Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Servet

Servet (Servetus, Serveto; die Form Servede findet sich weder auf den Büchertiteln noch in den Prozssakten; nach dem Stammsitz seiner Familie auch Villanovanus genannt), Michael, * wahrscheinlich 29.9.1511 zu Tudela in Navarra, hoch begabt, vielseitig gebildet, von ernster Frömmigkeit, doch unruhigen Geistes; nach etwas unstetem Wanderleben seit 1540 Arzt in Vienne. Hier erschien 1553 sein Hauptwerk „Christianismi Restitutio“ (deutsch v. B. Spieß, 3 Bde, 1892/96), worin er den vollendetsten Antitrinitarismus (sabbellianischer Prägung) auf der Grundlage eines neuplatonischen Pantheismus vertrat. Wegen seiner antitrinitarischen Anschauungen war er schon 1530 mit Ökolampadius und seit 1545 auch mit Calvin zerfallen. Nach dem Erscheinen seines Hauptwerkes wurde er von Genf aus bei der Lyoner Inquisition angezeigt und durch sie 17.6.1553 zum Feuertod verurteilt. Schon zuvor war Servet jedoch flüchtig gegangen und, wohl in der Absicht, nach Italien zu reisen, nach Genf gekommen. Hier wurde er auf Calvins Betreiben verhaftet, in der von diesem verfaßten Anklageschrift der Leugnung der Trinität und der Gottheit Christi, des Pantheismus und Anabaptismus beschuldigt und, nachdem seine Lehre auch die Räte und Theologen von Bern, Basel, Zürich und Schaffhausen verworfen hatten, 26.10.1553 durch den Genfer Rat unter Calvins Druck zum Tod verurteilt und, da er den Widerruf verweigerte, 27.10. verbrannt (Prozessakten in CorpRef XXXVI). –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. IX, 1937, Sp. 499

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