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Caulet von Pamiers

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Caulet von Pamiers

Caulet, Franz Stephan von, Bischof von Pamiers, erwarb sich im Regalienstreit durch den Mut, mit dem er den Anmaßungen Ludwigs XIV. Widerstand, einen verdienten Ruhm; diesem jedoch tut sein Verhalten in den jansenistischen Streitigkeiten einigermaßen Eintrag. Er wurde am 19. Mai 1610 zu Toulouse, wo sein Vater die angesehene Stelle des Parlaments-Präsidenten bekleidete, geboren. Bei den Jesuiten zu La Flèche erhielt er seine erste Bildung; dann widmete er sich zu Paris an der Sorbonne dem Studium der Theologie. Unter der Leitung des Pater de Condren, des zweiten Generals der Oratorianer, erwarb er sich einen echt priesterlichen Geist; dem ehrwürdigen Olier, dem Stifter des Seminars und der Kongregation von St. Sulpice, stand er mit großem Eifer zur Seite. Auch zum hl. Vinzenz von Paul hatte er nähere Beziehungen, und der Ruf, den Caulet sich bei den Missionen erworben hatte, bestimmte den Heiligen, ihn im Jahre 1644 für das erledigte Bistum von Pamiers in Vorschlag zu bringen. Zum Bischof geweiht, arbeitete Caulet mit großem Eifer für das Wohl seiner Diözese, in welcher durch die Bürgerkriege und die Ausbreitung des Calvinismus dir kirchlichen Verhältnisse sehr in Verfall geraten waren. Er führte mannigfache heilsame Reformen ein, reorganisierte die kirchlichen Erziehungs-Anstalten und das Seminar und nahm sich mit Eifer der Armen an. Es gelang ihm auch, das Kapitel seiner Kathedrale, welches seiner Stiftung nach aus Regular-Chorherren bestand, zum gemeinsamen Leben und zur Beobachtung der Ordensregel zurück zu führen.

Leider ließ sich indes Caulet in die Wirren des Jansenismus verwickeln. Seine erste Erziehung und seine früheren Verbindungen hatten ihn zwar durchaus nicht der Partei von Port Royal befreundet, und noch im Jahre 1638 hatte er in dem Prozess St. Cyrans gegen denselben Zeugnis abgelegt. Allein der Bischof der Nachbar-Diözese Alet, Nicolaus Pavillon, der in dem Ruf einer großen und strengen Frömmigkeit stand und sich durch die Lektüre des Buches Arnauld`s über die öftere Kommunion zu dem Rigorismus der Jansenisten-Richtung hatte verleiten lassen, zog auch Caulet in diese Richtung hinein. Dieser folgte von nun an in Allem dem dreizehn Jahre älteren Bischof von Alet, gegen den er die größte Verehrung hegte. So schloß er sich der Distinktion der Jansenisten zwischen dem Recht und der Tatsache an, verweigerte die unbedingte Annahme des Formulars Alexanders VII. und erließ, wie die Bischöfe von Alet, Beauvais und Angers, einen Hirtenbrief, in dem er nur die bedinge Annahme und Unterschrift des Formulars, mit dem Vorbehalt der Tatsache, daß die verworfenen Sätze in dem „Augustinus“ des Jansenius sich fänden, aussprach und seinem Klerus vorschrieb. Die hierdurch entstandenen Schwierigkeiten wurden bekanntlich durch die zweideutige Unterwerfung der vier Bischöfe und den sogenannten Klementinischen Frieden beigelegt. Caulet eignete sich die häretischen Lehren der Jansenisten nicht an und ging namentlich wenig auf ihre Gnadenlehre ein; allein er beharrte bis zum Ende seines Lebens in ihren rigoristischen Tendenzen hinsichtlich der Moral und Disziplin.

