A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T Ü V W Z

Simonie

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Simonie

Simonie (simonia), der nach Simon Magus benannte Handel mit geistlichen Sachen.

I. Begriff. Zunächst verstand man unter den geistlichen Sachen die Sakramente und Sakramentalien, dann auch die kirchlichen Ämter, in der Karolingerzeit weiterhin deren Besetzung und selbst die Aufnahme in ein Kloster und die Profeß. Seit Mitte des 11. Jahrhunderts betrachtete man sodann als Simonie selbst die bisher übliche Reichung von Geschenken bei der Pfründen-Verleihung; im Investiturstreit galt als solche besonders die Laien-Investitur in kirchlichen Ämter und Pfründen, auch wenn kein Handel hierbei vorlag, und man verlangte z.T. Reordination der von Simonisten Geweihten. Danach aber ist der Simonie-Begriff allmählich wieder eingeschränkt worden (vgl. bes. c.21 C. 1 q. 1; X,5,3). – Heute unterscheidet man vor allem simonia iuris divini und simonia iuris ecclesiastici (can. 727). Jene ist der (den Mitteln nach) wohl überlegte Wille, für zeitlichen Preis eine an sich geistliche Sache (z.B. Jurisdiktion) oder eine damit notwendig zusammenhängende zeitliche Sache (z.B. Benefizium) oder die geistliche Seite einer damit (notwendig oder zufällig) verbundenen zeitlichen Sache (z.B. Präsentationsrecht; Weihe eines Kelches) zu kaufen oder verkaufen. Die Simonia iuris eccl. bezeichnet den Tausch von zeitlichen Sachen, die mit Geistlichem verbunden sind, gegen eben solche, oder einer geistliche Sache gegen eine geistliche, oder einer zeitlichen gegen eine zeitliche, sofern hier wegen Gefahr der Verunehrung einer geistlichen Sache ein kirchliches verbot bestünde. Eine simonistische Handlung liegt gesetzlich auch dann vor, wenn ein Geistlicher bei Übertragung eines Benefiziums aus dessen Erträgnissen Abzüge, Vergütungen oder Leistungen zugesteht, die dem Verleiher, Patron oder sonst wem zukommen sollen (can. 1441). Die von jemand für sich allein beabsichtigte, wenn auch zu Tage tretende Simonie (simonia interna oder mentalis) spielt bloß für den Gewissensbereich eine Rolle, für den Rechtsbereich dann, wenn eine ausdrücklich oder stillschweigend vertragsmäßige Bindung doppelseitiger Art hinzu käme (sim. conventionalis), und zwar ohne oder mit gegenseitiger oder auch mit nur einseitiger Übergabe der Sache bzw. des Preises (sim. Pura – realis – mixta); im Pfründewesen spricht man im besondern von simonia confidentialis, insofern hinsichtlich eines Benefiziums simonistisch Verzicht (sim. per accessum), Verzicht mit Wiederzufallsrecht (sim. Per regressum), Verzicht vor Amtsantritt mit Wiederzufallsrecht (sim. per ingressum) oder dauernder Verzicht auf einen Teil der Einkünfte (per pensionem) ausbedungen wurde. Der Preis kann in Geld oder Geldeswert (munus a manu), in Empfehlung (m. A lingua) oder in Diensten (m. ab obsequio) bestehen.

II. Wegen der in dem simonistischen Handel liegenden schmutzigen Gesinnung und Herabwürdigung des Heiligen wurde die Simonie stets als sehr schweres Delikt, zeitweise sogar als Häresie, sodann als Gottesraub gebrandmarkt und mit strengsten Strafen geahndet. Der CIC setzt für konfidentiale Simonie (göttlichen oder kirchlichen Rechts) fest: dem Hl. Stuhl einfach reservierte Exkommunikation und dauernden Verlust des etwaigen Wahl-, Präsentations- oder Nominationsrechts, die beide von selbst eintreten, für Geistliche (auch Bischöfe) zudem Suspension (can. 2392). Im Falle bewußter Simonie bei Spendung oder Empfang der Sakramente (nicht Sakramentalien), besonders der Weihe, besteht gegenüber dem Spender (auch Bischöfen) und Empfänger Häresieverdacht; Geistliche (auch Bischöfe) sind außerdem von selbst suspendiert (can. 2371) Ungültig ist jedoch nach heutiger Anschauung die simonistisch gespendete Weihe nicht, wenn auch unerlaubt. Sodann sind simonistische Verträge und hierauf fußende Rechtshandlungen ungültig; insbesondere entbehrt eine simonistische Übertragung von Ämtern, Benefizien oder Würden jeder Rechtskraft, auch wenn die Simonie von Dritten begangen wurde oder ohne Wissen des Beliehenen, es sei denn, daß man ihn betrügen wollte oder er widersprach (can. 729). So sind also simonistischer Ämterkauf, Pfründetausch (vgl. can 1488 §1), Resignation can. 185) ungültig, ebenso simonistische Wahl (außer Papstwahl; Konstitution Vacante Sede v. 1904 n.79), Postulation, Nomination und Präsentation und die danach folgenden Akte des Oberen; simonistische Verleihung eines niederen Benefiziums macht dieses zum reservierten (can. 1435 §1 n.3) … Endlich besteht Restitutionspflicht auch ohne Richterspruch, wofern die Sache überhaupt und ohne Verletzung der ihr gebührenden Ehrfurcht zurück gegeben werden kann; das simonistisch erworbene Amt usw. ist niederzulegen (can. 729 n.1). … Bei Kauf oder Verkauf heiliger Sachen darf deren etwaige Weihe nicht in Anschlag gebracht werden (can. 730; 1539 §1); ihre Weihe verlieren sie dabei nicht.

