A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T Ü V W Z

Interkonfessionalismus

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Interkonfessionalismus

Interkonfessionalismus ist ein Problem in Staaten mit religiöser, bekenntnismäßig gemischter Bevölkerung, wie sie besonders durch die Säkularisation und später durch die Freizügigkeit und Industrialisierung Deutschlands entstanden sind. Das Zusammenleben protestantischer und katholischer Bürger machte ein Zusammenarbeiten in den verschiedensten Bereichen zur Notwendigkeit, von grundsätzlicher Bedeutung ist die prinzipielle Rechtfertigung, die man dafür gab oder gibt.

I. Der Interkonfessionalismus als dogmatisches Prinzip wäre philosophisch und theologisch unmöglicher Latitudinarismus (Duldung). Philosophisch widerspräche er der Tatsache, dass die Wahrheit auch im Religiösen nur eine ist, da Gott sich nicht selbst widersprechen kann. Religiöse Bekenntnisse, die sich in Wesentlichem widersprechen, können nicht zugleich wahr sein. Theologisch kann es allgemeines Christentum nicht geben, das als Genusbegriff die einzelnen christlichen Bekenntnisse als gleich berechtigte Unterarten unter sich fasst.

Christus hat nur ein Christentum, eine Kirche gestiftet. Kompromisshafte Verwischung der konfessionellen Unterschiede zur Ermöglichung einer allgemein christlichen Basis unter Herausstellung der sogenannten wesentlichen und Zurückstellung der unwesentlichen Lehren, wie es Harnack vorschwebte, wäre Verrat am Christentum Christi und die Selbstaufgabe der Kirche als der einen Verkörperung Christi. Ethisch wäre für den einzelnen Katholiken das Bekenntnis zu einem solchen allgemeinen Christentum Glaubensabfall, grundsätzlicher Indifferentismus.

II. Diese Ablehnung eines ebenso utopischen wie verwerflichen nebelhaften Allgemein-Christentums schließt den praktischen Zusammenschluss, die Zusammenarbeit von Katholiken und Andersgläubigen in sozialer, politischer, kultureller Hinsicht nicht aus. Die wesentliche Grundlage hierfür sind die Normen und Ziele der natürlichen Sittlichkeit und des natürlichen Rechtes, alle die Forderungen des staatlichen Gemeinwohls in der Politik, der sozialen Gerechtigkeit im wirtschaftlichen Leben, der staatsrechtlichen Freiheit der Bekenntnisse im paritätischen Staatswesen, der Gewissensfreiheit, der Gleichheit vor dem Gesetz im staatsbürgerlichen Leben.

Diese Normen und Ziele sind, weil natur- und vernunft-rechtlich, nichts spezifisch Konfessionelles und erfahren, nach dem Prinzip „gratia supponit naturam“, vom katholischen Glauben nur ihre tiefere Begründung. Der Zusammenschluss mit Andersgläubigen in einer und derselben Organisation, in einer politischen Partei, einer Gewerkschaft, einem andern Verein muss als erlaubt gelten; denn dort werden ja nicht, wie in Andachts-, Kult-, Missionsvereinen, unmittelbar religiöse Ziele angestrebt, dort beschwören die stark das Weltanschauliche, Religiöse berührenden Vereinsziele nicht, wie in erzieherischen, caritativen Vereinen, die Gefahr einer religiösen Verwischung herauf; vielmehr werden dort solche Zwecke verfolgt, die in sich erlaubt, natürlich gut, wirtschaftlich, politisch, künstlerisch bedeutsam sind, ohne dass sie unmittelbar bis zum höchsten Zweckgedanken weiter verfolgt werden.

Der einzelne ist wegen seiner zur ständigen Hingabe an Gott verpflichtenden Innerlichkeit, die wieder auf seinem persönlichen In- und Fürsichsein, seiner Geistigkeit und Unsterblichkeit, seiner lebendigen Gott geöffneten Einheit beruht, gehalten, auch das Natürliche und Gleichgültige innerlich durch den Geist des Glaubens und der Liebe zu heiligen. Auch als Mitglied eines interkonfessionellen Vereins muss er seiner Tätigkeit die ungeschwächte und unverkürzte katholische Welt- und Lebensauffassung zu Grunde legen und untersteht nach der sittlichen Seite dieser Tätigkeit dem Urteil der kirchlichen Autorität.

Der Korporation dagegen geht diese zur ständigen Hingabe an Gott verpflichtete Innerlichkeit ab; ihre Aufgabe und Tätigkeit ist eine äußere, weil ja alle korporative Verbindung der Individuen eine äußere ist. Für sie gilt als sittliche Pflicht, dass ihr Zweck objektiv einen natürlich guten, sittlich erlaubten Inhalt hat, damit dieser dann von ihren einzelnen Gliedern subjektiv dem höchsten Ziel geweiht werden kann. Besonders aktuell war die Frage des Interkonfessionalismus im sogenannten Gewerkschaftsstreit und im Streit um den Charakter der Zentrumspartei. –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. V, 1933, Sp. 438 – Sp. 439

