Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Autonomie

Autonomie des Willens, das von Kant namentlich dem Utilitarismus eines Hume und Wolff gegenüber gestellte Moralprinzip: Letztere Quelle des sittlichen, des kategorischen Imperativs ist der menschliche Wille selbst; seine Bestimmung durch außer ihm liegende Beweggründe, auch durch göttliches Gesetz, Glückseligkeit, Gemeinwohl, ist als Fremd-Gesetzlichkeit (Heteronomie) abzuweisen; die Befolgung eines fremden Gesetzes ist nur dann sittlich (nicht nur legal), wenn es von dem eigenen autonomen Willen als vernünftig auf- und angenommen wird. Im Sinne dieser sittlichen Autonomie des Willens haben auch Fichte (System der Sittenlehre), Hegel, Schelling und die meisten modernen Moralphilosophen ihre Systeme entwickelt und die autonome Moral (Laienmoral) begründet, die eine religiöse Begründung der Moral, ihre Herleitung von einem göttlichen Gesetz ablehnt.
Ohne Zweifel ist die sittliche Güte einer menschlichen Handlung davon abhängig, daß der Mensch aus innerer Überzeugung und mit freier Hingabe des Willens das gute verrichtet. Bloß äußere Erfüllung ohne innere Zustimmung ist Sklavendienst und auch mit dem Christentum im Widerspruch, das auf die innere Gesinnung den Hauptwert legt. Daß aber endgültig nur des Menschen eigener Wille und eigenes Gesetz den letztenGrund alles sittlichen Handelns bilden dürfe, könnte nur dann behauptet werden, wenn der Mensch in seinem Sein und Streben völlig autonom und nicht einem Schöpfer und dessen göttlichen Willen unterworfen wäre, wie das Christentum es lehrt. Daher steht die autonome Moral im Gegensatz zu grundlegenden christlichen Wahrheiten. Danach schafft nicht unsere Vernunft den sittlichen Imperativ, sondern verkündet ihn uns nur, und zwar als Lebensordnung, die dem Geschöpf vom Schöpfer gegeben ist. Sie entspricht des Geschöpfes innerstem Wesen (Augustinus: lex intima) und erscheint daher nicht als etwas Heteronomes, wenn sie auch zuweilen zu unserem sinnlichen Triebleben in Gegensatz tritt. Aus dem göttlichen Ursprung erklärt sich die wesentlichen Unveränderlichkeit des Sittengesetzes und seine alles überragende Autorität. Diese bleiben unerklärlich, wenn man den sittlichen Imperativ nur auf Selbstverpflichtung des Willens zurück führt, die übrigens an einem innern Widerspruch leidet. Wie die moderne Entwicklung der Ethik beweist, führt die Autonomie zum Subjektivismus.

aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. I, 1930, S. 856

Buch mit Kruzifix
Antinomismus
Buch mit Kruzifix
Naturalismus

Weitere Lexikon-Einträge

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Heinrich, Johann Baptist Heinrich, Johann Baptist, * 15.4.1816 zu Mainz, † 9.2. 1891 ebd.; studierte seit 1834 Rechtswissenschaft in Gießen, 1837 Dr. jur., 1840 Privatdozent daselbst; studierte 1842-43 Theologie in Tübingen und Freiburg i.…
Buch mit Kruzifix

Karäismus

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Karäismus Karäer (= Schriftkundige oder = Anhänger der Schrift), jüdische Sekte, welche die rabbinische Tradition und damit den Talmud verwirft. Unrichtig ist, daß sie aus dem Sadduzäismus hervorgegangen seien, wenn sie sich auch sadduzäische…
Buch mit Kruzifix

Sabbat

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Sabbat Sabbat, der durch das Gebot vollkommener Enthaltung von der Arbeit gekennzeichnete 7. Wochentag der Israeliten. I. Das Arbeitsverbot. Wird im Dekalog Ex. 20,10 die Enthaltung von jeglicher Arbeit strengstens gefordert, so werden Ex.…
Buch mit Kruzifix

