A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T Ü V W Z

Dreikapitelstreit

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Dreikapitelstreit

Dreikapitelstreit, ein Nachspiel des nestorianischen und monophysitischen Kampfes im 6. Jahrhundert. Um die Monophysiten zu gewinnen, erließ Kaiser Justinian I 543 ein Edikt gegen die „3 Kapitel“: 1) die Person und die Schriften Theodors von Mopsuestia, 2) die Schriften Theodorets gegen Cyrillus von Alexandrien, 3) den Brief des Ibas von Edessa („Kapitel“, sonst verdammende Sätze, sind hier die verdammten Personen und Schriften). Die Verwerfung der 3 Kapitel war berechtigt, weil sie den Nestorianismus begünstigten. Da aber Theodor im Frieden der Kirche gestorben, da der ihn lobende Brief des Ibas zu Chalcedon von den päpstlichen Legaten als rechtgläubig bezeichnet und gleichzeitig Theodorets Orthodoxie (von seinen früheren Schriften schwieg man) vom Konzil anerkannt war, so hielten die meisten Bischöfe (mit Unrecht) die Verdammung der 3 Kapitel für einen Angriff auf das Konzil von Chalcedon und wiesen, auch weil sie vom Kaiser keine Entscheidung annehmen wollten, das Edikt zurück. Der Widerstand der Orientalen war bald gebrochen. Papst Vigilius aber gab seine Unterschrift erst, als er 547 nach Konstantinopel zitiert war und dort nähere Einsicht in die zu verdammenden Schriften genommen hatte. Er begründete sein verhalten ausführlich in seinem Judicatum vom 11.4.548, das heute bis auf Bruchstücke verloren ist. Einerseits verurteilte er die 3 Kapitel, anderseits suchte er die Lateiner zu beruhigen durch kräftige Betonung, daß das Ansehen des Konzils von Chalcedon nicht leide. Die lateinischen Bischöfe verharrten jedoch in ihrem Widerspruch, auch des Papstes Neffe, Rustikus. Um ein Schisma zu vermeiden, nahm Vigilius mit Zustimmung des Kaisers 550 das Judicatum zurück. Ein allgemeines Konzil sollte entscheiden. Als Justinian aber 551 ohne Konzil durch ein 2. Edikt den Streit zum Hohn der päpstlichen Autorität selbstherrlich entscheiden wollte, trat Vigilius, um das Vertrauen der Lateiner wieder zu gewinnen, offen für die 3 Kapitel ein, ohne des kaiserlichen Zornes zu achten. Auch nahm er, als Justinian jetzt das (5. allgemeine) Konzil berief, nicht daran teil, weil die Lateiner zu schwach vertreten waren, und lehnte, als es ohne ihn eröffnet war, in seinem Constitutum vom 14.5.553 nochmals die Verdammung der 3 Kapitel ab. Nur 60 aus den Schriften Theodors heraus gezogene Sätze wurden von ihm verworfen, nicht aber seine Person und die anderen 2 Kapitel. Nachdem das Konzil aber in der Schlußsitzun vom 2.6. das Anathem über die drei Kapitel ausgesprochen, trat Vigilius bald nachher, von der Nutzlosigkeit des Widerstandes überzeugt, dem Beschluß bei (8.12.553, dazu 2. Judicatum vom 23.2.554). Mehrere lateinische Kirche trennten sich jetzt von Rom; in Aquileja erhielt sich das Schisma sogar bis um 700.

aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. III, 1931, S. 450-451

Buch mit Kruzifix
Engelsburg
Buch mit Kruzifix
Golgotha

Weitere Lexikon-Einträge

Buch mit Kruzifix

Modernismus

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Modernismus Das Wort Modernismus enthält als solches noch keine Beziehung zu Religion und Christentum, sondern besagt eigentlich nur eine gewisse Vorliebe für das Neuzeitliche, für das Moderne im, gesamten Umfang der menschlichen Kultur. Dieser…
Buch mit Kruzifix

Epikie

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Epikie Epikie (Billigkeit) heißt in der Moral die auf Gründen der Vernunft beruhende Annahme, daß ein Gesetz in einem speziellen Fall wegen besonderer Umstände nicht verbindlich sei. Der Gesetzgeber kann nämlich nie alle Fälle…
Buch mit Kruzifix

