A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T Ü V W Z
Antike

Antiochus

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Antiochus

Antiochus I. * Antiochus II. Theos * Antiochus III. der Große * Antiochus IV. Epiphanes * Antiochus V. Eupator * Antiochus VI. Epiphanes Dionysus * Antiochus VII. Sidetes * Antiochus VIII. Epiphanes Kallinikus * Antiochus IX. Philopator Kyzikenus

Antiochus, Feldherr des Philippus von Mazedonien, des Vaters Alexanders d. Gr. Als letzterer nach Asien zog, ging des Antiochus junger Sohn, Seleukus, mit. Nach Alexanders Tod gelangte dieser zu hoher Stellung und wurde nach langjährigen Kämpfen Gründer des Seleukiden-Reiches (endgültig befestigt nach der Schlacht bei Ipsus, April 301 v. Chr.) Mehreren neu gegründeten Städten legte er den Namen seines Vaters bei, vor allem seiner Hauptstadt Antiochia am Orontes. Den Namen Antiochus führten dann 13 syrische (seleukidische) Könige. In dieser Dynastie kehren auch folgende Namen wieder: Seleukus, Laodike (Mutter des Seleukus I.) und Apama (seine baktrische Frau).

Antiochus I., Sohn des Seleukus I, erhielt den fast göttlichen Beinamen Soter (Erretter, Heiland) wegen des Sieges über die Galater (um274); seit 292 Mitregent seines Vaters. Bei dessen Tod im Frühling 280 ernannte Antiochus seinen Sohn Seleukus zum Mitregenten, der aber in Ungnade fiel und wahrscheinlich hingerichtet wurde. Antiochus I. führte den 1. syrischen Krieg gegen den ägyptischen König Ptolemäus Philadelphus (Ptolemäer) ohne besonderen Erfolg. Er starb 261.

Antiochus II. Theos, Sohn des vorigen, regierte 261 bis 246, kühn, aber wankelmütig. Nach erfolglosem Versuch, Thrakien zu erobern, zog er gegen Ptolemäus Philadelphia, um Cilicien und Coelesyrien (samt Palästina) wieder zu gewinnen; schloss Frieden nach eta 7 Jahren des Kampfes. Dann heiratete er Berenike, Tochter des Ptolemäus (um 249), die ihrem Gemahl Coelesyrien als Mitgift brachte. Damals fing die Auflösung des Reiches an durch den Abfall Baktriens unter Diodotus. Den Titel Theos erhielt Antiochus zunächst als Befreier der Stadt Milet vom Tyrannen Timarchus. An seinem Tod durch Gift war fast sicher Laodike, seine verstoßene, später zurückgerufene erste Frau, mitschuldig. Sodann ließ sie Berenike und deren kleinen Sohn Antiochus ermorden; Anspielung darauf bei Dn. 11, 6.

Antiochus III. der Große, erwähnt 1. Makk. 1, 11; 8, 6ff; bestieg 223 den Thron nach dem gewaltsamen Tod seines Bruders Seleukus III. Damals kaum 19jährig, bezeugte er sofort sein Herrschertalent, besiegte und tötete den aufständischen Molon in Medien (220), später seinen Vetter Achäus in Kleinasien (213). Er fiel 221, 219 und 218 in das beanspruchte Coelesyrien ein, wurde aber 217 bei Raphia, südlich von Gaza, von Ptolemäus IV. geschlagen. Darauf marschierte der Ägypterkönig in Jerusalem ein. Antiochus III. wandte sich wieder nach Osten. Seine glänzenden Erfolge gegen die aufständischen Parther, Baktrier und Armenier sowie sein siegreicher Zug nach dem Bassin des Indus und zurück den Persischen Golf entlang gewannen ihm den Titel „der Große“ (204). Nun drang er bis Gaza vor (201), und obwohl die Römer als Schutzherren des jungen Ptolemäus V. seine Eroberungspläne durchkreuzten, gewann er das Gebiet endgültig nach der Schlacht bei Paneas 198. Antiochus III. zeigte sich den Juden gegenüber wohlwollend und schützte ihren Kult durch Erlasse (Josephus, Antiqu. 12, 3, 3). Seine Einmischung in die Angelegenheiten des Westens führte zum Krieg mit Rom. Dreimal geschlagen, zuletzt bei Magnesia 189, musste er Kleinasien nördlich von Taurus aufgeben. Beim Versuch, in der Elymais einen Beltempel zu plündern, wurde er 187 von Eingeborenen erschlagen. – Kurz geschildert wird seine Regierung in Dn. 11, 10-19 (vgl. Hieronymus, Kommentar dazu).