Meschler, Moritz

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Meschler Meschler, Moritz, SJ (seit 1850), aszetischer Schriftsteller, * 16.9.1830 zu Brig (Kanton Wallis, Schweiz), machte seine höheren Studien zu Paderborn, Bonn und Maria Laach, 1866 Prediger in Bonn, 1867-1871 Novizenmeister (zu Gorheim, Münster,…
Buch mit Kruzifix

Samaritaner

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Samaritaner Die nichthellenistischen Bewohner dieser Landschaft (Samaria) bezeichnet man als Samaritaner. 1) Geschichte: Die im Jahr 722 von dort deportierten Israeliten wurden durch Kolonisten aus verschiedenen Gegenden des Assyrerreiches ersetzt (2. Kg. 17, 24),…

Weitere Lexikon-Beiträge

Buch mit Kruzifix

Luciferianer

Gnostiker
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Luciferianer Luciferianer: 1) Anhänger Lucifer von Calaris. – 2) Dualisten, die Lucifer als guten Gott anbeteten und seinen endgültigen Sieger über den wahren Gott verkündigten. Vertreter dieses Wahnes finden sich im Mittelalter vereinzelt im ganzen Abendland, besonders auch unter den Brüdern des freien Geistes. Eine geschlossene und größere Sekte…
Buch mit Kruzifix

Jovinian

Irrlehrer und Irrlehren
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Jovinian Jovinian, Irrlehrer, † vor 406. Zuerst Aszet, kam bald nach 385 nach Rom und warb durch Wort und Schriften (nicht mehr erhalten) für seine neuen Ideen. Nach der Darstellung seiner Gegner lehrt er: Unterschiedslosigkeit des jungfräulichen, Witwen- und Ehestandes vor Gott; Wertlosigkeit des Fastens; Heiligung sei bloße Bewahrung,…
Buch mit Kruzifix

Moritz von Sachsen

Kirchenhistorie
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Moritz von Sachsen Moritz, Herzog und seit 1547 Kurfürst von Sachsen, * 21.3.1521 zu Freiburg, † 11.7.1553; Neffe des Herzogs Georg des Bärtigen, Sohn und 1541 Nachfolger Heinrichs des Frommen, war mit diesem protestantisch geworden und ging nach des Vaters Tod als Herzog gewalttätig und rücksichtslos gegen die Katholiken…
Buch mit Kruzifix

Güntherianismus

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Güntherianismus Güntherianismus, Günthers System unterscheidet sich von der Kirchenlehre (vgl. Denzinger 1655ff, 1801ff (dazu CollLac VII 86a) und 1816ff (CollLAc VII 88a)) besonders in 3 Punkten: a) Günther wollte durch eine neue Philosophie den modernen Pantheismus überwinden, was die auf die griechische Spekulation begründete (nach Günther „semipantheistische“) Philosophie der…
Buch mit Kruzifix

Manichäismus

Irrlehrer und Irrlehren
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Manichäismus Mani (bei den Griechen: Manes; im Abendland: Manichäus), Begründer des Manichäismus, einer gnostischen Weltanschauung und Lebenslehre, die an Bedeutung und Verbreitung zeitweilig fast einer Weltreligion gleich kam, * um 216 n. Chr. Bei Seleucia-Ktesiphon aus parthischem Hochadel, †275 oder 276 in Belapat oder Gundeschapur (persien). Manis Leben ist…
Buch mit Kruzifix

Deharbe, Joseph

Biographie
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Deharbe Deharbe, Joseph, SJ (seit 1817), * 1.4.1800 zu Straßburg i. E., † 8.11.1871 zu Maria Laach. 1830-1836 und 1839 Professor der Rhetorik zu Brig, 1840-1841 Volksmissionar in der Schweiz und in Bayern, 1842-1845 Hilfs-Seelsorger in Cöthen (Anhalt), 1845 Rhetorik-Professor zu Freiburg im Schwarzwald, 1846 Regens und Pastoralprofessor am…
Consent Management Platform von Real Cookie Banner