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Antike

Ptolemäer

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Ptolemäer

Ptolemäer hießen die griechisch-mazedonischen Könige Ägyptens nach dem Gründer der Dynastie, Ptolemäus, einem Diadochen. Geläufig ist auch die Bezeichnung Lagiden, nach dessen Vater Lagus, Ptolemäus I. (Lagi) Soter, Feldherr Alexanders d. Gr., Satrap von Ägypten seit 323, nahm 304 den Königstitel an. Unter ihm erreichte Alexandria eine Blüte, würdig des großen Alexander. Nach der Schlacht bei Gaza 312 überrumpelte er Jerusalem am Sabbat (Josephus, Antiqu. 12, 1,1; Contra Apionem 1 22), aber erst nach der Schlacht bei Ipsus 301 wurde Palästina dem ägyptischen Reich für ein Jahrhundert eingegliedert (vgl. Dn. 8, 8; 11, 5). Er gründete das berühmte Museion samt Bibliothek zu Alexandria (Ammianus Marcell. 16, 3; Gellius VI 17, 3; Strabo XVI 793; Pauly III 1, 409).

Er übergab die Regierung seinem jüngsten Sohn Ptolemäus II. Philadelphus, 285 bis 247. Dieser zog gegen die Seleukiden zu Felde (1. Syrischer Krieg) und erhöhte seinen Einfluss durch die Heirat seiner Tochter Berenike mit Antiochus II. Aber dieser wurde vergiftet und später die Königin selbst mit ihrem Kind ermordet (Dn. 11, 6).

Ptolemäus III. Euergetes 246 bis 221 zog mittlerweile gegen Seleukus II. (Dn. 11, 7-9). Er siegte und drang bis über den Euphrat vor. Unter ihm erlangte Ägypten die größte Machtentfaltung; doch hub schon gleich wegen innerer Unruhen der Verfall an.

Sein Sohn Ptolemäus IV. Philopator setzte den Angriffen des Antiochus III auf Palästina durch seinen Sieg zu Raphia 217 vorläufig ein Ende (Dn. 11, 11f; Polybius V 82/86);
aber unter Ptolemäus V. Epiphanes 203 bis 181 ging Palästina an Syrien verloren (Dn. 11, 13-16). Allerdings erhielt die Tochter des Antiochus III Kleopatra anlässlich ihrer Heirat mit Ptolemäus V (Dn. 11, 17) die Nutznießung Palästinas und Cölesyriens als Mitgift.

Ihr ältester Sohn, Ptolemäus VI. Eupator, starb bald nach seinem Regierungsantritt.
Es folgte der jüngere Ptolemäus VI. (bzw. VII.) Philometor 180 bis 145, anfangs unter Vormundschaft der Mutter. 170/69 fiel Antiochus IV. in Ägypten ein und nahm den Ptolemäus gefangen. Das diesem entrungene Abkommen wurde von den Alexandrinern abgelehnt; sie riefen den jüngsten Bruder, Ptolemäus Physkon, zum König aus. Kleopatra (II) versöhnte ihre 2 Brüder miteinander; darob erschien Antiochus wieder in Ägypten, und es bedurfte des Eingreifens der Römer, um die Unabhängigkeit des Landes zu retten (Dn. 11, 22-30; Polybius XXIX 11; Livius XLV 12).

Da sich die Brüder auf die Dauer nicht vertrugen, kam es zu einer Teilung: Philometor herrschte über Ägypten undZypern, Physkon über Cyrene und Cilicien. Später nützte Philometor die syrische Thron-Streitigkeiten aus, stellte sich zunächst auf Seiten des Alexander Balas und gab ihm seine Tochter Kleopatra (Thea) zur Frau; er nahm sie ihm aber bald wieder und verheiratete sie an den rechtmäßigen Thronfolger Demetrius II.

Philometor rückte in Nordsyrien ein und ließ sich gar in der Hauptstadt Antiochia zum König Syriens (oder des ganzen Seleukiden-Reiches?) krönen. In der darauf folgenden Schlacht besiegte er den Alexander Balas, starb aber selbst bald danach an Verletzungen eines Unfalls (etwa Mai 146); vgl. 1. Makk. 10, 51-58; 11, 1-19. Er war ein besonderer Gönner der Juden, die er für politische Zwecke auf seine Seite ziehen wollte; auch gestattete er ihnen die Erbauung des Judentempels zu Leontopolis. –

Kleopatra II. regierte nur wenige Wochen mit ihrem Sohn Ptolemäus VII. (VIII) Eupator, da sich Ptolemäus VII. (IX) Physkon der Herrschaft bemächtigte und zunächst seine Schwester Kleopatra, später die Tochter des Philemtor, Kleopatra III. heiratete. Seine Regierung 145 bis 116 ist eine Kette von Gräueln im öffentlichen wie Familienleben. An ihn ist das Schreiben 1. Makk. 15, 16-21 gerichtet. Nach ihm regierte Kleopatra III. mit dem älteren Sohn Ptolemäus VIII. (X) Soter II. Lathyrus (116 bis 108/107). Später nahm sie statt seiner den jüngeren Sohn Ptolemäus IX. (XI) Alexander I. zum Mitregenten an.

Lathyrus erscheint seit 107 als Vizekönig in Zypern. Von einigen phönizisch-palästinensischen Städten gegen Alexander Jannäus herbei gerufen, machte er bedeutsame Fortschritte, weshalb Kleopatra sich mit dem Hasmonäer verbündete. Der Vormarsch des Lathyrus gegen Alexandria blieb erfolglos (vgl. Josephus, Antiqu. 13, 12, 2/6,; 13, 1/3). Ptolemäus Alexander räumte 101 die herrschsüchtige Mutter aus dem Weg und regierte mit seiner Gemahlin Kleopatra Berenike, einer Tochter des Lathyrus, bis 88. Er wurde dann vertrieben und kam auf der Flucht um, worauf Lathyrus zum 2. Mal König wurde (88 bis 80).

Nach ihm herrschte Kleopatra Berenike eine Zeit lang allein, dann mit ihrem Stiefsohn Ptolemäus Alexander II., dem sie wider Willen die Hand reichte. Nach 19täg. gemeinsamer Regierung ließ der König die Stiefmutter töten, wurde aber selbst ein Opfer der Volkswut. Mit ihm erlosch die legitime Linie der Ptolemäer.

Es folgte ein unebenbürtiger Sprößling, Ptolemäus XIII. Auletes 80 bis 51, dann dessen älterer Sohn Ptolemäus XIV. mit seiner Schwester, der berüchtigten Kleopatra IV. Als Ptolemäus 47 im Nil ertrank, regierte Kleopatra mit dem jüngeren Bruder Ptolemäus XV. und nach dessen Ermordung 44 mit Ptolemäus XVI. Cäsarion, ihrem und des Julius Cäsar Sohn. Er wurde 31 hingerichtet. Kleopatra starb 30; aber schon 31 war Ägypten römische Provinz geworden. –

Es werden Ptolemäer in 1. Makk., in Est. 11,1, im Prolog zum Buch Sirach sowie im Aristeasbrief erwähnt; welche in den einzelnen Fällen gemeint sind, ist noch nicht einwandfrei festgestellt. –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. VIII, 1936, Sp. 557 – Sp. 559

Tags: Heidentum
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