A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T Ü V W Z

Langobarden

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Langobarden

Langobarden, ostgermanischer Stamm, der einst in Gotland saß, dann längere Zeit an der unteren Elbe (Bardengau). Im 4. Jahrhundert wanderten sie unter Zurücklassung bedeutender Reste nach Südosten, nahmen im Marchtal von den Rugiern den arianischen Glauben an und kamen nachher in der Theißebene unter das Joch der Heruler, das sie 505 abschüttelten. Nach Besiegung der Gepiden 567 überließen sie den verbündeten Avaren Pannonien, brachen 568 in Italien ein, eroberten Aquileja, dessen Patriarch nach Grado floh, und Pavia, wo ihr König Alboin Residenz nahm. Die Lombardei wurde später nach ihnen benannt. Außer Oberitalien fielen ihnen noch Tuscien und die Gebiete von Spoleto und Benevent anheim. Sie zerstörten manche Bistümer und herrschten hart über die Römer, von denen sie anfangs als Arianer und Germanen sich scharf unterschieden. Doch wurde ihr Königtum durch die Macht der Herzöge eingeengt. Nach der Ermordung Klefs (574), des Nachfolgers des ebenfalls ermordeten Alboin, standen sie 10 Jahre unter Herzögen, bis Klefs Sohn Authari erhoben wurde.; er und nach seinem Tode sein Nachfolger Agilulf heirateten die bayrische Herzogstochter Theodelinde, durch die unter dem Einfluß des Papstes Gregor I. dem Großen der Übertritt der Langobarden zum katholischen Glauben eingeleitet wurde. Den Kampf gegen den Arianismus eröffnet der hl. Kolumban, Gründer des Klosters Bobbio. Mit dem Neffen der Theodelinde, König Aripert (653-662), gelangte eine katholische Dynastie zur Regierung, die, nur durch den römerfeindlichen Herzog Grimoald von Benevent 662-671 unterbrochen, bis 712 bestand. Mailand wurde kirchlicher Mittelpunkt des Reichs der Longobarden. Unter König Perctarit bezeugt die Teilnahme vieler katholischer Bischöfe aus dem Langobardenreich an einer römischen Synode 680, daß die kirchliche Vereinigung vollzogenwar. Gleichzeitig siegte im Herzogtum Benevent der katholische Glauben durch die vom hl. Barbatus beratene Herzogin ein Theuderata, die Gemahlin Romualds. Eine durch König Cunincpert um 695 berufene Synode von Pavia beendigte das Schisma aus dem Dreikapitelstreit.
Als die Langobarden dem noch unter den Byzantinern stehenden Streifen in Mittelitalien immer mehr zusetzten, und nachdem bereits Papst Gregor III gegen König Liutprand Karl Martell vergeblich zu Hilfe gerufen, veranlaßten der Fall Ravennas 751 und die Bedrohung Roms durch König Aistulf den Papst Stephanus II, den Frankenkönig Pippin d.J. Um Hilfe zu bitten, der durch die Feldzüge von 754 und 756 den Kirchenstaat begründete. Gegen Austulfs Nachfolger Desiderius, der von neuem den Kirchenstaat bedrängte, kam auf Bitten des Papstes Hadrian I Karl der Große und entthronte 774 Desiderius, an dessen Stelle er selbst als „König der Langobarden“ trat, bis er 800 von Papst Leo III die Kaiserkrone empfing. Das langobardische Herzogtum Benevent bestand, zuletzt in verschiedene Fürstentümer geteilt, weiter, bis die Normannen sich desselben bemächtigten, während die Stadt Benevent 1051/1052 an den Papst überging.
Das mit dem angelsächsischen Recht verwandte ziemlich humane langobardische Recht ist aufgezeichnet im Edikt des Königs Rothar 643 (Nachträge von den Königen Grimoald 668, Liutprand, Rachis und Aistulf). Es blieb in Geltung auch nach der Unterwerfung der Langobarden durch Karl den Großen. Später wurden alle Gesetze verbunden zum Liber Langobardorum (Liber Papiensis) und systematisch als Lambarda in Bologna erklärt und glossiert.

aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. VI, 1934, S. 379-380

Buch mit Kruzifix
Theodelinde
Buch mit Kruzifix
Eutychius

Weitere Lexikon-Einträge

Buch mit Kruzifix

Interkonfessionalismus

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Interkonfessionalismus Interkonfessionalismus ist ein Problem in Staaten mit religiöser, bekenntnismäßig gemischter Bevölkerung, wie sie besonders durch die Säkularisation und später durch die Freizügigkeit und Industrialisierung Deutschlands entstanden sind. Das Zusammenleben protestantischer und katholischer Bürger…
Buch mit Kruzifix

