A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T Ü V W Z

Apokatastasis

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Apokatastasis

Apokatastasis ist nach Etymologie und Sprachgebrauch der Väter und Theologen allgemein die Wiederherstellung oder Zurückversetzung einer Sache in einen früheren besseren oder vollkommeneren Zustand. Die Schrift hat den Ausdruck nur Apg. 3, 21, wo Petrus erklärt, der Himmel habe Christum aufgenommen, bis zu den Zeiten der Wiederherstellung aller Dinge. Was der Apostel darunter hier versteht, kann aus dieser (auch im Kontext sehr schwierigen) Stelle allein kaum mit voller Klarheit erkannt werden. Zieht man aber andere Schriftstellen, besonders Mt. 19, 28; Röm. 8, 19ff; 2. Petr. 3, 7ff, sowie die Tradition und Kirchenlehre heran, so ist die Apokatastasis aller Dinge die Vollendung der materiellen Welt am Ende der Zeiten, wobei diese einerseits in den durch die Sünde verlorenen früheren Zustand zurück versetzt, anderseits zugleich in einen relativ vollkommeneren, unverlierbaren Zustand erhoben wird. –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. I, 1930, Sp. 542

Diese Wiederherstellung kann aber nach katholischer Lehre nicht dahin zielen, in den geschaffenen Geistern die Sünde zu entfernen, weil dies dem Dogma von der Ewigkeit der Höllenstrafen widersprechen würde. Sie kann nur die Bedeutung haben, daß in der materiellen Welt, die leibliche Seite des Menschen mit eingeschlossen, die Folgen der ersten Sünde, beim Menschen selbst also die Korruption seiner sinnlichen Natur, wie sie sich in der Begierlichkeit und der Sterblichkeit und der daraus folgenden effektiven Auflösung derselben offenbart, beseitigt werden sollen. In der Tat haben die Väter zu allen Zeiten die Apokatastasis des Alls in diesem Sinne verstanden. –
Quelle: Wetzer und Welte`s Kirchenlexikon, Bd. 1, 1882, Sp. 1085

Die Lehre des Origenes

Von dieser Apokatastasis unterscheidet sich wesentlich die Apokatastasislehre des Origenes und seiner Anhänger (Origenisten). Unter dem Einfluss des Neuplatonismus lehrte Origenes die Präexistenz der Menschenseelen, ihre Verbannung in den Leib, die Möglichkeit einer Läuterung auch der Bösen und Dämonen im Jenseits bis zur völligen Apokatastasis. Gregor von Nyssa, Didymus, zurückhaltender auch Gregor von Nazianz, die Theologen der antiochenischen Schule u.a. schlossen sich mehr oder weniger dem Origenes an. Damit war die kirchliche Lehre von der abschließenden Bedeutung des Todes und der Ewigkeit der Hölle geleugnet. Die origenistische Apokatastasislehre wurde daher mehrfach verurteilt, vor allem auf dem 5. allgemeinen Konzil zu Konstantinopel 553. Durch Augustinus aufs schärfste bekämpft, hat sie im Abendland kaum Vertreter gefunden. Erst auf dem Boden der Glaubensneuerung (Wiedertäufer) und auch bei neueren protestantischen Theologen, besonders Schleiermacher, lebte sie wieder auf. Eine gewisse Verwandtschaft damit finden einige Kritiker in der Lehre H. Schells. –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. I, 1930, Sp. 542 – Sp. 543

Bis auf die jüngste Zeit hat man freilich angenommen, Origenes habe derselben eine wesentlich andere Bedeutung gegeben, indem er gelehrt habe, die Apokatastasis bestehe hinsichtlich der materiellen Welt, welche nicht zum ursprünglichen Schöpfungsplan gehört habe, in der Vernichtung ihrer Substanz, dagegen bezüglich der geschaffenen Geister in der Beseitigung der Sünde und damit in einer endlichen allgemeinen Aussöhnung der Sünder mit Gott. Indes hat Vinzenci im ersten Band seiner Apologie des Origenes (In sancti Gregorii Nysseni et Origenis scripta et doctrinam nova recensio, 4 voll. Romae, Morini 1864 – 1865) überzeugend nachgewiesen, daß Origenes ebenso wenig, wie der hl. Gregor von Nyssa, welcher sich genau derselben Ausdrücke bedient, jene Irrlehren vorgetragen, sondern nur die katholische Lehre von der Apokatastasis in einer zuweilen allerdings etwas phantastisch ausgeschmückten, im Ganzen aber sehr treffenden und geistreichen Form dargestellt haben… Zuweilen indes geben jene beiden Lehrer im Hinblick auf 1. Kor. 15, 24-27, wo der Apostel sagt, daß zuletzt, nach Unterwerfung des Todes als des letzten Feindes, Alles Gott unterworfen werde, der Apokatastasis die weitere Bedeutung, daß dadurch auch in der geistigen Welt die ursprünglich vor der Sünde bestandene friedenvolle Ordnung wieder hergestellt werde. Sie gehen dabei von dem an sich sehr schönen und wahren Gedanken aus, daß mit der dereinstigen vollkommenen Entfaltung der Herrschaft Gottes über seine Kreatur die Sünde, …. so auch in der bösen Gesinnung als stolze und aufrührerische Macht alle Kraft verlieren wird; ihre Zerstörungsmacht wie ihr Übermut wird vollständig gebrochen; unter der Hand Gottes gebeugt, vermag sie nicht den Frieden, durch die ihr zu Teil gewordene Vergeltung geordnet (wie Augustinus sich ausdrückt), vermag sie nicht mehr die Harmonie der Welt stören. In diesem Sinn ist dann die Welt nach dem Gericht ebenso friedlich und harmonisch geordnet, wie in ihrem ersten Anfang, und Gott herrscht jetzt in seinem Reich als Alles in Allem, wie in dem Augenblick, wo es noch nichts Böses in der Welt gab. (Vgl. über die Lehre des Nysseners und des Origenes die ausführlichen Rezensionen des Vincenzi`schen Werkes von Hergenröther (Bonner Literaturblatt 1866, Sp. 446ff) und Scheeben, Kath. 1866, II, 299ff. Über die Apokatastasis überhaupt s. Die treffliche Monographie von J. B. Kraus, Die Apokatastasis der unfreien Kreatur auf katholischem Standpunkt, Regensburg 1850.) –
Quelle: Wetzer und Welte`s Kirchenlexikon, Bd. 1, 1882, Sp. 1085 – Sp. 1086

