A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T Ü V W Z

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Appellanten

Appellanten, Anhänger des Jansenismus in der fünften Periode seiner Entwicklung. Nachdem die Umtriebe und die Opposition gegen die Bulle Unigenitus, sowie die fruchtlosen Unterhandlungen zwischen den Akzeptanten und den Opponenten sich durch einige Jahre fortgezogen hatten, appellierten am 1. März 1717 vier Bischöfe (von Mirepoix, Monpellier, Boulogne, Senez) von der päpstlichen Konstitution Unigenitus an ein allgemeines Konzil. Damit suchten sie ihre unleugbare Auflehnung gegen die Kirche in möglichst kanonische Formen zu kleiden; denn wenn auch die Appellation vom Papst an ein allgemeines Konzil seit Jahrhunderten schon als dem Wesen der Kirche widersprechend und als schismatisch verworfen war, so hatte dieselbe in Folge des Gallikanismus bei einem Teil der Franzosen doch noch eine gewisse Popularität. Bald bildete sich nun die Partei der Appellanten. – Die vier Bischöfe teilten am 5. März ihre Appellation der Sorbonne mit, und mit 97 von 110 Stimmen schloß sich dieselbe, drei Jahre nach der Annahme der Konstitution, der Appellation an. Ihr folgten die Universitäten Rheims und Nantes, und mehrere Bischöfe ermutigten die Appellanten durch ihren Beitritt. Die wichtigste Appellation war die des Kardinals Noailles, Erzbischofs von Paris; er appellierte am 3. April von der Bulle „an den besser beratenen Papst und das zukünftige allgemeine Konzil“. Seine Appellation wurde zwar nicht sofort publiziert, indes wurde es bald kund, daß er appelliert habe, und sein Beispiel zog viele Andere nach. Als die schismatische Opposition ihren Höhepunkt erreicht hatte, gehörten zur Fraktion der Appellanten fünfzehn Bischöfe, mehrere hundert Weltpriester, besonders in den Diözesen Paris und Rheims, und eine Menge Religiosen aus verschiedenen Orden, vorzüglich aus den Kongregationen der Oratorianer, Mauriner, Lazaristen, Dominikaner, Zisterzienser und Kamaldulenser. – Die Appellanten stützten sich in ihrer Verwerfung der Bulle Unigenitus: 1. auf den Mangel an Untersuchung von Schrift und Tradition seitens der Bischöfe, von denen die französischen die Sache nicht reiflich untersucht, die außerfranzösischen in ihrem Wahn von der päpstlichen Unfehlbarkeit blind zugestimmt hätten; 2. auf die Undeutlichkeit der Bulle, die darum auch nicht überall in gleichem Sinne angenommen sei; 3. auf den Abgang der moralischen Einstimmigkeit des Episkopats, da ja mehrere Bischöfe nicht zustimmten; 4. auf die Notwendigkeit eines allgemeinen Konzils, das allein den Bischöfen wahre Freiheit verbürge, oder doch der ausdrücklichen Akzeptation aller Bischöfe; 5. auf die gallikanischen Freiheiten, die in der römischen Prozedur verletzt worden seien.

aus: Wetzer und Welte`s Kirchenlexikon, Bd. 1, 1882, S. 1152-1153

Tags: Häretiker, Jansenismus
Buch mit Kruzifix
Noailles
Buch mit Kruzifix
Marcion

Weitere Lexikon-Einträge

Buch mit Kruzifix

Cyrene

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Cyrene Cyrene I. Geschichte. Cyrene war die wichtigste unter den 5 Hauptstädten der Cyrenaïka, einer ca. 631 von Thera aus gegründeten dorischen Kolonie im heutigen Tripolis. Die älteste Verfassung war das Königtum, seit dem…
Buch mit Kruzifix

Hexenprozess

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Hexenprozess Hexenprozess heißt eine seit dem 16. Jahrhundert ausgebildete besondere Form der strafrechtlichen Verfolgung solcher Personen, welche des crimen magiae beschuldigt wurden. 1. Entstehung Man unterschied im Mittelalter weiße und schwarze Magie; jene, auf…
Buch mit Kruzifix