Simonie liegt nicht vor bei Reichung von Messstipendien, Stolgebühren, Taxe, Oblationen, da hier die zeitliche Sache nicht für die geistliche gegeben wird, sondern nur aus Anlass dieser auf Grund eines gerechten, vom kanonischen Recht oder durch rechtmäßige Gewohnheit anerkannten Titels. –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. IX, 1937, Sp. 582 – Sp. 583

Buch mit Kruzifix
Investiturstreit
Buch mit Kruzifix
Abaelard

Weitere Lexikon-Einträge

Buch mit Kruzifix

Marcian

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Marcian Marcian, oströmischer Kaiser 450-457, * 396 in Thrazien, von niederer Herkunft, widmete sich dem Militärdienst, stand zuletzt als Tribun bei dem später einflußreichen Magister militum Aspar, wurde nach dem Tod des Kaisers Theodosius…
Buch mit Kruzifix

Proterius

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Proterius Proterius, hl., rechtgläubiger Patriarch von Alexandria, früher Archipresbyter, wurde nach der Absetzung des Dioskur 451 von den „nobiles civitatis“ unter starkem Widerstand des Volkes zu dessen Nachfolger gewählt; hatte auch später stets eine…
Buch mit Kruzifix

Sozinianismus

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Sozinianismus I. Der Begründer des Sekte des Sozinianismus ist Faustus Sozinus (Fausto Sozzini), * 1539 zu Siena, † 3.3.1604 zu Luclawice bei Krakau (hier Denkmal). Er studierte die Rechte, wandte sich aber bald unter…
Buch mit Kruzifix

Galiläa

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Galiläa Galiläa. I. Landschaft in Palästina, das Bergland westlich des Jordan von der Bene Esdrelon und dem Tal des Nahr Dschalûd im Süden bis zur Senke Merdsch Ajjûn am Knie Nahr-el-Kāsimîje im Norden; wasserreicher…
Buch mit Kruzifix

Hermes

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Hermes Hermes, Georg, Philosoph und Theologe, *22.4.1775 zu Dreierwalde (Westfalen), †26.5.1831 zu Bonn. I. Leben. Hermes studierte in Münster 1792-97, wo ihn der von Kant abhängige Exjesuit Fr. Überwasser und die Werke Stattlers beeinflussten.…

Weitere Lexikon-Beiträge

Buch mit Kruzifix

Eudoxius

Irrlehrer und Irrlehren
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Eudoxius Eudoxius, einflußreicher arianischer Bischof, * ca. 300 zu Arabissus (Kappadokien), † 370 als Bischof von Konstantinopel. Wahrscheinlich in der antiochenischen Schule gebildet (lucianischer Einfluß), wurde Eudoxius nach 330 Bischof von Germanicia, nahm als Anhänger der eusebianischen Partei an den Synoden von Antiochien 341, Sardica 343, wohl auch Sirmium…
Buch mit Kruzifix

Deharbe, Joseph

Biographie
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Deharbe Deharbe, Joseph, SJ (seit 1817), * 1.4.1800 zu Straßburg i. E., † 8.11.1871 zu Maria Laach. 1830-1836 und 1839 Professor der Rhetorik zu Brig, 1840-1841 Volksmissionar in der Schweiz und in Bayern, 1842-1845 Hilfs-Seelsorger in Cöthen (Anhalt), 1845 Rhetorik-Professor zu Freiburg im Schwarzwald, 1846 Regens und Pastoralprofessor am…
Buch mit Kruzifix

Die makkabäischen Brüder

Heilige Schrift AT
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Die Makkabäischen Brüder Die Makkabäischen Brüder, Bezeichnung der 7 Söhne der „Makkabäermutter“, so genannt, weil sie alle in der Verfolgung starben, die den Anlass zum Aufstand der Makkabäer gab. – Diese Hebr. 11, 35 gepriesenen Vorkämpfer des Monotheismus wurden von den Frühchristen sehr geschätzt und schon von Cyprian (Ad…
Buch mit Kruzifix

Judäa

Heilige Schrift AT
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Judäa Judäa (so 2. Makk. ausschließlich, in 1. Makk. daneben häufiger das hebräisierende), in gräzisierte Form aus aramäisch = Jude, bezeichnet zunächst den nachexilischen Wohnsitz der Juden. Politisch genommen, bedeutet es im Zusammenhang mit den Eroberungen der Makkabäer das Hasmonäer-Reich, später das Reich des Herodes d. Gr., weiterhin und…
Buch mit Kruzifix

Moloch

Heilige Schrift AT
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Moloch Moloch (= Schande) statt Melek (=König) in hebräischer, oder Malk, Milk in phönizischer Aussprache), semitische Gottheit, die dem kanaanitischen Baal, dem ammonitischen Milkom und dem moabitischen Chamos entspricht. Ihr wurden Menschenopfer (besonders Kinder) datgebracht. Obgleich solche Opfer den Israeliten unter Todesstrafe verboten waren (Lv. 18, 21; 20, 2-5),…
Buch mit Kruzifix

Feste der Juden im Altertum

Heilige Schrift AT
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Feste bei den Juden: I. Feste der Juden im Altertum Außer dem Sabbat, dem Festabschluss einer jeden Woche, und den Neumonden, den Festen zu Beginn eines jeden Monats, ordnete das mosaische Gesetz zunächst noch drei jährliche Hauptfeste an, während welcher alle männlichen Israeliten beim Heiligtum zu erscheinen hatten: das…
Consent Management Platform von Real Cookie Banner