Sabatier

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Sabatier

Sabatier, Louis Auguste, französischer reformierter Theologe, * 22.10.1839 zu Vallon (Dep. Ardèche), Professor der reformatorischen Dogmatik 1867-73 an der Universität Straßburg, seit 1877 an der von dort nach Paris übertragenen Fakultät; † 12.4.1901 zu Paris. Anfänglich auf reformiert-orthodoxem Standpunkt, wandte er sich später der historisch-kritischen Methode auch auf die Evangelien an, erklärte die Offenbarung rein psychologisch, deutete Glaubenserkenntnis, und Dogma als bloß symbolhaften Ausdruck unserer religiösen Gefühle (Fideismus) und sah das Wesen des Christentums in der Gotteskindschaft, deren sich Jesus zuerst bewußt geworden. Er machte die Schleiermachers und Ritschls in Frankreich bekannt, übte großen Einfluß auf die zeitgenössische protestantische Theologie und bereitete dem Modernismus in der katholischen Theologie die Wege. Von seinen zahlreichen Werken seien genannt aus der orthodoxen Periode: Essai sur les sources de la vie de Jésus (Toulouse 1866), aus der Übergangszeit: L`apôtre Paul (Paris 1896); aus der späteren zeit: La vie intime des dogmes (ebd. 1890; deutsch 1890); Esquisse d`une philosophie de la religion (ebd. 1897, 1910; deutsch 1898); Les religions d`autorité et la religion de l`esprit (Paris 1903,1910)

Sabatier, Paul, protestantischer Kirchenhistoriker, * 3.8.1858 zu St-Michel-de-Chabrillanoux (Ardèche), studierte Medizin zu Montpellier, dann Theologie in Paris unter starker Beeinflussung durch E. Renan, war 1885-89 Hilfspastor in Straßburg, dann kurze Zeit Pastor in St-Cierge-la-Serre (Ardèche), lebte darauf meist in Assisi und seiner Heimat, seit 1919 Professor der KG an der protestantischen Fakultät zu Straßburg, † ebd. 4.3.1928. Seinen Schriftstellerruhm verdankt er seiner Vie de S. François d`Assise (Paris 1894), die gegen 50 Auflagen erlebte und in viele Sprachen übersetzt wurde (deutsch von M. Lisko, Zürich 1935), aber auf den Index kam. Psychologisches Eindringen und Eleganz des Stils zeichnen es aus. Die Edition définitive erschien 1931, ebd. 1932 Études inédites sur S. François, hrsg. v. A. Goffin. Für die Wissenschaft anregend, wenn auch vielfach abgelehnt, waren seine Textveröffentlichungen: Speculum perfectionis )Paris 1898; 2 Bde, Manchester 1928/31); … Unstreitig hat Sabatier die Franziskaner-Verehrung in weite akatholische Kreise getragen und das Franziskus-Studium neu angeregt. Zu letzterem zweck entstanden auf sein betreiben in Assisi und in England eigene Gesellschaften. Über seine liberale theologische Einstellung bieten seine nicht-franziskanische Schriften Aufschluss, s A propos de la séparation des Eglises et de l`Etat (Paris 1905 u.ö.; deutsch 1907). „Mein Herz ist katholisch, mein Verstand rationalistisch“, schrieb er einmal. Der Protestantismus hat nach ihm seine geschichtliche Mission erfüllt und interessierte ihn nicht. Sein Ideal war eine überkonfessionelle Religion.

Sabatier, Pierre, Mauriner, * 1682 zu Poitiers, † 22.(24?) 3.1742 zu Reims, erhielt nach der Ordensprofeß (30.6.1700) zu Meaux seine wissenschaftliche Ausbildung in St-Germain-des-Prés zu Paris und wurde verehrender Mitarbeiter des geistig und wissenschaftlich führenden Th. Ruinart an den AnnOSB, wandte sich dann in Anknüpfung an J. Martianay mit außerordentlicher Hingebung und mit klar scheidendem Scharfsinn der zeitgemäßen Sammlung der Itala-Texte zu, die er aus biblischen und liturgischen Handschriften und Drucken, vorwiegend aus über 60 lateinischen Kirchenvätern, sorgsam erhob. Die Itala galt ihm als alleinige altlateinische Kirchenbibel. Das Meisterwerk erschien 1743/49 in 3 Foliobänden in Reims, wohin Sabatier 1727 wegen jansenistischer Verwicklung versetzt worden war, dann (weil rasch vergriffen) 1751 in Paris: Bibliorum Sacrorum Latinae Versiones Antiquae seu Vetus Italica (in Bd. III Lebensabriss Sabatiers). Eine Neubearbeitung bereitete J. Denk vor, dessen Material in Beuron liegt. Auch Sabatiers Kataloge der Klosterbüchereien von St-Germain-des-Prés und St-Nicaise (Reims) bedeuten eine wissenschaftliche Förderung . Als Mönch ungemein zurückgezogen, fromm, treu und gütig. –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. IX, 1937, Sp. 47 – Sp. 48

