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Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Quesnel

Quesnel, Paschasius, Jansenist, * 14.7.1634 als Sohn eines Pariser Buchhändlers schottischer Herkunft, † 2.12.1719 zu Amsterdam; studierte bei den Jesuiten und an der Sorbonne, trat 1657 ins Oratorium ein, das er 1685 wieder verließ. Das 1650 von Nic. Jourdain für die Oratorianer gedruckte Betrachtungsbuch Verbi incarnati verba bearbeitete er französisch 1668 (Les paroles de la Parole incarneé) und gab es erweitert mit einer Empfehlung des Bischofs von Châlons 1672, 1674 und 1679 heraus. 1687 erschien eine auf alle Evangelien, die Apostelgeschichte und die Episteln erweiterte Ausgabe, 1692 ein 4bändige, 1699 die endgültige Fassung mit dem Titel Le nouveau Testament avec des réflexions morales. Daneben erschien als Hauptwerk seiner patristischen Studien 1675 die wertvolle, aber wegen ihrer gallikanischen Erläuterungen 1676 indizierte Ausgabe der Werke Leos des Großen sowie eine Anzahl aszetischer Schriften über Beichte und Kommunion, Leiden Christi und Glück eines christlichen Todes. Zum Widerruf, den die Oratorianer wegen seines Jansenismus 1687 von ihm forderten, nicht bereit, floh er 1681 nach Orléans und lebte seit 1684 verborgen in Brüssel, mit Gerberon und Arnauld zusammen wirkend, befreundet auch mit dem Apostolischen Vikar Codde. Erzbischof Precipiano von Mecheln ließ 1703 Quesnel gefangen setzen, exkommunizierte ihn und verurteilte ihn 1704 zur Klosterhaft. Quesnel entwich nach Holland. Seine Schriften aber, vor allem die Réflexions und die immer maßloser in den Ausdrücken werden Streitschriften, wirkten weiter, zumal sich Erzbischof Noailles von Paris durch einen noch als Bischof von Châlons 1695 geschriebenen Erlaß zum Lobredner für sie gemacht hatte und trotzig an ihm festhielt. Auch Bossuet verteidigte auf Noailles` Wunsch die Réflexions, zog aber bald seine Schrift zurück und bekämpfte Quesnel. 1713 verurteilte die Konstitution Unigenitus des Papstes Klemens XI. Auf Ludwigs XIV. Wunsch Quesnel`s Buch und 101 Sätze daraus (Denzinger n. 1351ff), die in ihrer Gesamttendenz, trotz milder, an Augustinus anlehnender Formulierung, den eingeengten Heilswillen Gottes, die unwiderstehliche Gnade, die völlige Bosheit der von der Gnade nie Berührten, die nur eingeengte Erlösungstat Christi lehrten. Die Bulle ist die entschiedenste Absage der Kirche an den extremen Augustinismus und darum dogmengeschichtlich von hoher Bedeutung. Quesnel unterwarf sich nicht; er starb zwar versehen mit den hl. Sakramenten, aber die Berufung an ein allgemeines Konzil auf den Lippen.

aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. VIII, 1936, S. 585-586

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