A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T Ü V W Z

Geißelung

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Geißelung

Früher eine gesetzliche Strafe.

Geißelung. Im Alten Bund durfte sie 40 Schläge nicht übersteigen, „damit dein Bruder nicht vor deinen Augen arg zerschunden weggehe“ (Dt. 25, 2f). Nach den Angaben der Rabbiner konnte sie jeder angesehene Gesetzeslehrer verhängen. Das mag der Grund sein, dass Christus ohne großes Aufsehen die Händler und Wechsler mit einer Geißel aus dem Tempel vertreiben konnte (Joh. 2,15). Die Geißelung war bei den Juden die gewöhnliche Strafe für Gesetzes-Übertretungen und darum als Synagogen-Strafe häufig (vgl. Mt. 10,17 u. 23,34; Mk. 13,9; Apg. 22,19). Paulus wurde sogar fünfmal von ihnen gegeißelt (2. Kor. 11,24).

Um sich nicht zu verzählen und die 40 Schläge nicht zu überschreiten, gebrauchten die Juden aus 3 Riemen geflochtene, dreiendige Geißeln, so das jeder Hieb 3 Schlägen gleich kam und verabreichten 13 Hiebe = 39 Schläge (…). An diesen „gesetzlichen“ 39 Schlägen hielt man in der christlichen Zeit noch lange fest (z.B. c. 6 C. 11 q.1). Augustinus (Ep. 133) §2) berichtet 411, die Geißelung werde auch oft vor bischöflichen Richterstühlen angewandt.

Das alte Kirchenrecht erwähnt die Geißelung als Strafe für Kleriker und Laien mehrmals. (c. 9 D 35; c. 6 C. 11 q. 1;…). Sie wurde nach der päpstlichen und synodalen Gesetzgebung des 16. und 17. Jahrhunderts für Gotteslästerung, Simonie und wilde oder doppelte Ehe verhängt (…). Seit dem 10. Jahrhundert wurde sie im Bußwesen und Glaubensgericht verwendet. Die Ordensregeln kennen sie ebenfalls. Das heutige gemeine Kirchenrecht dagegen hat keine Leibesstrafen mehr.

Schon früh wurde die Geißelung als Bußübung empfohlen, so von Hesychius im 5. Jahrhundert (Migne PG 93, 1492). Die Geißelung heißt in diesem Sinn auch Disziplin (disciolina flagelli); auch die Geißel selbst wird so genannt. In den Klöstern ist die Geißelung Buß- und Strafmittel, das entweder der einzelne sich auferlegt oder die Ordenssatzung bzw. der Obere vorschreibt. Im 6. Jahrhundert ist die Geißelung enthalten in der Schwesternregel des hl. Cäsarius v. Arles c. 24, in der Regel des hl. Aurelian v. Arles für Mönche c.12, 13 u. 41 mit der Beschränkung auf die „gesetzlichen“ 39 Schläge, ebenso in dessen Schwesternregel c.11 u. 28.

Als Petrus Damianus im 11. Jahrhundert die strengen Geißelungen seines Ordens-Untergebenen Dominikus Loricatus als nachahmenswert hingestellt hatte (…), bürgert sich die private und öffentliche Buß-Geißelung fast in allen Orden ein und verbreitete sich auch sehr in der Privataszese, entartete jedoch unter den Geißlern derart, dass die Kirche mehrmals eingreifen musste. Die Geißel besteht gewöhnlich aus starken, geknoteten Hanfschnüren, die am einen Ende zu einer Handhabe vereinigt, an dem anderen, geschwänzten, manchmal mit Draht- oder Bleistückchen durchsetzt sind.

Geißelung: Kupferstich von Albrecht Dürer

Geißelung Christi

von ihm selbst vorher verkündet (Mt. 20,19; Mk. 10,34; Lk. 18,33; vgl. auch Is. 50,6). Diese grausame Züchtigung nahmen die Soldaten des Landpflegers auf öffentlichem Platz vor. Nach Mt. 27,26 u. Mk. 15,15 scheint sie nur die blutige Einleitung der Kreuzesstrafe zu sein (vgl. Flavius Josephus, Bell. Jud. II 14,9). Indes lehrt Lk. 23,16 u. 22, dass Pilatus den Juden die Geißelung als selbständige Strafe, gleichsam als vermittelnden Ausweg, vorgeschlagen hat. Dass sie während des Prozesses tatsächlich vollzogen wurde, berichtet Joh. 19,1.

