Blutwunder

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Blutwunder

Blutwunder, außergewöhnliche und auffällige Erscheinungen, die nach vielfachen Berichten und Überlieferungen

1) an konsekrierten Hostien oder konsekriertem Wein,

2) an Kruzifixen oder Bildern des Erlösers,

3) an Blutreliquien von Heiligen zu Tage getreten sein sollen.

Überaus zahlreich sind Berichte besonders aus dem Mittelalter, nach denen aus konsekrierten Hostien, meistens bei Verunglimpfung oder Misshandlung, Blut hervor floss (Bluthostien); ebenso soll der konsekrierte Wein nicht selten Gestalt und Eigenschaften von Blut angenommen haben (Messe von Bolsena). Ferner wird berichtet von Kruzifixen und Bildern des gekreuzigten Erlösers, aus denen ebenfalls bei Verunehrung oder Misshandlung Blut, zeitweilig in reichlichem Maß, hervor quoll. Als eine der hervorragendsten Erscheinungen dieser Art dürfte die im Martyrol. Romanum zum 9. November verzeichnete gelten: „Beryti in Syria commemoratio Imaginis Salvatoris, quae a Judaeis crucifixa tam copiosum sanguinem emisit, ut orientalis et accidentales ecclesiae ex eo ubertim acceperint.“ Der Bericht darüber findet sich in einem fälschlich dem hl. Athanasius zugeschriebenen Sermo de miraculo Beryti edito und wurde auf dem 7. allg. Konzil (Act. 4) vorgelegt, das die Bilderverehrung bestätigt und definiert hat. Neuestens haben die blutenden Hostien und Herz-Jesu-Bilder von Mirebeau und Aachen großes Aufsehen erregt. Endlich wird berichtet, daß in Fläschchen (Blutampullen) als Reliquie aufbewahrtes geronnenes Blut einzelner Heiligen bei gewissen Gelegenheiten in natürlich unerklärbarer Weise in Wallung geriet und flüssig ward (hervorragendstes Beispiel das Januarius-Wunder in Neapel). Jedoch werden auch von Blutreliquien anderer Heiligen, wie des hl. Cyriakus, Pantaleon, Patricius, Thomas von Aquin, der hl. Philomena, dergleichen auffällige Erscheinungen berichtet; selbst aus der neueren nachmittelalterlichen Zeit liegen Berichte vor über solche Erscheinungen an Blutreliquien des hl. Aloysius v. Gonzaga und des hl. Alfons v. Liguori.

Solche Berichte entbehren jeder positiven Bedeutung, solange nicht durch eingehende Untersuchung die historische Tatsächlichkeit und ihr wunderbarer Charakter außer Zweifel gesetzt sind. Sehr häufig wird weder das eine noch das andere möglich sein. Wenn aber in Einzelfällen beides gesichert ist, dann ist auch eine theologische Bewertung ermöglicht. In diesem Fall erhalten die betreffenden Heiligen-Reliquien nicht bloß die allen wahren Wundern zukommende apologetische Beweiskraft, sondern außerdem eine besondere Weihe und Verehrungswürdigkeit. Das gleiche gilt von blutenden Kruzifixen und Bildern des Erlösers; hier könnte aber die aus eine Kruzifix oder Christusbild hervor gequollene, als Blut erscheinende Flüssigkeit in keiner Weise, wäre sie auch wahres Blut, als Blut des glorreichen, verklärten Leibes Christi betrachtet werden, da dieses nicht mehr vergossen werden kann; sie wäre auch nicht als ein etwa neuerdings erschaffenes und vom Sohn Gottes hypostatisch angenommenes Blut anzusehen, da dies eine unbegründete, ja durch die ganze Heilsökonomie ausgeschlossene Annahme wäre. Infolge dessen dürfte ihr in keiner Weise eine Anbetung im strengen Sinn des Wortes zuteil werden, die ja nur Gott gebührt und der menschlichen Natur Christi, insofern sie mit der zweiten göttlichen Person hypostatisch vereinigt ist. Wohl aber böte das an einem Kruzifix oder Erlöserbild gewirkte Wunder Anregung und Anlass, ihm vorzugsweise den allen Kruzifixen und Erlöserbildern gebührenden relativen Anbetungskult zu erweisen. Analog den blutenden Kruzifixen und Bildern des Erlösers sind blutende konsekrierte Hostien und blutartige Erscheinungen an konsekriertem Wein theologisch zu bewerten (kostbares Blut). –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. II, 1931, Sp. 408 – Sp. 410

Buch mit Kruzifix
Core
Buch mit Kruzifix
Naturgesetz

Weitere Lexikon-Einträge

Buch mit Kruzifix

Israelitische Religion

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Israelitische Religion Durch seine Religion ist Israel zum Erzieher und Wohltäter der Menschheit geworden (Siehe: Judentum und Christentum). Sie ist nach Inhalt und Entwicklung etwas Einzigartiges in der antiken und orientalischen Welt. 1) Gotteslehre…
Buch mit Kruzifix

