A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T Ü V W Z

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Siebenten-Tags-Adventisten

Adventisten, Sekte amerikanischen Ursprungs.

1) Entwicklung und Statistik

Gründer ist der Farmer William Miller (1782 bis 1849), der nach einer Periode des Unglaubens eifriger Baptist später religiöser Schwärmer wurde. Unverstandene Lektüre des Buches Daniel und der Apokalypse führten ihn zur Idee von der baldigen Wiederkunft Christi (adventus), die er auf Grund von Daniel 8, 14 zunächst auf 22. März 1844 und dann unter Deutung von Mt 25, 5f. auf 22. Oktober 1844 berechnete. Januar 1845 erfolgte der Ausschluss der Anhängerschaft Millers (50000) aus der Baptisten-Gemeinschaft und die Bildung der Sekte der Adventisten.

Sie spaltete sich in 5 Zweige, denen der Glaube an die baldige Wiederkunft Christi, Erwachsenen- und Tauchtaufe gemeinsam sind. Die Evangelical Adventists (Organ: Messiah`s Herald, Boston), die Life and Advent Union (Organ: The Herald of Life, Springfield), die Churches of God in Christ Jesus (Organ: The Restitution, Plymouth), die Advent Christians (Organ: Advent Review, Battle Creek) unterscheiden sich fast nur in einigen Punkten der Lehren über die Enddinge. Diese 4 Gruppen haben in Amerika geringe, außerhalb keine Bedeutung.

Von Wichtigkeit sind allein die Siebenten-Tags-Adventisten, gegründet von Frau R. Preston und Schiffskapitän a. D. Joseph Bates, geistig geführt von James White und seiner Gattin Ellen G. White. Seit 1853 nahmen sie starken Aufschwung, führten 1858 den Zehnten ein, nannten sich 1860 offiziell ‚The Seventh-Day-Adventists‘. Hielten 1863 in Battle Creek die erste Generalkonferenz und führten die Gesundheits-Reform ein, gründeten 1874 die Auslandsmission für Mitteleuropa, 1876 die erste deutsche Gemeinde in Solingen, begannen 1878 mit der Missionierung Englands.

Stand 1928: 274331 Erwachsene. An der Spitze steht die Generalkonferenz (Washington). Die Sieben-Tage-Adventisten gliedern sich in 8 Divisionen (die Europ., Nordamerikan., Südamerikan., Interamerikan., Afrikan., Südasiat., Australasiat. u. die Division des Fernen Ostens). Mehrere Gemeinden (Missionsfelder) bilden eine Vereinigung, die sich zu Unionen und weiter zu Divisionen zusammenschließen.

Deutschland zählte 1928: 33245 erwachsene Mitglieder, meist Angehörige des Arbeiterstandes und Gewerbetreibende, die sich auf 3 Unionen (Ostdeutsche: Sitz Berlin); Westdeutsche: Bonn; Mitteleuropäische: München) verteilen…

2) Lehre und Beurteilung

Die Sieben-Tage-Adventisten glauben an die Dreifaltigkeit und die Gottheit Christi, leugnen die natürliche Unsterblichkeit der Seele und die Hölle, lehren die baldige Wiederkunft Christi und das Millenium, verpflichten zur Erwachsenen- und Tauchtaufe, zur Heiligung des Sabbats (Hauptvorschrift), zur Enthaltung von Schweinefleisch, Alkohol und Narkotika und zur Abgabe des Zehnten. Dem Abendmahl, bei dem alkoholfreier Wein gebraucht wird, geht die Fußwaschung voraus. –

Bemerkenswert sind der freilich meist sehr unerleuchtete und instinktmäßige religiöse Eifer und die Opfergesinnung der Mitglieder, die allerdings gerade bei den Sieben-Tage-Adventisten leicht in unbelehrbare Schwärmerei entarten. Das Lehrsystem ist Synkretismus aus christlichen, jüdischen und gesundheits-reformerischen Elementen, die Bibelauslegung ganz willkürlich.

Ernste Zurückweisung verdienen die ungerechten, oft unqualifizierbaren Angriffe auf die katholische Kirche (Deutung der apokalyptischen Zahl 666 auf das Papsttum) sowie die große Aufdringlichkeit und der Fanatismus ihrer Propaganda. –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. I, 1930, Sp. 111 – Sp. 112

siehe auch den Beitrag:

Der zweite Petrusbrief (Kap. 3, Vers 5-10): Die Widerlegung der Spötter

Tags: Sekten
Buch mit Kruzifix
Friedrich I. bis III. deutsche Kaiser
Buch mit Kruzifix
Bibelforscher

Weitere Lexikon-Einträge

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Moritz von Sachsen Moritz, Herzog und seit 1547 Kurfürst von Sachsen, * 21.3.1521 zu Freiburg, † 11.7.1553; Neffe des Herzogs Georg des Bärtigen, Sohn und 1541 Nachfolger Heinrichs des Frommen, war mit diesem protestantisch…
Buch mit Kruzifix

