A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T Ü V W Z

Reichensperger

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Reichensperger

Reichensperger, Name zweier um die katholische Sache hochverdienter Brüder.

August Reichensperger (1808-1895): Photographie um 1874

1. August Reichensperger, Politiker und Kunstschriftsteller, war am, 22. März 1808 in Koblenz geboren und studierte zu Bonn, Heidelberg und Berlin Rechtswissenschaft. Im Jahre 1830 trat er in den preußischen Justizdienst ein, dem er 45 Jahre, zuletzt (1849 bis 1875) als Appellations-Gerichtsrat zu Köln, angehörte.

Seine parlamentarische Laufbahn begann er im Jahre 1848; unvergesslich sind die Verdienste, welche er sich in den fünfziger Jahren durch sein Eintreten für die von der Reaktion bedrohte Verfassung und speziell für die Gleichberechtigung der Katholiken erworben hat. Noch hervorragender war seine Tätigkeit als Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses und des deutschen Reichstages in der Ära des Kulturkampfes. Im Jahre 1884 zog er sich infolge einer Krankheit, die ihn an den Rand des Grabes brachte, aus dem öffentlichen Leben zurück.

Was sein Wirken auf dem Gebiet der Kunst betrifft, so war er als begeisterter Gotiker mit Erfolg bemüht, der „christlich-germanischen Baukunst“ in Deutschland wieder zur Geltung zu verhelfen. Für den Kölner Dom hat wohl niemand mehr getan als er. Sein 1840 erschienenes Schriftchen „Einige Worte über den Dombau zu Köln“ gab die Anregung zur Bildung von Vereinen für den Fortbau des Domes, für den er später (1841 bis 1871) auch als Sekretär des Zentral-Dombauvereins tätig war. Durch Verbindung mit gleichgesinnten Künstlern erreichte er es, dass die sogen. gotische Kunstrichtung am Rhein und anderwärts sehr in Aufnahme kam. Auch die Anregung zur Gründung des Borromäusvereins ging von ihm aus (…).

Er starb zu Köln am 16. Juli 1895. Von seinen zahlreichen Schriften seien erwähnt: … Parlamentarische Reden der Gebrüder Aug. und P. Fr. Reichensperger, Regensburg 1858; Deutschlands nächste Aufgaben Paderborn 1860, ebenfalls gemeinsam mit seinem Bruder; Ein Rückblick auf die letzten Sessionen des preußischen Abgeordnetenhauses und Ein Wort über die deutsche Verfassungsfrage, Paderborn 1864, 2 Teile. (Kirchenlexikon)

Er trat beim Kölner Ereignis (Droste von Vischering) erstmals literarisch hervor; 1848-50 großdeutsches Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung, 1851 bis 1863, 1870-73 und 1879-85 im preußischen Landtag, 1871-85 auch im Reichstag, Führer der „Kath. Fraktion“, dann einer der ersten Zentrumsführer, besonders im Kulturkampf. (Buchberger, Bd. VIII, 1936, Sp. 731)

Peter Reichensperger (1810-1892): Photographie um 1874

2. Peter Franz Reichensperger, der jüngere Bruder des Vorigen, war am 28. Mai 1810 zu Koblenz geboren. Im Jahre 1850 wurde er Appellations-Gerichtsrat in Köln, dann 1859 Obertribunalsrat in Berlin, als welcher er 1879 pensioniert wurde. Als Parlamentarier war er gleichzeitig mit seinem Bruder seit 1848 tätig und wirkte in derselben Richtung. In den fünfziger Jahren gehörte er der Katholischen Fraktion, nach Auflösung derselben 1861 dem (linken) Zentrum an; seit Anfang der siebziger Jahre zählte er zu den Führern der Zentrumsfraktion im Landtag und Reichstag.

Um die Freiheit der katholischen Kirche in Deutschland und um unser Verfassungsleben hat er ebenso große Verdienste wie sein Bruder. Er galt mit Recht als einer der besten Redner des Parlaments, und selbst von Gegnern wurde vielfach die juristische Schärfe seiner Ausführungen gerühmt. Auch als Schriftsteller war er in erster Linie Jurist. Die Schriften, welche er gemeinsam mit seinem Bruder verfasste, wurden bereits oben erwähnt … (Kirchenlexikon)

1848 Mitglied des Frankfurter Vorparlaments, 1849-92 im preußischen Landtag, 1867-92 auch im Reichstag; ebenfalls führend in der „Kath. Fraktion“ und Gründung des Zentrums, trat besonders verfassungs-, rechts- und wirtschaftspolitisch sowie durch seine Reden im preußischen Abgeordneten-Haus gegen die Kulturkampf-Gesetze hervor. Schrieb unter anderem: Erlebnisse im Revolutionsjahr 1848 (1882). (Buchberger, ebd.) –
aus: Wetzer und Welte`s Kirchenlexikon, Bd. 10, 1897, Sp. 956 – Sp. 957

