Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Semiten

Semiten, die große Familie der Völker, die nach Gn. 10, 22ff von Sem abstammen und ursprünglich dieselbe Sprache redeten wie die zu Sems Nachkommen zählenden Hebräer. Nach Gn. 11, 2 kamen sie aus dem Osten nach Babylonien und bevölkerten den Südwesten Asiens. In Babylonien übernahmen sie den von dort ansässigen nichtsemitischen Sumerern Kultur und Keilschrift. Wie die umfangreichen Ausgrabungen an den ältesten semitischen Kulturstätten Babel, Assur, Nippur, Kisch, Uruk (Erech), Lagasch, Larsa (Ellasar), Sippar, Schurippak u..a. zeigen, entwickelten sie nicht bloß schon um 3000 v. Chr. eine hohe materielle Kultur, sondern von ihnen nahmen auch die 3 monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam ihren Ausgang. (*)

I. Ihre Religion verfiel wohl auch wie die der andern Völkergruppen frühzeitig dem Polytheismus, indem die Semiten die Gestirne, Sonne Mond, Venus, das ganze Himmelsheer, gewaltige Naturerscheinungen (Sturm und Regen, Donner und Blitz), die zeugende und zerstörende Kraft in der Natur usw. vergöttlichten. Wesentliche Merkmale der akkad. (babylon.-assyr.) Religion sind religiöses Priestertum und Gottkönigtum, Allgegenwart der Muttergottheit. Von den Sumerern übernahmen sie religiöse Gebräuche und ausdrücke. Zur Zeit der 1. babylonischen (amoritischen) Dynastie (Hammurapi) und des Mittleren Reiches in Ägypten (ca. 2000-1700) sind Syrien und Palästina organischer Teil der ägypt.-asiat. Geschichte. In diese Zeit versetzt die Bibel das auftreten Abrahams (Gn. 14). In Asien treten nicht-semitische Völker in Erscheinung: Kossäer (Elam), Mitanni, Hethiter (arisch). Um 1500-1300 v. Chr. Breiten sich die Aramäer in Mesopotamien als Nomaden aus. Im mosaischen Alter hat der Niedergang Ägyptens und der Mittelmeer-Länder das Entstehen neuer Staatengebilde zur Folge: Israels, Phöniziens, Damaskus`. Um 750 kommt Syrien und Palästina unter den Einfluss Assyriens und nachher Babyloniens. Das 6. Jahrhundert v. Chr. ist von weltgeschichtlicher Bedeutung. In Israel erfolgt durch die Wirksamkeit der Propheten und das babylonische Exil die Erneuerung des Monotheismus, während in der indo-europäischen Phase der Geschichte die Religion in Asien und Ägypten vollständig in Verfall gerät (Synkretismus im römischen Reich).

Diese Tatsache kann nicht erklärt werden durch die Annahme, der Wettergott Jahve sei zum Herrn seines Volkes, dann der Menschheit und des Universums geworden, sondern nur durch den wirklichen Verlauf der Geschichte, wie ihn die Bibel klar zeigt, indem Gott die Semiten als Träger der Offenbarung auserwählte und dann die nachkommen Abrahams, die Hebräer, die Juden. Nicht der Wettergott Jahve ist zum Herrn Israels, dann der Menschheit geworden; umgekehrt hat Israel und Juda infolge seines Hanges am Irdischen und seiner falschen irdischen Messiashoffnung den wahren Gott Jahve in den Nationalgott Israels verwandelt und so sich selbst zum größeren Teil von den Segnungen des verheißenen Messias, Jesus Christus, ausgeschlossen.

Daß der Monotheismus das Ursprüngliche ist und nicht der Polytheismus, zeigt auch die Literatur der Akkader. Zeile 7-9 des babylonischen Schöpfungs-Epos lauten: „Einst, da von den Göttern noch kein einziger entstanden, kein Name genannt, kein Los (bestimmt war), da wurden geschaffen die Götter“; es sind auch Tafeln gefunden worden, auf denen verschiedene Götternamen einander gleich gesetzt sind, gleichsam als Manifestations-Formen des einen wahren Gottes (des Fatums). Ganz unzweifelhaft zeugt die hebräische Sprache gegen die These von der Erhebung des Wetter- und National-Gottes Jahve zum Herrn der Menschheit; denn sie gebraucht (…) wörtlich „Wahrheit“, dann „wahrhaft aus sich Seiendes“ für Gott (Sir. 4, 25; Weish. 18, 9; Neh. 9, 13; 1. Joh. 3, 19) … die Heiden „vertauschten das wahrhaft (aus sich) seiende Wesen (nämlich Gott) mit dem, was nicht aus sich ist“, d. h. „sie verehrten durch Anbetung das Geschöpf anstatt des Schöpfers“ (vgl. BiblZschr. 1915, 106ff).