Bilderstreit

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Bilderstreit Bilderstreit. I. Im Orient. Die Kirche suchte von Anfang an, besonders bei weiterer Ausbildung der Bilderverehrung, Ausartungen zu verhüten; so Papst Gregor der Große gegen Bischof Serenus v. Marseille (Migne PL 77, 1027).…
Buch mit Kruzifix

Spiegel

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Spiegel Spiegel galten im Mittelalter als Heilmittel bei Augenkrankheiten und erhielten deshalb in einigen Diözesen (Breslau 1499, Krakau) eine eigene Weihe am Aschermittwoch. Sie steht in keinem Zusammenhang mit der abergläubischen Verwendung von Spiegeln…
Buch mit Kruzifix

Galiläa

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Galiläa Galiläa. I. Landschaft in Palästina, das Bergland westlich des Jordan von der Bene Esdrelon und dem Tal des Nahr Dschalûd im Süden bis zur Senke Merdsch Ajjûn am Knie Nahr-el-Kāsimîje im Norden; wasserreicher…
Buch mit Kruzifix

Valentinian

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Valentinian Valentinian, weströmische Kaiser Valentinian I., * 321 zu Cibalae (Niederpannonien), Sohn des ehemaligen Befehlshabers Gratianus, nach Jovians Tod am 24.2. 364 in Nicäa von den Truppen zum Kaiser ausgerufen, überließ kurz darauf seinem…

Weitere Lexikon-Beiträge

Buch mit Kruzifix

Sabbatharier

Irrlehrer und Irrlehren
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Sabbatharier Sabbatharier, im allgemeinen vom Christentum ausgehende Sekten, welche unter anderem die Feier des Sabbat (Samstags) betonen. Hierher gehören besonders: 1) Eine aus den Kreisen der Altunitarier oder Davidisten stammende judaisierende Sekte, entstanden im 16. Jahrhundert in Böhmen, seit Anfang des 17. Jahrhunderts hauptsächlich in Siebenbürgen, wo ihr einflußreiches…
Buch mit Kruzifix

Valentinianer

Gnostiker
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Valentinianer Valentinus, hellenisierender Gnostiker, von Irenäus (adv. Haer. I 11, 1) Vater der gnostischen Häresie genannt; nach Epiphanius in Ägypten geboren, weilte 136-165 in Rom und begab sich dann nach Zypern. Sein Bruch mit der Kirche fand sicher in Rom statt (nach Epiphanius und Philastrius (Haer. 38) erst in…
Buch mit Kruzifix

Deutschkatholizismus

Freigeist
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Deutschkatholizismus Deutschkatholizismus. Die seit Mitte des 18. Jahrhunderts immer mehr ins kirchliche Leben eingedrungene rationalistische Welle, gegen welche um die Wende des 18. zum 19. Jahrhundert in extremer Gegenwirkung die aftermystische Bewegung eines Martin Boos, Joh. Gossner, Ignaz Lindl, der Pöschlianer, Maurerianer, Michaelsritter, Manharter und Salpeterer entstand, und vergebens…
Buch mit Kruzifix

Illuminaten

Freimaurer
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Illuminaten Illuminaten. Geheimbund. Ihn gründete 1.5.1776 Adam Weishaupt, *6.2.1748 zu Ingolstadt, hier seit 1772 Professor des Kirchenrechts, Deist, schärfster Feind der Jesuiten, Winter 1776/77 Mitglied einer Freimaurerloge in München, Gegner der Kantischen Philosophie, nach seiner Verbannung aus Bayern seit 1786 am Hof Ernsts II. von Gotha, ebd. 18.11.1830. Ziel…
Buch mit Kruzifix

Nestorius

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Nestorius Nestorius, dessen Geburtsort unbekannt ist, lebte in der Jugend zu Germanicia (Syria Euphratensis), dann in Antiochia, wo er wahrscheinlich Schüler des Theodor von Mopsuestia war. Priester und Mönch dort geworden, erwarb er sich den Ruf eines so berühmten Predigers, daß ihn Kaiser Theodosius II. 428 auf den verwaisten…
Buch mit Kruzifix

Sozinianismus

Irrlehrer und Irrlehren
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Sozinianismus I. Der Begründer des Sekte des Sozinianismus ist Faustus Sozinus (Fausto Sozzini), * 1539 zu Siena, † 3.3.1604 zu Luclawice bei Krakau (hier Denkmal). Er studierte die Rechte, wandte sich aber bald unter dem Einfluß seines Oheims Lälius ausschließlich der Theologie zu. Als Lälius 1562 starb, erbte Faustus…
Consent Management Platform von Real Cookie Banner