Antiochus IV. Epiphanes, jüngerer Sohn von Antiochus III., regierte 175 bis 164/63 (vgl. Dn. 11, 21-45; 1. Makk. Kap. 1-6; 2. Makk. Kap. 3-9). Er kam 189 als Geisel nach Rom. Hier löste ihn 176/75 sein Neffe Demetrius I. ab. Während seiner Rückreise wurde Seleukus IV. (187 bis 175) vom ehrgeizigen Minister Heliodor ermordet. Diesen aber verdrängte Antiochus IV. sofort und bestieg den Thron. Antiochus IV: war tüchtig, allein zu prachtliebend und bis zur Selbstvergötterung eitel, wie schon aus seinem Beinamen Epiphanes („Erscheinung“, sc. des Familiengottes Apollo oder des Zeus) ersichtlich, bisweilen fast wahnsinnig und grausam, so gegen die Juden (makkabäische Märtyrer); vgl. allerdings Diodor 34, 1, 3/5.

Nach einem Feldzug in Ciliciengriff er um 170 Ägypten an und nahm Ptolemäus V. gefangen. Auf dem Rückweg richtete er in Jerusalem wegen des Aufstandes Jasons ein großes Blutbad an und plünderte den Tempel. Ein weiterer ägyptischer Feldzug 2 Jahre später setzte ihn fast in den besitz des Landes; die Römer nötigten ihn aber zum sofortigen Abzug (Gesandtschaft des Popilius Länas 168). Bitter enttäuscht, entschloss sich Antiochus, wenigstens Coelesyrien und Palästina zu halten. Er ließ eine mazedonische Zwingburg in Jerusalem bauen, zunächst um jeden Aufstand zu Gunsten Ägyptens unterdrücken zu können.Endgültig wollte er mit dem gehassten Sonderkult der Juden aufräumen und sie fest an Religion, Kultur und Politik des Reiches binden. Er beauftragte den Feldherrn Apollonius mit der Ausführung eines Ediktes, nach dem die Hellenisierung mit Gewalt durchgeführt und die Befolgung der jüdischen Religionssatzungen mit dem Tod bestraft werden sollte. Am 25. Kisleu (Ende Dezember 168/67) erfolgte die förmliche Einweihung bzw. Schändung des Tempels, indem auf dem umgebauten Brandopfer-Altar dem olympischen Zeus geopfert wurde. Viele Juden fügten sich eingeschüchtert, andere ermannten sich allmählich zum Widerstand; über die Verfolgung vgl. 1. Makk. 1, 10f, 20-65; 2. Makk. 4, 7ff; 6, 7; Josephus, Antiqu. 1, 2, 5 u. 6. Die Folge war die makkabäische Erhebung (Makkabäer).

Antiochus IV. entfaltete eine außerordentliche Pracht in Antiochien (neues Stadtviertel, großer Kultzug nach Daphne; vgl. Polybius 31, ¾). Da die Parther an der Ostgrenze seines Reiches immer größere Unruhen verursachten, unternahm Antiochus IV: einen Orientzug, wozu er durch Geldstrafen, Steuererhebung und wohl auch Tempelplünderung (wie schon zu Jerusalem und Hierapolis und wahrscheinlich in Ägypten) seine Kassen füllte. Er ließ Lysias als Reichsverweser im Westen mit dem jungen Prinzen Antiochus (s. u.) zurück und befahl, gegen die Juden vorzugehen. Nach einem vereitelten Versuch, einen Tempel in Persien zu plündern, erfuhr Antiochus IV. die Erfolge des Judas Makkabäus und starb auf der Rückreise zu Tabae.

Antiochus V. Eupator, unmündiger Sohn von Antiochus IV., war nur ein Werkzeug des Lysias. Die Römer griffen gewaltsam ein, was die Ermordung ihres Legaten Cn. Octavius zur Folge hatte. Dies bereitete Lysias allerlei Schwierigkeiten; dazu fürchtete er ständig die Rückkehr seines Nebenbuhlers Philippus vom Orient mit dem Heer des Epiphanes. Er zog 162 nochmals gegen die Juden, die vor der Übermacht nach der Kapitulation Bethsurs sich nach Jerusalem zurückzogen. Lysias musste die Belagerung wegen der Ankunft des Philippus in Antiochien aufgeben und Frieden schließen, wobei dem Juden freie Religionsübung zugestanden wurde. Philippus wurde geschlagen (getötet?), bald darauf aber auch Lysias samt Antiochus V. ermordet zu Gunsten von dessen aus Rom entflohenen Vetter Demetrius I.