Justina

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Justina Justina, Francucci Bezzoli, sel., OSB, * um 1260 zu Arezzo, † 12.3.1319; Einsiedlerin in einer Apenninenschlucht, dann Nonne zu Arezzo, die letzten 20 Jahre blind. Kult 1890 bestätigt. Fest in Arezzo 12. März.…
Buch mit Kruzifix

Diokletian

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Diokletian römischer Kaiser und Christenverfolger Diokletian, Cajus Aurelius Valerius, römischer Kaiser, * bei Saloma (Dalmatien), arbeitete sich im Militärdienst zum Comes domesticorum empor, 17.9.284 zu Chalcedon von den Offizieren zum Kaiser ausgerufen. Schon 1.4.286…
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Schmalkaldischer Bund Schmalkaldischer Bund, konfessionell-politisches Bündnis, nach längeren Vorverhandlungen zunächst auf 6 Jahre abgeschlossen am 27.2.1531 zwischen mehreren protestantischen Fürsten, voran Landgraf Philipp von Hessen und Kurfürst Johann v. Sachsen, und einer größeren Zahl…
Buch mit Kruzifix

Israel

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Israel Israeliten, das vom Patriarchen Jakob mit dem Beinamen Israel abstammende semitischen Volk, welches etwa seit 1230 v. Chr. Palästina bewohnte. Die Selbstbezeichnung bildet offenbar gegenüber dem Namen Hebräer, der nur im Mund von…

Weitere Lexikon-Beiträge

Buch mit Kruzifix

Port Royal

Irrlehrer und Irrlehren
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Port Royal Port Royal, eigentlich Porrois (Porregium, Portus Regius), Zisterzienserinnen-Kloster bei Versailles, 1204 durch Mathilde de Garland gegründet, 1214 Abtei, mit reichen Gütern ausgestattet, seit 1609 durch die hoch begabte jugendliche Äbtissin Angelika Arnauld, von der auch die Mutter, 5 Schwestern und 6 Nichten eintraten, erfolgreich reformiert und schön…
Buch mit Kruzifix

Gottschalk von Orbais

Orden und Ordensleute
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Gottschalk von Orbais Gottschalk von Orbais, OSB, Prädestinatianer des 9. Jahrhunderts, war der Sohn eines sächsischen Grafen Berno. Zu frühester Jugend kam er als Oblate in die Abtei Fulda und musste auf Grund des elterlichen Gelübdes das Mönchsgewand nehmen. Vor dem Empfang der höheren Weihen gelang es ihm, zu…
Buch mit Kruzifix

Waldenser

Lutheraner
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Waldenser Waldenser, auch Waldesier, mittelalterliche Sekte, benannt nach ihrem Stifter Waldes (Valdus, Valdesius) – der Vorname Petrus wird erst 1368 erwähnt – aus Lyon. Nach den sich ergänzenden Berichten im Chronicon universale anonymi Laudunensis (MGSkript XXVI 444ff) und bei Stephan von Bourbon (Tractatus de VII donis Spiritus Sancti c.…
Buch mit Kruzifix

Pilatus

Heilige Schrift AT
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Pilatus Pontius Pilatus, aus ursprünglich samnitischem (vgl. Cicero, De off. 2,21,75; Livius 9,1), später römischem Geschlecht, 26-36 n. Chr. Prokurator v. Judäa, mit Amtssitz in Cäsarea, nur an hohen jüdischen Festen und bei besonderen Anlässen zu Jerusalem im sog. Praetorium, sprach dort das Urteil über Jesus zur Kreuzigung. Sein…
Buch mit Kruzifix

Servet

Irrlehrer und Irrlehren
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Servet Servet (Servetus, Serveto; die Form Servede findet sich weder auf den Büchertiteln noch in den Prozssakten; nach dem Stammsitz seiner Familie auch Villanovanus genannt), Michael, * wahrscheinlich 29.9.1511 zu Tudela in Navarra, hoch begabt, vielseitig gebildet, von ernster Frömmigkeit, doch unruhigen Geistes; nach etwas unstetem Wanderleben seit 1540…
Buch mit Kruzifix

Kopten

Kirchenhistorie
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Kopten Kopten heißen seit der arabischen Herrschaft (639/40) die Angehörigen der monophysitischen Nationalkirche Ägyptens. I. Geschichte der Kopten I. Die Geschichte dieser Sonderkirche beginnt 451 mit der Auflehnung des Patriarchen Dioskur gegen seine Verurteilung durch das Konzil von Chalcedon. Ursächliche und fördernde Faktoren des monophysitischen Schismas in Ägypten waren…
Consent Management Platform von Real Cookie Banner