Buch mit Kruzifix
Apostelkonzil
Buch mit Kruzifix
Ultramontanismus

Weitere Lexikon-Einträge

Buch mit Kruzifix

Sodoma

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Sodoma Sodoma, Hauptort der 5 Städte (Pentapolis) im Siddim-Tal, Wohnort des Lot (Gn. 13,12), wurde wegen widernatürlicher Unzucht („sodomitische“ Sünde, Sodomie; vgl. Gn. 19,4-9) zugleich mit Gomorrha, Adama und Seboim von Gott „umgekehrt“ und…
Buch mit Kruzifix

Valentinianer

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Valentinianer Valentinus, hellenisierender Gnostiker, von Irenäus (adv. Haer. I 11, 1) Vater der gnostischen Häresie genannt; nach Epiphanius in Ägypten geboren, weilte 136-165 in Rom und begab sich dann nach Zypern. Sein Bruch mit…
Buch mit Kruzifix

Hunolt, Franz

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Hunolt Hunolt, Franz, SJ (seit 1709), Homilet, * 31.3.1691 zu Siegen, † 12. 9. 1746 zu Trier, hier 1724 bis 1743 Domprediger. Verfasste Sittenpredigten in volkstümlicher Sprache, mit treffenden Vergleichen, Sprichwörtern, anschaulicher, dem Leben…
Buch mit Kruzifix

Vandalen

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Vandalen Vandalen, ostgermanische Völkergruppe, die ihre Wanderungen von Jütland bis nach Spanien und Nordwestafrika ausdehnte. Zur Zeit des Plinius und Tacitus zwischen zwischen Weichsel und Oder angesiedelt (Heiligtum des Teilstammes der Silingen auf dem…
Buch mit Kruzifix

Akkommodation

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Akkommodation Bedeutung des Begriffes Akkommodation Akkommodation, biblische. Akkommodation bedeutet bei den lateinischen Schriftstellern sowohl das Anpassen einer Sache an etwas, das Einrichten einer Sache nach etwas (objektive Akkommodation), als auch das Sichrichten nach etwas,…

Weitere Lexikon-Beiträge

Buch mit Kruzifix

Nikolaiten

Gnostiker
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Nikolaiten Nikolaiten heißen 1. im Neuen Testament Sektierer, welcher schon zu apostolischer Zeit Unheil in der Kirche anrichteten. Daß dieses Uneil sehr groß gewesen, kann aus Offenbarung 2, 6 geschlossen werden. Deutlicher wird die Art desselben Apok. 2, 15 dahin angegeben, daß die Nikolaiten in die Fußstapfen Balaams eintraten,…
Buch mit Kruzifix

Donatisten

Irrlehrer und Irrlehren
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Donatisten Donatisten, nordafrikanisches Schisma des 4./5. Jahrhunderts, hervorgewachsen aus Gegensätzen, die sich aus dem novatianischen Kirchenbegriff (Kirche der Reinen) und dem cyprianischen Sakramentsbegriff (Gültigkeit der Taufe abhängig von der Würdigkeit des Spenders) sowie aus der durch die diokletianischen Verfolgung entstandenen Verwirrung ergaben. Die sachlichen Differenzen spitzten sich persönlich zu.…
Buch mit Kruzifix

Schriftgelehrte

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Schriftgelehrte Jüdische Schriftgelehrte am Grab des Propheten Ezechiels Schriftgelehrte (Schreiber, Sekretäre) sind Juden, die sich berufsmäßig mit der Erforschung des Gesetzes beschäftigen. Als eigener Stand gesetzeskundiger Lehrer und Richter erscheinen sie seit Esdras, der den Späteren stets als Vater und Vorbild der Schriftgelehrsamkeit galt. Esdras war noch Priester und…
Buch mit Kruzifix

Meschler, Moritz

Biographie
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Meschler Meschler, Moritz, SJ (seit 1850), aszetischer Schriftsteller, * 16.9.1830 zu Brig (Kanton Wallis, Schweiz), machte seine höheren Studien zu Paderborn, Bonn und Maria Laach, 1866 Prediger in Bonn, 1867-1871 Novizenmeister (zu Gorheim, Münster, Exaeten, Blyenbeck), 1881-1884 Provinzial der deutschen Jesuiten, 1892 -1906 Assistent des Ordensgenerals, zuletzt Schriftsteller zu…
Buch mit Kruzifix

Simon Magus

Heilige Schrift NT
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Simon Magus Der hl. Petrus im Konflikt mit Simon Magus Simon Magus der Magier, aus Gittä in Samaria, vom Diakon Philippus dort für das Christentum gewonnen (Apg. 8, 9-13). Er glaubte, die Gabe, durch Handauflegung des Hl. Geist zu erteilen, von den Aposteln Petrus und Johannes mit Geld erkaufen…
Buch mit Kruzifix

Rautenstrauch

Orden und Ordensleute
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Rautenstrauch Rautenstrauch, Franz Stephan, OSB, josephinischer Erneuerer des österreichischen theologischen Unterrichtes, * 29.7.1734 zu Blottendorf (Bez. Böhm.-Leipa), † 30.9.1785 zu Erlau (Ungarn). 1750 Benediktiner von Brevnov-Braunau, Professor der Philosophie und des Kirchenrechts in Prag, 1773 zum Abt gewählt, 1774 Dr. theol., wurde er infolge seines staatskirchlichen Prolegomena in jus…
Consent Management Platform von Real Cookie Banner