Antiochus VI. Epiphanes Dionysus, 145 bis 141 (?), Sohnd es Alexander Balas, ein Kind, scheinbar unterstützt von Diodotus Trypho, der ihn aus Arabien kommen ließ und nach Vertreibung des rechtmäßigen Königs aus der Hauptstadt zum König unter seiner Vormundschaft einsetzte. Der Hohepriester Jonathan schloss sich Antiochus VI. an, wurde jedoch bald von Trypho ermordet, der später auch Antiochus VI. ums Leben brachte und sich als König ausrufen ließ.

Antiochus VII. Sidetes, regierte 139 bis 129, verließ die Stadt Side in Kleinasien zur Zeit der Gefangenschaft seines Bruders Demetrius II. in Hyrkanien (Justin 36, 1-6) und nahm in Tripolis die Königswürde an, heiratete die Königin Kleopotra Thea (frühere Frau des Alexander Balas und Demetrius II.); suchte anfänglich die Freundschaft des Hohenpriesters Simon (1. Makk. 15, 1-9). Bald aber verhielt er sich zu ihm kühler, nach Niederwerfung des Usurpators Trypho feindlich. 138 schickte er den Feldherrn Kendebäus ab, der aber eine Niederlage erlitt (1. Makk. 15, 38ff; 16, 1-10). Unter Simons Nachfolger Johannes Hyrkanus I. unternahm er selbst einen Zug gegen die Juden, der nach einer langen Belagerung mit der Kapitulation Jerusalems endete (Josephus, Antiqu. 13, 8, 2ff). Antiochus VII. verlangte Geiseln und zerstörte die Befestigungen. 130 zog er gegen die Parther, um Demetrius II. zu befreien. Nach 4 Niederlagen entsandten die Parther Demetrius nach Antiochien, um einen Bürgerkrieg in Syrien zu verursachen. Bald darauf wurde Antiochus VI. von den Parthern besiegt und getötet (nach einigen Brichten nahm er sich selbst das Leben). – Justin 36, 3 u. 38, 10. Appian, syr. 68. Diodor 33, 4 u. 28.

Antiochus VIII. Epiphanes Kallinikus mit dem Beinamen Grypus („mit der Adlernase“) regierte 125 bis 113, zunächst unter Vormundschaft seiner herrschsüchtigen Mutter Kleopatra Thea. Als sie ihn vergiften wollte, zwang er sie, selbst den Giftbecher zu trinken. In der verkommenen Dynastie folgte eine Intrige der andern. Antiochus VIII. wurde 113 durch seinen Vetter Antiochus IX. verdrängt, kehrte 111 zurück und entriss diesem den wichtigsten Teil Syriens. Antiochus VIII. wurde 96 ermordet. – Josephus, antiqu. 13,3,4. Appian, Syr. 69.

Antiochus IX. Philopator Kyzikenus (Nach einer Stadt Mysiens), Sohn des Antiochus VII., regierte 113 bis 95 wohl ständig in Antiochien; schwach und charakterlos; unterstützte die Samariter gegen Johannes Hyrkanus, wurde aber durch dessen Söhne Antigonus und Alexander zurückgeschlagen. Bei einem weiteren Fehlschlag zerstörten die Juden Samaria. Antiochus IX. starb 95 im Kampf gegen Seleukus VI., den ältesten Sohn des Antiochus VIII.

