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Bischof

Du Perron

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Du Perron

Du Perron, Jacques Davy, Kardinal-Erzbischof von Sens und Großalmosenier von Frankreich, wurde als Sprößling einer alten Adelsfamilie am 24. November 1556 zu Bern, wohin sich seine reformierten Eltern vor den strengen Maßregeln Heinrichs II. geflüchtet hatten geboren. Im Exil erhielt er von seinem Vater Julian selbst, einem durch Erfahrung und reiche Kenntnisse hervorragenden Arzt, eine sorgfältige Erziehung und gründlichen Unterricht in den schönen Wissenschaften. Bei ungewöhnlichen Geistesanlagen hatte e schon als 12jähriger Knabe das Lateinische und Griechische inne und leistete bald auch in der Mathematik und der Philosophie, sowie im Hebräischen Erstaunliches. Nachdem er mit seinen Eltern nach Frankreich zurück gekehrt war, erteilte er einige Zeit Sprachunterricht, bis er mit dem bei Hofe angesehenen Philipp Desportes, Abt von Tyron, bekannt wurde. Dieser machte König Heinrich III. auf den jungen Du Perron aufmerksam, riet aber diesem selbst, katholisch zu werden. Vom König nach Blois beschieden, zeichnete sich der 17jährige Jüngling bei einer eigens zu seiner Probe angestellten Disputation bei einer eigens zu seiner Probe angestellten Disputation durch seine Beredsamkeit, umfassende Wissenschaft und dialektische Gewandtheit so sehr aus, daß er Alle abschreckte, mit ihm irgend einen weiteren philosophischen, literarischen oder sonst wissenschaftlichen Streit zu führen, und daß er die stelle eines Vorlesers beim König erhielt. Mit unermüdlicher Wissbegierde las er in der Folge die Kirchenväter und Kirchenschriftsteller, mit besonderer Vorliebe aber die Schriften des hl. Augustin und des hl. Thomas von Aquin. Schon begann er die Wahrheit der katholischen Lehre einzusehen, als ihm die Traité de l`Eglise, den der angesehenste und gewandteste Vorfechter des Calvinismus, Du Plessis-Mornay, 1577 heraus gegeben hatte, in die Hände geriet. Die historischen Verdrehungen und Lügen desselben ekelten ihn so an, daß er den Entschluss faßte, den Calvinismus abzuschwören.

Noch im Jahre 1577 oder 1578 legte er das katholische Glaubensbekenntnis feierlich ab und trat in den geistlichen Stand. Als Priester erhielt er 1587 vom König den ehrenvollen Auftrag, bei den Exequien für die unglückliche Königin Maria Stuart von Schottland die Trauerrede zu halten, ein Umstand, durch den sein Ruf wuchs und die Hoffnungen seines Glückes sich mehrten. Er blieb in seiner Stellung bis zu dem unglücklichen Ende des Königs, worauf ihn der Kardinal von Bourbon an sich zog. Von dieser Zeit an beschäftigte sich Du Perron fast ausschließlich mit der Bekehrung der Protestanten. Seine öffentlichen Konferenzen zu Nantes, Paris, Moulins, Nîmes, seine Kontrovers-Predigten in verschiedenen Kirchen und seine Privatgespräche mit einzelnen und heilsbegierigen Personen führten viele Verirrte in den Schoß der katholischen Kirche zurück. Seine eigene Mutter, eine sehr hartnäckige Calvinistin, ein Oheim, mehrere Verwandte, die beiden rechtsgelehrten Brüder Johann und Heinrich von Sponde, letzterer später Bischof von Pamiers, schwuren den Irrtum in seine Hände ab. Diesem Beispiel folgte eine Menge anderer gelehrter und vornehmer Männer und Frauen.

Auch an der Zurückführung Heinrichs IV. zur katholischen Kirche hatte Du Perron großen Anteil, indem sich derselbe von ihm mehrere Monate in der katholischen Religion unterrichten ließ. Als Heinrich am 25. Juli 1593 zu St. Denis den Calvinismus abgeschworen, designierte er aus Dankbarkeit Du Perron zum Bischof von Evreux. Da aber der heilige Stuhl bei Verhängung der Exkommunikation über Heinrich sich deren Aufhebung ausdrücklich vorbehalten hatte, so ergaben sich Schwierigkeiten, zu deren Abwicklung der König Du Perron nach Rom sandte. Diesem gelang es auch in Verbindung mit dem damaligen französischen Geschäftsträger und späteren Kardinal Ossat, die Bedingungen der Absolution mit dem päpstlichen Hof zu vereinbaren, worauf die Lossprechung durch Klemens VIII. am 19. September 1595 in feierlichster Weise erfolgte. Zur Anerkennung seiner Verdienste erhielt nun Du Perron in Rom die bischöfliche Weihe, und der Papst selbst machte ihm einen Hirtenring zum Geschenk mit den Worten: „Ich habe einen Mann nach meinem Herzen gefunden.“ Als Du Perron wieder nach Frankreich zurück kam, umarmte ihn der König vor Freude und Dank zu wiederholten Malen. Am 8.Juli 1596 nahm er sodann von seiner Diözese Besitz. Hier bekehrte er durch seine feurigen Predigten und Hirtenworte abermals eine Menge Hugenotten und befestigte die wankenden Katholiken im Glauben, weshalb sich die Reformierten durch allerlei Spottschriften und boshafte Epigramme an ihm zu rächen suchten. Auch fernerhin bediente sich der König oft seines Rates und seiner Vermittlung, so namentlich bei der Lösung seiner kinderlos gebliebenen Ehe mit Margarethe von Valois, Tochter Heinrichs II., zu welchem Behuf Du Perron 1598 abermals nach Rom reisen musste.