(*) Auch der Islam der Araber, der im 8. Jahrhundert v. Chr. aus Afrika kommend in Südarabien die ersten Reiche gründeten, ist gleich dem der jetzigen Juden kein richtiger Monotheismus, sondern Verehrung des Fatums als Nationalgottes.-

II. Der Sprache nach unterscheidet man Ost-Semiten (Akkader und Südaraber) und West-Semiten (Amoriter, Aramäer, Kanaaniter und Nordaraber. Zahlreiche und sicher erkannte Grundzüge des Hebräischen und aller semitischen Sprachen ergeben als unbedingte Voraussetzung die gemeinsame Wurzel des Ursemitischen, das sprachgeschichtlich in vielen Eigenschaften noch erreichbar ist: Gesetze der Wurzel- und Stammbildung, Triliteralität (3 Konsonanten bei den Verbstämmen); Reichtum an Gutturalen, Entstehung der Flexion u.a. … Im Gegensatz zur sumerischen Sprache, deren Genealogie noch problematisch ist, muss man das Ägyptische, dessen semitischer Charakter bereits klarer erwiesen, als früh isolierte Abzweigung aus dem semitischen Sprachstamm annehmen. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß Moses das Alphabet, das durch die Griechen und Römer zu uns kam, erfunden hat. –aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. IX, 1937, Sp. 461 – Sp. 463

Tags: Judentum
Buch mit Kruzifix
Sem
Buch mit Kruzifix
Japhet

Weitere Lexikon-Einträge

Buch mit Kruzifix

Theodosius

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Theodosius Theodosius, römische Kaiser Theodosius der Große, * um 345 zu Cauca in Spanien, † 17.1.395 zu Mailand; Sohn des Comes Theodosius und der Thermantia, in 1. Ehe vermählt mit Älia Flacilla, die ihm…
Buch mit Kruzifix

Synedrium

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Synedrium Synedrium bezeichnet zunächst eine Sitzung einer Versammlung, die über öffentliche Angelegenheiten berät, ist daher seit dem 4. Jahrhundert v. Chr. auch Name für bestimmte politische Körperschaften und ihre Versammlungen in der späteren Gräzität…
Buch mit Kruzifix

Maximinus Daja

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Maximinus Daja römischer Kaiser und Christenverfolger Maximinus Daja oder Daza, römischer Kaiser, Illyrier, niederer Abkunft, 1.5.305 seinem Oheim Galerius als Cäsar über Cilicien, Syrien und Palästina beigegeben, 309 vom Heer als Augustus ausgerufen, 311…
Buch mit Kruzifix

Moloch

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Moloch Moloch (= Schande) statt Melek (=König) in hebräischer, oder Malk, Milk in phönizischer Aussprache), semitische Gottheit, die dem kanaanitischen Baal, dem ammonitischen Milkom und dem moabitischen Chamos entspricht. Ihr wurden Menschenopfer (besonders Kinder)…
Buch mit Kruzifix

Golgotha

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Golgotha Golgotha, Kalvaria, der Ort, wo Christus gekreuzigt wurde. Calvaria (=Schädel) ist Übersetzung des aramäischen golgotha=Schädel), Kopf; Lk.23,33; Mt. 27,33; Mk. 15,22; Joh. 19,17. Schädelstätte, im Alten Testament wahrscheinlich der Hügel Gareb (Jer. 31,39).…

Weitere Lexikon-Beiträge

Buch mit Kruzifix

Jüdische Philosophie

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Jüdische Philosophie Das Judentum besitzt aus sich heraus keine Philosophie, sondern nur als Umbildung von philosophischen Einwirkungen des es umgebenden Kulturen. 1. Aus dem Hellenismus erstand dem Judentum die alexandrinische Philosophie in Philo, dessen Logos- und Geistlehre sowohl die griechischen Kirchenväter als auch den Neuplatonismus beeinflusste, aber im Judentum…
Buch mit Kruzifix

Karäismus

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Karäismus Karäer (= Schriftkundige oder = Anhänger der Schrift), jüdische Sekte, welche die rabbinische Tradition und damit den Talmud verwirft. Unrichtig ist, daß sie aus dem Sadduzäismus hervorgegangen seien, wenn sie sich auch sadduzäische Lehrmeinungen, soweit solche in der talmudischen Literatur noch vorhanden waren, zu eigen machten. Als Grund…
Buch mit Kruzifix

Sodoma

Heilige Schrift AT
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Sodoma Sodoma, Hauptort der 5 Städte (Pentapolis) im Siddim-Tal, Wohnort des Lot (Gn. 13,12), wurde wegen widernatürlicher Unzucht („sodomitische“ Sünde, Sodomie; vgl. Gn. 19,4-9) zugleich mit Gomorrha, Adama und Seboim von Gott „umgekehrt“ und in einem Feuer-, Salz- und Schwefelregen verbrannt (Gn. 19,21-25) – ein Strafgericht, bei dem sich…
Buch mit Kruzifix

Samaritaner

Heilige Schrift AT
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Samaritaner Die nichthellenistischen Bewohner dieser Landschaft (Samaria) bezeichnet man als Samaritaner. 1) Geschichte: Die im Jahr 722 von dort deportierten Israeliten wurden durch Kolonisten aus verschiedenen Gegenden des Assyrerreiches ersetzt (2. Kg. 17, 24), welche mit dem im Land zurück gebliebenen Teil der einheimischen Bevölkerung verschmolzen. Da unter den…
Buch mit Kruzifix

Hohepriester

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Hohepriester Hohepriester. An der Spitze des levitischen Priestertums stand der Priester zur Unterscheidung von den einfachen Priestern genannt „der Hohepriester“, „der Priesterfürst“, auch „der gesalbte Priester“, weil jeder Hohepriester mit dem heiligen Öl gesalbt wurde (vgl. Ex. 29,29; Lv. 8,12). Er unterschied sich von den Priestern 2. Ranges auch…
Buch mit Kruzifix

Philister

Heilige Schrift AT
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Philister Philister (…), eine im Alten Testament oft genannte Völkerschaft, welche den Israeliten Jahrhunderte lang den Besitz des Westjordanlandes und die nationale Selbständigkeit streitig machte. Der Etymologie nach waren die Philister die Bewohner des nur bei den Dichtern des Alten Testamentes genannten Landes Pelescheth, des späteren Palästina, d. h.…
Consent Management Platform von Real Cookie Banner