Abendmahlsbulle

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Abendmahlsbulle Abendmahlsbulle, Sammlung von Exkommunikations-Sentenzen, ursprünglich aus wenigen Sätzen, im Laufe der Jahrhunderte erweitert und unter Pius V. zum kirchlichen Strafgesetz erhoben; zuletzt von den Päpsten nur noch am Gründonnerstag (daher Bulla in coena…
Buch mit Kruzifix

Eudisten

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Eudisten Eudes, Jean, hl. (1909 selig-, 1925 heiliggesprochen), einer der großen Erneuerer des religiösen Lebens Frankreichs im 17. Jahrhundert, „auctor, doctor et apostolus cultus liturgici Sacr. Cordis Jesu“ (Pius X.), * 14.11.1601 zu Ri…
Buch mit Kruzifix

Apostelkonzil

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Apostelkonzil Apostelkonzil, 1) zu Antiochia, scheint als Tatsache behauptet bei Innozenz I. in einem Brief an Bischof Alexander von Antiochia (Jaffé n. 310); wird ausdrücklich zitiert von Gregor v. Pisinunt (vgl. Akten des 2.…

Weitere Lexikon-Beiträge

Buch mit Kruzifix

Arius

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Arius Arius, * ca. 280, aus Libyen, Schüler alexandrinischer und antiochenischer Weisheit (Lucian von Samosata), schon als Laie in das meletianische Schisma (Meletius von Lykopolis) verwickelt, nach seiner Bekehrung von Bischof Petrus von Alexandrien zum Diakon geweiht, aber bald wieder wegen Verbindung mit den Schismatikern exkommuniziert. Wieder versöhnt mit…
Buch mit Kruzifix

Bogumilen

Irrlehrer und Irrlehren
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Bogumilen Bogumilen (= „Gottesfreunde“), neu-manichäische Sekte, in griechischen Quellen auch Phundagiagiten oder Phundagiaten (Name ungeklärt) genannt und mit den Messalianern, Euchiten und Batenern gleich gesetzt. Anderseits scheinen die Lehren der ober-italienischen Patarener, der süd-französischen Albigenser, der makedonischen Babunier mit der bogumilischen Irrlehre nicht nur zufällig stark überein zu stimmen,…
Buch mit Kruzifix

Arnauld

Irrlehrer und Irrlehren
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Arnauld Arnauld (Arnaud, arnaut, Arnault), Familie, die in der Geschichte der Mystik und des Jansenismus in Frankreich im 17. Jahrhundert eine führende Rolle spielte. Aus der Auvergne stammend, war sie mit Antoine Arnauld, Herrn von de la Mothe und Villneuve, dem späteren Großprokurator unter Katharina Medici, um 1547 nach…
Buch mit Kruzifix

Monophysitismus

Irrlehrer und Irrlehren
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Monophysitismus Monophysitismus, Irrlehre, die eine einzige Natur in Christus annimmt. Anlass war das Streben, die Einheit in Christus zu wahren gegenüber der Tendenz, das Menschliche in ihm hervor zu heben und damit eine teils nur gedankliche, teils auch sachliche Trennung des Göttlichen und Menschlichen herbei zu führen. Die „Einheitstendenz“…
Buch mit Kruzifix

Eudoxius

Irrlehrer und Irrlehren
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Eudoxius Eudoxius, einflußreicher arianischer Bischof, * ca. 300 zu Arabissus (Kappadokien), † 370 als Bischof von Konstantinopel. Wahrscheinlich in der antiochenischen Schule gebildet (lucianischer Einfluß), wurde Eudoxius nach 330 Bischof von Germanicia, nahm als Anhänger der eusebianischen Partei an den Synoden von Antiochien 341, Sardica 343, wohl auch Sirmium…
Buch mit Kruzifix

Kamisarden

Irrlehrer und Irrlehren
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Kamisarden Kamisarden, die reformierten Bewohner der Cevennen während der Aufstände 1702/05. Der Name wird abgeleitet von camise = Hemd (Blusenmänner) oder camis = Landstraße (Wegelagerer) oder camisade = Nächtlicher Überfall. Die Kamisarden veranstalteten nach Aufhebung des Edikts von Nates (1685) bei nacht religiöse Versammlungen und gingen 1702 unter schwärmerischen…
Consent Management Platform von Real Cookie Banner