Über die weiteren Träger dieses Namens siehe unter Seleukiden. –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. I, 1930, Sp. 498 – Sp. 501

Tags: Heidentum
Buch mit Kruzifix
Aristobul
Buch mit Kruzifix
Reichensperger

Weitere Lexikon-Einträge

Buch mit Kruzifix

Du Vergier

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Du Vergier Du Vergier (verger) de Hauranne, Jean, gewöhnlich St. Cyran genannt, Jansenist, * 1581 zu Bayonne, †10.10.1643 zu Paris; studierte zu Paris und Löwen bei den Jesuiten, war zuerst ihr Lobredner, dann ihr…
Buch mit Kruzifix

Ursacius

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Ursacius Ursacius, Bischof von Singidunum (Belgrad), mit seinem Freund Valens, dem Bischof von Mursa (esseg), Führer der abendländischen Arianer (Eusebianer), † nach 371; Schüler des Arius (Athanasius, Ep. ad. Episc. Aegypti 7), wohl während…
Buch mit Kruzifix

Passah

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Passah Passah oder Pascha (nach Ex. 12,27 richtig von rasch, d. h. schonend vorüber gehen), jährliche Wiederholung des ersten Passah in Ägypten zur Erinnerung an die Verschonung der israelitischen und Tötung der ägyptischen Erstgeburt…
Buch mit Kruzifix

Sara

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Sara Sara, im Alten Testament 1. die Gemahlin des Patriarchen Abraham, war zugleich dessen Halbschwester, vom nämlichen Vater und einer andern Mutter geboren (Gen. 20,12). Die Annahme der Juden, sie sei identisch mit Jescha,…
Buch mit Kruzifix

Loyson

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Loyson Loyson, Charles, *10.3.1827 zu Orléans, † 9.2.1912 zu Paris; 1851 Professor der Philosophie am Grand Séminaire v. St-Sulpice in Avignon, 1854 Professor der Dogmatik am Grand Séminaire in Nates, 1856 Vikar bei St-Sulpice…

Weitere Lexikon-Beiträge

Buch mit Kruzifix

Galerius

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Galerius römischer Kaiser und Christenverfolger Galerius, eigentlich Cajus Galerius Valerius Maximianus, römischer Kaiser. Illyrier von niederer Herkunft, tüchtiger Soldat und Heerführer, aber von barbarischen Sitten, fanatischer Heide und Christenfeind. Diokletian machte ihn 1.3.293 zum Cäsar und Mitregenten für den Orient und gab ihm seine Tochter Valeria zur Frau. Galerius…
Buch mit Kruzifix

Lapsi

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Lapsi (Traditoren) Lapsi, Christen, die vom christlichen Glaubens wieder abfielen, besonders jene, die sich in Zeiten der Christenverfolgungen schwach erwiesen und ihren Glauben entweder schon unter moralischem Zwang oder unter Einwirkung physischer Gewalt durch heidnische Opfer oder wenigstens eine entsprechende Handlung verleugneten. Bereits für die Frühzeit wird das von…
Buch mit Kruzifix

Moab

Heilige Schrift AT
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Moab Moab, im Alten Testament 1. Name eines Stammvaters, des Sohnes Lots von seiner älteren Tochter (Gen. 19, 37); 2. eines von diesem abstammenden Volkes (zuerst Ex. 15, 15 u. ö.), sonst Moabiter genannt (Gen. 19, 37); 3. des von letzteren bewohnten Landes (Gen. 36, 35), welches in der…
Buch mit Kruzifix

Decius

Antike
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Decius römischer Kaiser und Christenverfolger Decius, Cajus Messius Quintus Trajanus, 249 bis 251 römischer Kaiser. Die decische Verfolgung, die 7. nach der traditionellen Zählung, die erste zielbewusste und planmäßige, wollte das Christentum im ganzen Reich ausrotten und beginnt eine neue Periode in der Geschichte der Christen-Verfolgungen. Decius war einer…
Buch mit Kruzifix

Heidenchristen

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Heidenchristen Heidenchristen nennt man die Gläubigen aus dem Heidentum der frühchristlichen Zeit. Der erste Heidenchrist war der durch Philippus (Apg. 8,22ff) bekehrte äthiopische Eunuch. Größere Bedeutung kommt der Bekehrung des heidnischen Hauptmanns Kornelius durch Petrus (Apg. 10) zu. Das zeigt die Notwendigkeit der Verteidigung des Vorganges durch Petrus in…
Buch mit Kruzifix

Palästina

Heilige Schrift AT
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Palästina Palästina heißt mit seinem späteren, allgemein üblichen Namen das den Israeliten von Gott verheißene und übergebene Land. Es wurde nämlich der Name des südwestlich von dem israelitischen Gebiet an der Meeresküste gelegenen Landes der Philister (Peleschet (assyr. Palaschtu, ägypt. Puluschta), von den Griechen und Römern auch auf das…
Consent Management Platform von Real Cookie Banner