Buch mit Kruzifix
Schleiermacher
Buch mit Kruzifix
Fideismus

Weitere Lexikon-Einträge

Buch mit Kruzifix

Eichensynode

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Eichensynode Eichensynode, Herbst 403 abgehalten auf einem Landgut am Bosporus bei Chalcedon, mit einer Villa, die vom früheren Minister Rufinus († 394) erbaut war (daher auch „Rufinianai“) und wegen einer großen Eiche die Bezeichnung…
Buch mit Kruzifix

Du Plessis

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Du Plessis-Mornay Du Plessis-Mornay, Philipp, der „Hugenottenpapst“, geb. 5. November 1549 auf Schloss Buhy in der Normandie, gest. 11. November 1623 auf Schloss La Forêt-sur-Sèvres. Der Vater, welcher noch äußerlich katholisch war, jedoch den…
Buch mit Kruzifix

Bayle

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Bayle Bayle, Pierre, Philosoph, Historiker, Journalist, * 18.11.1647 zu Carlat-le-Comte (Comté de Foix) bei Pamiers (Denkmal), † 28.12.1706 zu Rotterdam. Empfing die erste Bildung durch seinen Vater, den calvinistischen Prediger Jan Bayle, und auf…
Buch mit Kruzifix

Molina

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Molina Molina, Alonso de, OFM, Missionar und Sprachforscher, * wahrscheinlich 1511 zu Escalona (Spanien), wanderte mit seinen Eltern 1523 nach Mexiko aus, 1555 Guardian von Texcoco, † 18.3.1584 zu Mexiko. Verfaßte das 1. Wörterbuch…
Buch mit Kruzifix

Raimund von Pennafort

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Raimund von Pennafort Raimund von Pennafort, hl., OP, *um 1175 auf dem Schlosse Pennafort bei Barcelona, †6.1.1275 zu Barcelona. Sprosse einer edlen katalanischen Familie, studierte und lehrte Kirchenrecht in Barcelona. Von 1210 an in…

Weitere Lexikon-Beiträge

Buch mit Kruzifix

Coligny

Calvinisten
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Coligny Coligny, altes französisches Adelsgeschlecht, dem u.a. die 3 zum Calvinismus übergetretenen Brüder entstammen: 1) François, Sieur d`Andelot, General, *1521, † 27.51569; bekannte sich seit 1553 zum Calvinismus. – J. De Laborde (Par. 1886) 2) Gaspard, Sieur de Châtillon, Admiral von Frankreich, * 16.2.1519 auf Schloß Châtillon-sur Loing (Dep.…
Buch mit Kruzifix

Enzyklopädisten

Freigeist
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Enzyklopädisten Enzyklopädisten, die Herausgeber (Diderot und d´Alembert) und Mitarbeiter (Rousseau, der jedoch seit 1757 als Gegner der materialistischen Tendenz der Enzyklopädisten auftrat, Voltaire, Baron v. Holstein, Turgot, Grimm Duclos, Marmontel, de Jaucourt, Boulanger u.a.) der Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers (Paris 1751/72, 28…
Buch mit Kruzifix

Lachaise

Orden und Ordensleute
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Lachaise Lachaise, Francois d`Aix de, der Beichtvater des Königs Ludwig XIV. von Frankreich, schon durch den nach ihm benannten Pariser Kirchhof weltbekannt, war das zweite von zwölf Kindern des Georg d`Aix, Lehnsherrn von La Chaise und Ritters des Ordens vom hl. Michael, zugleich Großneffe des Jesuitenpaters Cotton und Neffe…
Buch mit Kruzifix

Menelaus

Heilige Schrift AT
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Menelaus Menelaus, verdrängte durch Bestechung des Antiochus IV. Epiphanes den Hohenpriester Jason, war nach 2. Makk. 4, 23 Bruder des Tempelbeamten Simon, gehörte also der Priesterfamilie Balgea an (ebd. 3, 4; so ist statt „Benjamin“ mit Altlateinisch und Armenisch zu lesen), war also nicht aus hohepriesterlichem Geschlecht. Auf die…
Buch mit Kruzifix

Kain

Heilige Schrift AT
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Kain Kain (vielleicht = Schmied oder Gebilde, Genesis 1 zusammen gestellt mit qānāh =  hervorbringen), erstgeborener Sohn Adams, bebaut das Feld, wird aus Neid, da Jahve Abels Opfer bevorzugt, zum Brudermörder. Gegen alle Gnadeneinsprüche trotzig und verstockt, dann verzweifelt, trifft ihn Gottes Fluch, so daß er als Nomade umher…
Buch mit Kruzifix

Konrad Martin

Bischof
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Konrad Martin Martin, Konrad, * 18.5.1812 zu Geismar (Eichsfeld), 1836 Priester, Rektor des Progymnasiums zu Wipperfürth, 1840 Religionslehrer am Marzellen-Gymnasium in Köln, 1844 ao. Professor der Moral und Pastoral und Inspektor des theologischen Konvikts in Bonn, 1848 o. Professor der Moral, 1856 Bischof von Paderborn. Wirkte als Bischof mit…
Consent Management Platform von Real Cookie Banner