Mittlerweile hatte Du Plessis-Mornay ein Buch über das Abendmahl veröffentlicht, welches wieder eine Menge der handgreiflichsten Irrtümer und Entstellungen enthielt. Du Perron machte sich anheischig, darin 500 grobe Fälschungen nachzuweisen, was nach gegenseitigem Übereinkommen auf einer Konferenz zu Fontainebleau in Gegenwart des Königs und einer Kommission, bestehend aus den Katholiken Bellèvre, de Thou, Pithou und den Reformierten Ph. de la Canaye und Casaubonus geschehen sollte. Auf dieser glänzenden Versammlung spielte Du Plessis dem an theologischer Gelehrsamkeit und Disputations-Kunst weit überlegenen Bischof gegenüber keine beneidenswerte Rolle. Denn schon bei der Untersuchung der am ersten Tage – 4. Mai 1600 – vorgelegten Text unterlag er vollständig. Das Kolloquium hatte damit auch schon ein Ende. Du Plessis entfernte sich, plötzlich eingetretenes Unwohlsein vorschützend, nach Paris, ohne sich vom König und von Du Perron zu verabschieden. Nach diesem glänzenden Sieg Du Perron`s sagte Heinrich zum Herzog von Sully: „Der protestantische Papst ist abgetan.“ Klemens VIII. beglückwünschte Du Perron in einem eigenen Breve. Du Plessis aber verfaßte eine Apologie, worin er sich die Ehre des Sieges zuschrieb und neue Proben seiner Entstellungskunst ablegte. Dieser setzte Du Perron eine auf königlichen Befehl gedruckte Schrift entgegen, die einen vollständigen Bericht über die ganze Konferenz lieferte und zugleich eine Widerlegung Du Plessis` enthielt, worin Du Perron ganz vorzüglich seine dialektische und theologisch-polemische Meisterschaft bekundete.

Nicht so glücklich wie in Fontainebleau war Bischof Du Perron auf einer mit dem Geschichtsfabulisten Theodor Agrippa d`Aubigné abgehaltenen Konferenz, bei welcher er sich zur weiteren Ausführung der Lösung gegnerischer Einwürfe eine Frist ausbat. Dagegen führte er bald darauf die Schwester des Königs, Katharina, zur katholischen Kirche zurück. Große Energie und kirchlichen Eifer bewies er auch dadurch, daß er die Bulle In Coena Domini, welche durch das Parlament verworfen worden war, gleichwohl verkünden ließ, worauf er durch Klemens VIII. zur Kardinalswürde erhoben wurde (1604). Zugleich lud ihn der Papst nach Rom ein, um den Verhandlungen der Congregatio de auxiliis über den molinistischen (siehe Molinismus) Streit beizuwohnen. Sein Rat war, keine Partei zu tadeln, und er bewirkte in Vereinigung mit Bellarmin, daß Paul V., an dessen Wahl er teilgenommen hatte, in diesem Sinn die langwierige Kontroverse zwischen Jesuiten und Dominikanern beendigte.

Gleichzeitig arbeitete Du Perron gemeinschaftlich mit dem französischen Gesandten Kardinal Joyeuse an der Aussöhnung des Papstes mit der stolzen Republik Venedig, welche unter dem Einfluss des bekannten Servitenmönchs Paul Sarpi immer frechere Eingriffe in die kirchlichen Rechte machte. Durch den 1607 zu Stande gekommenen Frieden ward zugleich dem Eindringen des Calvinismus in Italien ein Ziel gesetzt. In Folge dessen hatte sich in Rom Du Perron`s ohnehin hohes ansehen noch mehr gesteigert, und der Papst besaß eine so schmeichelhafte Meinung von seiner hinreißenden Beredsamkeit, daß er wiederholt zu den Kardinälen sprach: „Bitten wir Gott, daß er den Kardinal Du Perron erleuchte; denn er ist im Stande, uns zu allem, wovon er überzeugt ist, zu bereden.“ Als er so mit Ehren gekrönt nach Frankreich zurück gekehrt war, ernannte ihn der König 1606 zum Erzbischof von Sens und Großalmosenier von Frankreich. Auch jetzt wurde er nicht müde, mit Wort und Schrift die calvinistischen Irrtümer zu bekämpfen, sowie die Interessen der Kirche und des heiligen Stuhles eifrigst zu vertreten. So verteidigte er energisch die von Bellarmin gegen den Rechtslehrer Wilhelm Barclay von Angers gerichtete Schrift über die Gewalt des Papstes in weltlichen Dingen, ohne jedoch deren Unterdrückung durch das Parlament 1610 verhindern zu können. Er zögerte auch nicht, das Buch des Gallikaners Eduard Richer, Syndikus der Sorbonne, De ecclesiastica et politica potestate, auf einer nach Paris 1612 berufenen Synode seiner Suffragan-Bischöfe zu verdammen, und bewirkte sogar, daß Richer vom König abgesetzt wurde.