Der Rigorismus der Bischöfe von Pamiers und von Alet ist mit lebhaften Farben in einem Brief geschildert, welcher im Jahre 1677 zum Lobe beider Prälaten unter dem Titel La vie et la conduite de Messieurs les Eveques d`Alet et de Pamiers veröffentlicht wurde. „In diesen Diözesen“, heißt es, „weiß man nicht, was Tänze und Reigen sind; da gibt es an Festtagen keine Märkte und öffentliche Lustbarkeiten, ja selbst die Barbiere dürfen an Sonn- und Festtagen ihre Hantierung nicht treiben. Das alles ist unter Strafe der Exkommunikation verboten, und man wacht darüber mit solcher Sorgfalt, daß wenn Jemand sich unterfängt, dem zuwider zu handeln, die ganze Pfarrei mit Interdikt belegt wird, so daß auf längere Zeit die Kirche nicht geöffnet und keine Messe gelesen werden darf.Da nun die einzelnen sehen, daß die Gesamtheit unter ihrem Ungehorsam leiden würden, so hüten sie sich vor Übertretungen. In diesen Diözesen ist der Klerus nicht zahlreich; denn die meisten fremden Priester, von denen diese Stadt (Toulouse) voll ist, fürchten sich, dorthin zu gehen, wegen der Reform, der sie sich unterwerfen müssen, und diese beiden großen Prälaten weihen fast keine Priester. Denn der Bischof von Pamiers weihte in drei Jahren keine zwei Priester, der Bischof von Alet in zwölf Jahren kaum einen einzigen, da er Niemandenin diesen heiligen Stand aufnehmen mag, ohne ihn zuvor zehn oder zwölf Jahre in seinem Seminar geprüft zu haben“ (Loyson, L`assemblée du Clergé de France de 1682, ch. 2). Neben dem Tadel, den dieser jansenistsiche Rogorismus hervorruft, verdient dagegen Caulets Benehmen im Regalienstreit die vollste Anerkennung. –

Durch die willkürlichen Verordnungen Ludwigs XIV. wurden die Regalien über etwa sechzig Diözesen ausgedehnt, die ihnen früher nicht unterworfen waren. Es war in der Verordnung festgesetzt, daß alle Bischöfe, die es bisher noch nicht getan hatten, ihren Treueid innerhalb sechs Monaten müssten einregistrieren lassen, widrigenfalls in ihren Diözesen das Regalienrecht, als ob eine Sedisvakanz stattfände, vom König würde ausgeübt werden. Nach einem schlaffen Widerstand unterwarfen sich fast alle Bischöfe demWillen des Königs; nur Pavillon, der Bischof von Alet, und Caulet, der Bischof von Pamiers, protestierten gegen die königliche Verfügung und verteidigten die Rechte und die Freiheit ihrer Kirchen, indem sie sich auf die alte Disziplin und auf das zweite allgemeine Konzil von Lyon (1274), durch welches die Ausdehnung der Regale unter Exkommunikation verboten war, beriefen. Pavillon starb, 80 Jahre alt, bald nach Ausbruch des Streites, im Jahre 1677; Caulet aber blieb in seiner Verteidigung der kirchlichen Rechte standhaft.

Der König ging nun mit Gewaltmaßregeln vor. Er entzog dem Bischof und seinem Kapitel alle Einkünfte; alle Benefizien, die seit den dreißig Jahren der Verwaltung Caulet`s besetzt waren, wurden als erledigt betrachtet, ihren Inhabern genommen und an Andere vergeben. Hierdurch entstand eine große Spaltung und Verwirrung in der Diözese. Der Klerus blieb zwar im Allgemeinen dem Bischof treu; allein die fremden Eindringlinge, denen die Benefizien übertragen waren, kümmerten sich wenig um die Zensuren des Bischofs, zumal da der Metropolitan von Toulouse auf Seiten des Königs stand und dieselben aufhob. Vergeblich wendete sich Caulet in mehreren Briefen an Ludwig XIV. und an dessen Beichtvater, Pater La Chaise; endlich im Jahre 1678 appellierte er an den apostolischen Stuhl.

Nun trat Papst Innozenz XI. mit Entschiedenheit auf und mahnte den König ernstlich, von seinem Beginnen abzulassen. Allein der gewünschte Erfolg ward nicht erlangt; die Gewaltmaßregeln gegen Caulet und seine Diözese wurden aufrecht gehalten. Bald hatte der Kampf die Kräfte des bejahrten Bischofs aufgerieben, und er starb am 7. August 1680. Auch durch eine Schrift: Traité de la Régale imprimé par l`ordre de Monsigneur l`Evêque de Pamiers pour la défense des droits de son Église, Cologne 1680, die im selben Jahr erschien, hatte Caulet die Rechte der Kirche zu verteidigen gesucht. Der Kampf gegen die Regale dauerte in der Diözese unter den mutigen Kapitularvikaren d`Aubarède und Cerle noch längere Jahre fort. –
aus: Wetzer und Welte`s Kirchenlexikon, Bd. 2, 1883, Sp. 2064 – Sp. 2067

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