Über die Geißelung als selbständige Strafe vgl. Florentiner Papyrus Nr. 61, lin. 59ff. Nach Mk. 15,44 scheinen die Soldaten bei der Züchtigung nicht bis zum äußersten gegangen zu sein. Das Itinerarium Burdigalense um 334 erwähnt, dass auf dem Sion die Geißelsäule des Herrn zu sehen war. Die in Rom (Zenokapelle in Sta Prassede) aufbewahrte Geißelsäule aus rotem Stein brachte Kardinal Giov. Colonna aus Palästina erste 1223 dorthin. –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. IV, 1932, Sp. 344 – Sp. 345

Bildquellen

  • Dürer,_Kupferstichpassion_06,_Geißelung: Wikipedia
Buch mit Kruzifix
Cilicium
Gethsemani

Weitere Lexikon-Einträge

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Saint-Jure Saint-Jure, Jean Baptist, SJ (seit 1604), * 19.2.1588 zu Metz, lehrte an Ordensschulen und war Oberer der Häuser in Amiens, Alençon, Orléans und (nach einem Zwischenaufenthalt in England) in Paris, † ebd. 30.4.1657.…
Buch mit Kruzifix

Harnack

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Harnack Harnack, Adolf v., bedeutendster protestantischer Theologe Deutschlands seit Schleiermacher, anerkannter Führer des liberalen Protestantismus, Lehrer einer ganzen Generation von Geistlichen und Professoren, ein Mann von internationalem Ansehen, überaus fruchtbarer und vielseitiger Schriftsteller, der…
Buch mit Kruzifix

Cossa

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Cossa Johann XXIII. 17.5.1410 bis 929.5.1415 Gegenpapst gegen Benedikt XIII. und Gregor XII.; Balthasar Cossa aus Neapel, kam nach bewegtem Vorleben (Soldat und Seemann) unter Bonifaz IX. an die Kurie, steig hier, ehrgeizig und…
Buch mit Kruzifix

Bilderstreit

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Bilderstreit Bilderstreit. I. Im Orient. Die Kirche suchte von Anfang an, besonders bei weiterer Ausbildung der Bilderverehrung, Ausartungen zu verhüten; so Papst Gregor der Große gegen Bischof Serenus v. Marseille (Migne PL 77, 1027).…
Buch mit Kruzifix

Windthorst

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Windthorst Windthorst, Ludwig, der langjährige Führer der deutschen Zentrumspartei, wurde am 17. Januar 1812 auf dem Gut Kaldenhof in dem Kirchspiel Osterkappeln (bei Osnabrück) geboren, wo sein Vater, ein Doktor beider Rechte, Rentmeister war.…

Weitere Lexikon-Beiträge

Buch mit Kruzifix

Menschensohn

Heilige Schrift NT
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Menschensohn Der Menschensohn. Nach dem übereinstimmenden Bericht der Evangelien hat sich Jesus selbst oftmals mit dem Titel „der Menschensohn“ bezeichnet. Diese Bezeichnung tritt wie etwas Gegebenes, etwas Selbstverständliches in die Darstellung ein, ohne ein Wort der Erklärung von Seiten des Herrn, ohne eine Frage oder ein Zeichen der Verwunderung…
Buch mit Kruzifix

Chamos

Heilige Schrift AT
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Chamos Chamos, im Alten Testament die moabitische Nationalgottheit (4. Kön. 23, 13; Jer. 48, 13), welche Jer. 48, 7 schlechthin als Repräsentant der Moabiter steht, und nach welcher diese selbst Num. 21, 29; Jer. 48, 46 „Volk des Chamos“ genannt werden. Chamosnadab ist daher ein gewöhnlicher Name der moabitischen…
Buch mit Kruzifix

Samaritaner

Heilige Schrift AT
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Samaritaner Die nichthellenistischen Bewohner dieser Landschaft (Samaria) bezeichnet man als Samaritaner. 1) Geschichte: Die im Jahr 722 von dort deportierten Israeliten wurden durch Kolonisten aus verschiedenen Gegenden des Assyrerreiches ersetzt (2. Kg. 17, 24), welche mit dem im Land zurück gebliebenen Teil der einheimischen Bevölkerung verschmolzen. Da unter den…
Buch mit Kruzifix

Nestorius

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Nestorius Nestorius, dessen Geburtsort unbekannt ist, lebte in der Jugend zu Germanicia (Syria Euphratensis), dann in Antiochia, wo er wahrscheinlich Schüler des Theodor von Mopsuestia war. Priester und Mönch dort geworden, erwarb er sich den Ruf eines so berühmten Predigers, daß ihn Kaiser Theodosius II. 428 auf den verwaisten…
Buch mit Kruzifix

Harnack

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Harnack Harnack, Adolf v., bedeutendster protestantischer Theologe Deutschlands seit Schleiermacher, anerkannter Führer des liberalen Protestantismus, Lehrer einer ganzen Generation von Geistlichen und Professoren, ein Mann von internationalem Ansehen, überaus fruchtbarer und vielseitiger Schriftsteller, der weit über sein Fach hinaus zu Fragen der geistigen Kultur, des sozialen Lebens, der Organisation…
Buch mit Kruzifix

Augsburger Religionsfriede

Kirchenhistorie
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Augsburger Religionsfriede Augsburger Religionsfriede, Vereinbarung, die 1555 auf dem Reichstag zu Augsburg zwischen König Ferdinand I. und den Reichsständen getroffen und am 25. September zum Reichsgesetz erhoben wurde. (1) Kraft dieses Friedens, der die dauernde Scheidung Deutschlands in 2 religiöse Lager besiegelte, wurde das katholische und augsburgische (nicht das…
Consent Management Platform von Real Cookie Banner