Mormonen

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Mormonen Mormonen, nordamerikanische Sekte, gegründet 1830 in Fayette (Neuyork) durch Joe Smith, von dem sie in Wesen und Lehre ihr eigenartiges Gepräge erhielt. Die Sekte bildet einen straff organisierten Kirchenstaat mit theokratischer Verfassung. Im…
Buch mit Kruzifix

Barnabasbrief

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Barnabasbrief Barnabasbrief, vollständig überliefert in dem 1859 von Tischendorf entdeckten Codex Sinaiticus (jetzt in Petersburg) aus dem 4. oder 5. Jahrhundert und in dem von Ph. Bryennios 1875 aufgefundenen Codex Hierosolymitanus (jetzt in Jerusalem)…
Buch mit Kruzifix

Otto III.

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Otto III., deutscher Kaiser Otto III. 983 bis 1002. Beim Tode des Vaters (Otto II.) erst 3 Jahre alt, wurde Otto unter der Regentschaft von Adelheid und Theophanu sowie Willigis von Mainz durch seine…

Weitere Lexikon-Beiträge

Buch mit Kruzifix

Günther

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Günther Günther, Anton, Begründer der sogenannten Wiener theologischen Schule und des Güntherianismus, *17.11.1783 zu Lindenau (Böhmen), †24.2.1863 zu Wien; studierte Philosophie und Rechte in Prag (Schüler Bolzanos) und (auf Rat des hl. Klemens Maria Hofbauer) Theologie in Raab; 1821 Priester, 1822-24 Jesuitennovize, 1824 bis 1863 Privatgelehrter in Wien, bis…
Buch mit Kruzifix

Hohepriester

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Hohepriester Hohepriester. An der Spitze des levitischen Priestertums stand der Priester zur Unterscheidung von den einfachen Priestern genannt „der Hohepriester“, „der Priesterfürst“, auch „der gesalbte Priester“, weil jeder Hohepriester mit dem heiligen Öl gesalbt wurde (vgl. Ex. 29,29; Lv. 8,12). Er unterschied sich von den Priestern 2. Ranges auch…
Buch mit Kruzifix

Friedrich von Spee

Orden und Ordensleute
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Friedrich von Spee Spee, (Spe), Friedrich von, SJ, bekannt als Dichter und als Vorkämpfer gegen die Hexenverfolgung, entstammte der bald nach ihm ausgestorbenen geldernschen Adelsfamilie der Spee von Langenfeld und wurde am 25. Februar 1591 zu Kaiserswerth bei Düsseldorf als Sohn des damaligen kurkölnischen Burgvogts und Amtmanns von Kaiserswerth…
Buch mit Kruzifix

Monophysitismus

Irrlehrer und Irrlehren
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Monophysitismus Monophysitismus, Irrlehre, die eine einzige Natur in Christus annimmt. Anlass war das Streben, die Einheit in Christus zu wahren gegenüber der Tendenz, das Menschliche in ihm hervor zu heben und damit eine teils nur gedankliche, teils auch sachliche Trennung des Göttlichen und Menschlichen herbei zu führen. Die „Einheitstendenz“…
Buch mit Kruzifix

Saint-Jure, Johann Baptist

Biographie
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Saint-Jure Saint-Jure, Jean Baptist, SJ (seit 1604), * 19.2.1588 zu Metz, lehrte an Ordensschulen und war Oberer der Häuser in Amiens, Alençon, Orléans und (nach einem Zwischenaufenthalt in England) in Paris, † ebd. 30.4.1657. Einer der bedeutendsten geistlichen Schriftsteller der Gesellschaft Jesu, neben Alfons Rodriguez zu stellen, den er…
Buch mit Kruzifix

Abrahamiten

Irrlehrer und Irrlehren
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Abrahamiten Abrahamiten, 1. eine Sekte des neunten Jahrhunderts, welche die Gottheit Christi leugnete; sie erhielt den Namen von ihrem Haupt Abraham von Antiochien und war in Syrien weit verbreitet. – 2. Deisten in Böhmen, ein Häufchen ungebildeter und mißgeleiteter Landleute in der Gegend von Pardubitz, das als Sekte aus…
Consent Management Platform von Real Cookie Banner