Origenes

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Origenes Origenes, auch Adamantius („der Stählerne“) beigenannt, griechischer Kirchenschriftsteller, der größte Theologe der alten Kirche. Sein Leben I. Leben (Quelle: Eusebius, HE VI u. VII, 1). * 184/85 von christlichen Eltern, vielleicht in Alexandrien.…
Buch mit Kruzifix

Veuillot

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Veuillot Veuillot, Louis, französischer Journalist, Belletrist und Literaturkritiker, wurde zu Boynes (en Giatinais) am 11. Oktober 1813 als Sohn eines unbemittelten Fassbinders geboren und begann seine Laufbahn als Schreiber bei einem Pariser Notar. Schon…
Buch mit Kruzifix

Mormonen

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Mormonen Mormonen, nordamerikanische Sekte, gegründet 1830 in Fayette (Neuyork) durch Joe Smith, von dem sie in Wesen und Lehre ihr eigenartiges Gepräge erhielt. Die Sekte bildet einen straff organisierten Kirchenstaat mit theokratischer Verfassung. Im…
Buch mit Kruzifix

Strauß

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Strauß Strauß, David Friedrich, freigeistiger protestantischer Theologe, * 27.1.1888 zu Ludwigsburg (Württ.), † 8.2.1874 ebd. Im Seminar zu Blaubeuren war F. Chr. Baur sein Lehrer. Winter 1831/32 kam er zu Berlin in persönliche Beziehung…

Weitere Lexikon-Beiträge

Buch mit Kruzifix

Güntherianismus

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Güntherianismus Güntherianismus, Günthers System unterscheidet sich von der Kirchenlehre (vgl. Denzinger 1655ff, 1801ff (dazu CollLac VII 86a) und 1816ff (CollLAc VII 88a)) besonders in 3 Punkten: a) Günther wollte durch eine neue Philosophie den modernen Pantheismus überwinden, was die auf die griechische Spekulation begründete (nach Günther „semipantheistische“) Philosophie der…
Buch mit Kruzifix

Sara

Heilige Schrift AT
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Sara Sara, im Alten Testament 1. die Gemahlin des Patriarchen Abraham, war zugleich dessen Halbschwester, vom nämlichen Vater und einer andern Mutter geboren (Gen. 20,12). Die Annahme der Juden, sie sei identisch mit Jescha, der Tochter Arans (Gen. 11,29), wird zwar von manchen christlichen Exegeten geteilt, ist aber mit…
Buch mit Kruzifix

Holbach

Freigeist
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Holbach Holbach, Paul Hch. Dietrich Baron v., Freigeist, Freund Diderots, * 1723 zu Heidelsheim (Pfalz), † 21.1. 1789 zu Paris. Sein philosophisches Programm war Entgeistung der Natur, Kampf gegen Christentum und Religion als den Grund aller Übel: kein Gott, kein Geist, keine Unsterblichkeit, keine Freiheit. Alles ist nur ewige…
Buch mit Kruzifix

Pombal

Freigeist
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Pombal Pombal, Marquis v., eigentlich Sebastião José de Carvalho e Mello, portugiesischer Staatsmann und Aufklärer, * 13.5.1699 zu Lissabon, † 8.5.1782 zu Pombal bei Lissabon; 1738ff Gesandter zu London und Wien, 1750 Minister des Auswärtigen, seit 1756 Premierminister; 1759 Graf v. Oeyras, 1770 Marquis v. Pombal. Herrschte unter dem…
Buch mit Kruzifix

Jakobus der Ältere

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Jakobus der Ältere Jakobus der Ältere (wegen Mk. 15,40), Apostel, Sohn des Fischers Zebedäus und der Salome (Mk. 15,40; vgl.Mt. 27,56), älterer Bruder des Evangelisten Johannes. Zusammen mit diesem berufen (Mt. 4,21). Mit Petrus bildeten die beiden Brüder, die wegen ihres stürmischen Eifers von Jesus den Namen Donnersöhne erhielten…
Buch mit Kruzifix

Rautenstrauch

Orden und Ordensleute
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Rautenstrauch Rautenstrauch, Franz Stephan, OSB, josephinischer Erneuerer des österreichischen theologischen Unterrichtes, * 29.7.1734 zu Blottendorf (Bez. Böhm.-Leipa), † 30.9.1785 zu Erlau (Ungarn). 1750 Benediktiner von Brevnov-Braunau, Professor der Philosophie und des Kirchenrechts in Prag, 1773 zum Abt gewählt, 1774 Dr. theol., wurde er infolge seines staatskirchlichen Prolegomena in jus…
Consent Management Platform von Real Cookie Banner