Donoso Cortes und Donna Elena Canedo, von ihrem…
Buch mit Kruzifix

Palästina

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Palästina Palästina heißt mit seinem späteren, allgemein üblichen Namen das den Israeliten von Gott verheißene und übergebene Land. Es wurde nämlich der Name des südwestlich von dem israelitischen Gebiet an der Meeresküste gelegenen Landes…
Buch mit Kruzifix

Macedonius

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Macedonius Macedonius, semiarianischer Bischof von Konstantinopel. Ursprünglich Brokatweber, lange Diakon der Kirche von Konstantinopel, bei der Wahl des Paulus arianischer Gegenkandidat, bei der Wahl, nach dem Tod des Eusebius von Nikomedia wirklicher Gegenbischof des…
Buch mit Kruzifix

Akkommodation

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Akkommodation Bedeutung des Begriffes Akkommodation Akkommodation, biblische. Akkommodation bedeutet bei den lateinischen Schriftstellern sowohl das Anpassen einer Sache an etwas, das Einrichten einer Sache nach etwas (objektive Akkommodation), als auch das Sichrichten nach etwas,…

Weitere Lexikon-Beiträge

Buch mit Kruzifix

Jerusalem

Antike
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Jerusalem Maßstabsgetreues Modell von Jerusalem zur Zeit des Zweiten Tempels. Jerusalem, die bekannte Hauptstadt des jüdischen Königreiches. Die so benannte Stadt lag an der Stelle, welche nach der ganzen Gebirgsbildung Palästinas als das Herz und der Mittelpunkt dieses Landes betrachtet werden kann. Genau westlich von der Jordanmündung, auf der…
Buch mit Kruzifix

Hergenröther

Biographie
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Hergenröther Hergenröther, Joseph, Kirchenhistoriker * 15.9.1824 zu Würzburg, † 3.10.1890 in Mehrerau (hier bestattet); studierte 1842-44 in Würzburg, 1844 bis 1848 am Germanikum in Rom, promovierte 1850 in München auf Grund der Schrift „Die Lehre von der göttlichen Dreieinigkeit nach dem hl. Gregor von Nazianz“ (Regensburg 1850) zum Dr.…
Buch mit Kruzifix

Kölner Wirren

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Kölner Wirren Kölner Wirren. Droste von Vischering hatte vor seiner Wahl auf eine Anfrage der Regierung erklärt, er „werde sich wohl hüten“, die „gemäß dem Breve“ Pius VIII. v. 25.3.1830 zwischen Bunsen und Erzbischof Spiegel 19.6.1834 getroffene Übereinkunft bezüglich der gemischten Ehen, der auch die Bischöfe von Trier, Paderborn…
Buch mit Kruzifix

Sadduzäer

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Sadduzäer Sadduzäer, nach den Pharisäern die wichtigste jüdische Partei zur Zeit Jesu. Ihr Ursprung und Wesen sind nicht völlig geklärt. Gewöhnlich wird der Name Sadduzäer vom Hohenpriester Sadok (2. SM. 8,17) hergeleitet, dessen Geschlecht, „die Söhne Sadoks“ (Ez. 40,46 usw.; Sir. 51,12H), seit Salomon bis 175 v. Chr. die…
Buch mit Kruzifix

Berengar

Irrlehrer und Irrlehren
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Berengar Berengar I. – Berengar II. – Berengar v. Tours – Berengar v. Poitiers Berengar I., römischer Kaiser 915 bis 924, ermordet 7.4.924; seit 873 Markgraf v. Friaul, 888 in Pavia zum König v. Italien gekrönt, aber wiederholt verdrängt, zuerst von Wido von Spoleto (889) und dessen Sohn Lambert,…
Buch mit Kruzifix

Kain

Heilige Schrift AT
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Kain Kain (vielleicht = Schmied oder Gebilde, Genesis 1 zusammen gestellt mit qānāh =  hervorbringen), erstgeborener Sohn Adams, bebaut das Feld, wird aus Neid, da Jahve Abels Opfer bevorzugt, zum Brudermörder. Gegen alle Gnadeneinsprüche trotzig und verstockt, dann verzweifelt, trifft ihn Gottes Fluch, so daß er als Nomade umher…
Consent Management Platform von Real Cookie Banner