Bildquellen

Buch mit Kruzifix
Antiochus
Buch mit Kruzifix
Windthorst

Weitere Lexikon-Einträge

Buch mit Kruzifix

Felicissimus

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Felicissimus Felicissimus, Diakon in Karthago, war um 250 vom Presbyter Novatus, der schon mit 4 anderen Presbytern die Wahl Cyprians abgelehnt hatte, ohne Wissen Cyprians zum Diakon geweiht worden (Cyprian, Ep. 52,2; 59,9), obwohl…
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Philipp von Hessen Philipp „der Großmütige“, 1509 bis 1567 Landgraf von Hessen, * 13.11.1504 zu Marburg, † 31.3.1567 zu Kassel; 1518 für mündig erklärt, 1524 mit Christine, Tochter des streng katholischen Herzogs Georg v.…
Buch mit Kruzifix

Blutampullen

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Blutampullen Blutampullen (Blutgläser, ampullae sanguinolentae; phiolae cruentae, rubricatae; vgl. Art. Ampullen), kleine schalen- oder flaschenförmige, im innern oder am Verschluss von Katakomben-Gräbern gefundene Gläser mit rotem Niederschlag, den man als Märtyrerblut ansah und als…
Buch mit Kruzifix

Gallikanismus

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Gallikanismus Gallikanismus nimmt für die französische Kirche verschiedene Freiheiten dem Apostolischen Stuhl gegenüber in Anspruch, räumt dagegen dem Staat einen um so größeren Einfluß auf kirchliche Angelegenheiten ein. Später schloß er zugleich eine Beschränkung…
Buch mit Kruzifix

Illuminaten

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Illuminaten Illuminaten. Geheimbund. Ihn gründete 1.5.1776 Adam Weishaupt, *6.2.1748 zu Ingolstadt, hier seit 1772 Professor des Kirchenrechts, Deist, schärfster Feind der Jesuiten, Winter 1776/77 Mitglied einer Freimaurerloge in München, Gegner der Kantischen Philosophie, nach…

Weitere Lexikon-Beiträge

Buch mit Kruzifix

Kain

Heilige Schrift AT
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Kain Kain (vielleicht = Schmied oder Gebilde, Genesis 1 zusammen gestellt mit qānāh =  hervorbringen), erstgeborener Sohn Adams, bebaut das Feld, wird aus Neid, da Jahve Abels Opfer bevorzugt, zum Brudermörder. Gegen alle Gnadeneinsprüche trotzig und verstockt, dann verzweifelt, trifft ihn Gottes Fluch, so daß er als Nomade umher…
Buch mit Kruzifix

Sadduzäer

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Sadduzäer Sadduzäer, nach den Pharisäern die wichtigste jüdische Partei zur Zeit Jesu. Ihr Ursprung und Wesen sind nicht völlig geklärt. Gewöhnlich wird der Name Sadduzäer vom Hohenpriester Sadok (2. SM. 8,17) hergeleitet, dessen Geschlecht, „die Söhne Sadoks“ (Ez. 40,46 usw.; Sir. 51,12H), seit Salomon bis 175 v. Chr. die…
Buch mit Kruzifix

Abgefallene

Kirchenhistorie
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Abgefallene (Lapsi) Abgefallene, Lapsi, sind im allgemeinen solche, die einmal Christen waren, aber nachmals sich förmlich von der christlichen Kirche wieder lossagten. Näherhin bezeichnete man damit in den ersten christlichen Jahrhunderten jene Unglücklichen, welche zur Zeit der Verfolgung schwach genug waren, ihren christlichen Glauben zu verleugnen, um dem Tode…
Buch mit Kruzifix

Philister

Heilige Schrift AT
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Philister Philister (…), eine im Alten Testament oft genannte Völkerschaft, welche den Israeliten Jahrhunderte lang den Besitz des Westjordanlandes und die nationale Selbständigkeit streitig machte. Der Etymologie nach waren die Philister die Bewohner des nur bei den Dichtern des Alten Testamentes genannten Landes Pelescheth, des späteren Palästina, d. h.…
Buch mit Kruzifix

Illuminaten

Freimaurer
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Illuminaten Illuminaten. Geheimbund. Ihn gründete 1.5.1776 Adam Weishaupt, *6.2.1748 zu Ingolstadt, hier seit 1772 Professor des Kirchenrechts, Deist, schärfster Feind der Jesuiten, Winter 1776/77 Mitglied einer Freimaurerloge in München, Gegner der Kantischen Philosophie, nach seiner Verbannung aus Bayern seit 1786 am Hof Ernsts II. von Gotha, ebd. 18.11.1830. Ziel…
Buch mit Kruzifix

Unitarier

Irrlehrer und Irrlehren
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Unitarier Unitarier (Ein-Gott-Leute) heißen in der Reformationszeit auftretende Antitrinitarier, die in Gott nur eine Person, demnach bloß den Vater als den einen wahren Gott anerkannten. Unitarier war schon der von den Mennoniten hergekommene Taufgesinnte Adam Pastoris, eigentlich Roelf (Rudolf) Martens; er wollte die Hl. Schrift grammatikalisch-wörtlich erklärt wissen, die…
Consent Management Platform von Real Cookie Banner