Buch mit Kruzifix
Schopenhauer
Buch mit Kruzifix
Pessimismus

Weitere Lexikon-Einträge

Buch mit Kruzifix

Circumcellionen

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Circumcellionen Circumcellionen, 1) schwarmgeistige Rotten von Bauern im westlichen Afrika, namentlich Numidien, seit ca. 321 (bes. 340 – 50), wegen ihres Umherschweifens um die Hütten (circum cellas) von den Katholiken so bezeichnet (Augustinus, Contra…
Buch mit Kruzifix

Regalienrecht

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Regalienrecht Regalienrecht bezeichnet dem Wortlaut nach das Recht auf die Regalien, d. h. auf gewisse, dem König (bzw. Staatsoberhaupt) zustehende oder vorbehaltene Rechte. Der Begriff der Regalien ist indes auch bei den modernen Staatsrechts-Lehrern…
Buch mit Kruzifix

Naturalismus

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Naturalismus Naturalismus bedeutet etwas Verschiedenes, je nach dem Begriff von Natur, den man zu Grunde legt. 1) Natur im Unterschied von Übernatur. Der Naturalismus in diesem Sinne leugnet jede Beziehung des Menschen zu einer…
Buch mit Kruzifix

Joachim von Floris

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Joachim von Floris Joachim von Fiore (Flore, Floris), auch J. v. Celico (sel.), Mystiker und Apokalyptiker, * um 1132 (?) zu Celico in Kalabrien, † 20.3.1202 zu Fiore. 1177 Abt des Zisterzienser-Klosters Corazzo, als…
Buch mit Kruzifix

Holbach

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Holbach Holbach, Paul Hch. Dietrich Baron v., Freigeist, Freund Diderots, * 1723 zu Heidelsheim (Pfalz), † 21.1. 1789 zu Paris. Sein philosophisches Programm war Entgeistung der Natur, Kampf gegen Christentum und Religion als den…

Weitere Lexikon-Beiträge

Buch mit Kruzifix

Laizismus

Irrlehrer und Irrlehren
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Laizismus Laizismus. Das Wort ist aus dem französischen Sprachgebrauch zu erklären. Die weltliche Schule wird in Frankreich seit dem Schulgesetz vom 10.10.1886 als Ecole laïque bezeichnet; die Weltanschauung, die nicht nur hinter diesem Gesetz steht, sondern das gesamte staatliche Leben der Dritten Republik beherrscht, wird als laïcism, laïcité (foi…
Buch mit Kruzifix

Quesnel

Irrlehrer und Irrlehren
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Quesnel Quesnel, Paschasius, Jansenist, * 14.7.1634 als Sohn eines Pariser Buchhändlers schottischer Herkunft, † 2.12.1719 zu Amsterdam; studierte bei den Jesuiten und an der Sorbonne, trat 1657 ins Oratorium ein, das er 1685 wieder verließ. Das 1650 von Nic. Jourdain für die Oratorianer gedruckte Betrachtungsbuch Verbi incarnati verba bearbeitete…
Buch mit Kruzifix

Paschasius Radbertus

Orden und Ordensleute
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Paschasius Radbertus Paschasius Radbertus, der hl., OSB, einer der gelehrtesten Theologen seiner Zeit, war um 786 zu Soissons geboren und trat unter dem heiligen Abt Adalhard ind as Kloster zu Corbie in der Picardie. Er war hier Anfangs namentlich als Lehrer tätig, und der jüngere Adalhard, der hl. Ansgar,…
Buch mit Kruzifix

Petrus Martyr von Verona

Orden und Ordensleute
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Petrus Martyr von Verona Petrus Martyr, hl., OP, nach seinem Geburtsort Verona auch Veronensis genannt, * ca. 1205. Obwohl Sohn häretischer Eltern und in solcher Umgebung aufwachsend, war er schon als Knabe treu katholisch und mutig im Bekenntnis, trat 1221 zu Bologna in den Orden als Schüler des hl.…
Buch mit Kruzifix

Strauß

Freigeist
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Strauß Strauß, David Friedrich, freigeistiger protestantischer Theologe, * 27.1.1888 zu Ludwigsburg (Württ.), † 8.2.1874 ebd. Im Seminar zu Blaubeuren war F. Chr. Baur sein Lehrer. Winter 1831/32 kam er zu Berlin in persönliche Beziehung mit Hegel und Schleiermacher. Nach kurzer Tätigkeit als Vikar wurde Strauß 1832 Repetent am Tübinger…
Buch mit Kruzifix

Arnauld

Irrlehrer und Irrlehren
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Arnauld Arnauld (Arnaud, arnaut, Arnault), Familie, die in der Geschichte der Mystik und des Jansenismus in Frankreich im 17. Jahrhundert eine führende Rolle spielte. Aus der Auvergne stammend, war sie mit Antoine Arnauld, Herrn von de la Mothe und Villneuve, dem späteren Großprokurator unter Katharina Medici, um 1547 nach…
Consent Management Platform von Real Cookie Banner