Ferner suchte er in der Versammlung der Reichsstände zu Paris 1614 – 1615 als Haupt der geistlichen Kammer die feierliche Annahme und Promulgation der Disziplinar- und Reformdekrete des Konzils von Trient durchzusetzen, wobei er den widerstrebenden dritten Stand vergeblich darauf hinwies, daß ja ohnehin jede Schwierigkeit gehoben sei durch die Klausel: „ohne die Beeinträchtigung der königlichen Rechte, der Freiheiten der gallikanischen Kirche und der Privilegien und Exemtionen der Kapitel, Klöster und anderer Korporationen“. Dem entgegen schlug vielmehr die Kammer des dritten Standes vor, es solle ein Staatsgrundgesetz geschaffen werden, nach welchem jeder Untertan die Lehre beschwören müsse, daß die Könige im Zeitlichen von niemandem als von Gott abhingen, daß es unter keiner Ursache erlaubt sei, sie abzusetzen und zu töten, und daß es keinen Fall gebe, in welchem ihre Untertanen vom Eid der Treue entbunden werden könnten. Gegen diesen Antrag erhoben sich die beiden andern Stände, in deren Namen Kardinal Du Perron das Wort führte. In einer feurigen dreistündigen Rede erklärte er, es bestehe keine Kontroverse darüber, daß der König nicht getötet werden dürfe, und daß er niemandes Vasall sei; dagegen sei es Meinung der meisten Theologen, daß die Untertanen vom Treueid entbunden werden könnten, wenn der Fürst seinen Glauben abschwöre und gegen seine früheren Eid die Religion verfolge; die entgegen gesetzte Lehre dürfe daher nicht zu einem Glaubensartikel, worüber ohnehin nur die kirchliche Autorität zu entscheiden habe, gemacht und als Gegenstand eines Eides aufgedrungen werden. Der dritte Stand fuhr jedoch fort, seinen Antrag hitzig zu verteidigen, bis der König die Abweisung desselben befahl. Um sich jetzt ungestörter der Wissenschaft widmen zu können, zog sich Du Perron in die Pariser Vorstadt Batignolles zurück und arbeitete im Auftrag des Königs eine Antwort an König Jakob I. von England aus, welcher gegen Heinrich IV. die Behauptung aufgestellt hatte, daß er mit seiner Konfession zur katholischen Kirche gehöre und Alles annehme und glaube, was die alten Katholiken zum Heil notwendig gehalten hätte. Über dieser Arbeit wurde der Kardinal krank und starb am 5. September 1618.

Dem Kardinal Du Perron, welcher über seine Zeitgenossen weit hinaus ragte, gebührt hauptsächlich der Ruhm und das Lob, daß er dem heiligen Stuhl von Herzen ergeben und dem engherzigen französischen Parlamentarismus ebenso sehr als dem scheelsüchtigen Gallikanismus abhold war. Manche seiner kurzsichtigen Beurteiler haben ihn des Ehrgeizes beschuldigt; er aber bekundete seine Demut mit den Worten: „Wollt ihr Häretiker überzeugen lassen, so bringt sie zu mir; wünscht ihr aber sie zu bekehren, so führt sie zum Bischof von Genf, Franz von Sales.“

Seine Schriften wurden von seinem Neffen Jakob Davy du Perron, der als Bischof von Angoulême 1648 starb, gesammelt und 1620 – 1622 zu Paris in drei Foliobänden heraus gegeben. Der erste Band enthält seinen Traité du Sacrament de l`Eucharistie, welchen er gegen Du Plessis gerichtet hatte; der zweite eine Replique au roi de la Grande-Bretagne, worin er dem König nachweist, daß auf den Namen eines Katholiken nur derjenige Anspruch machen kann, welcher alles glaubt, was die allgemeine Kirche zu glauben vorstellt, mag nun dasselbe als zum Heil notwendig oder nützlich erkannt werden, und worin er schließlich zeigt, daß die Häretiker sich mit Unrecht auf die alten Väter beriefen. Im dritten Band findet sich neben mehreren kleineren Stücken der ausführliche Bericht über die Konferenz von Fontainebleau. Sämtliche Schriften zeichnen sich durch Reinheit des Stils, strenge Logik, blühende Darstellung, reiche Gedankenfülle und gewissenhafte Objektivität aus. –
Quelle: Wetzer und Welte`s Kirchenlexikon, Bd. 4, 1886, Sp. 26 – Sp. 30

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