A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T Ü V W Z

Montaigne

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Montaigne

Montaigne, Michel Eyquem Seigneur de, französischer Essayist, „Katholik der Religion nach, Heide in seiner Moral und Skeptiker in seiner Philosophie“ (Plattard), * 28.2.1533 auf Schloß Montaigne bei Bergerac, † ebd. 13.9.1592; Parlamentsrat in Périgueux, später nach weiten Reisen Bürgermeister in Bordeaux, seit 1585 Privatmann. Montaigne übersetzte auf des Vaters Veranlassung die Theol. naturalis des Raimund von Sabunde (Paris 1569). Er ist nicht unbeeinflußt von der aus portugiesisch-jüdischer Familie stammenden hugenottischen Mutter. Formell vorbildlich und sachlich ungeheuer wirksam wurde Montaigne durch seine glänzend geschriebenen Essais (2 Bde, Bordeuax 1580, Buch 3 und Zusätze ebd. 1588; …); sie kamen 1676 auf den Index. In ihnen zeigt er sich skeptisch gegen alles weltliche Wissen; nur die so erzielte Entlastung der Seele von Autoritäten und Traditionen erzeuge jene Unabhängigkeit, die zur stoischen Unerschütterlichkeit des Gemütes notwendig sei. Trotzdem stellt er die (dogmatische) Theorie auf, daß wir den unausweichlichen Gesetzen der Natur, der Gesellschaft, unseres Landes unterstellt und somit praktisch auch der Lebensform der Religion unterworfen sind. Die Wahrheit der übernatürlichen Offenbarung erkennt er (wohl ehrlich) an, und er glaubt ihr, obwohl er sie sonst, auch in Moralfragen, ausgeschaltet, einen Dienst zu erweisen, insofern ihre Notwendigkeit und Berechtigung sich eben infolge der Skepsis gegenüber dem natürlichen Wissen am besten aufdränge. Folgerichtig weist er Neuerungen auf religiösem und politischem Gebiet ab; er tadelt Luther, daß er die Gesetzlosigkeit unterstütze und die Gehorsamspflicht gegen die katholische Kirche beseitige. Montaigne leugnet, daß sich der Charakter durch Reue ändere. Sein widerspruchsvoller, vielfach leichtgläubiger Skeptizismus ist nicht der des Pyrrhon, sondern das Nicht wissen des Sokrates. In Ethik und Naturlehre ist er von Seneca, in der Lehre, daß viele Tiere den Menschen innerlich übertreffen, von Plutarch bestimmt. –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. VII, 1935, Sp. 291 – SP. 292

Buch mit Kruzifix
Charron
Buch mit Kruzifix
Mazarin

Weitere Lexikon-Einträge

Buch mit Kruzifix

Samaria

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Samaria Samaria: I. die von Amri auf dem einem gewissen Somer abgekauften Berg neu gegründete (vorher nur spärliche Siedlung in der Bronzezeit!) Hauptstadt des Königreichs Israel (1. Kg. 16, 4). Von Natur und Menschenhand…
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Prosper von Aquitanien Prosper, Tiro, von Aquitanien, der hl., der hoch verdiente Verteidiger der Gnadenlehre des hl. Augustinus, stammte aus der Landschaft des südlichen Galliens, welche ihm seinen Beinamen gegeben hat, ohne daß es…
Buch mit Kruzifix

Bollandisten

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Bollandisten Bollandisten, Bollandus, Jean, SJ (seit 1612), Hagiograph, * 13.8.1596 zu Julémont (bei Lüttich), † 12.6.1665 zu Antwerpen; überall gefeiert, in regem Verkehr mit fast allen Gelehrten seiner Zeit, von scharfem Verstand und erstaunlichem…
Buch mit Kruzifix

Parusie

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Parusie Parusie (Anwesenheit, Ankunft), ein Ausdruck, der in der frühesten evangelischen Überlieferung nur in (griech.) Mt. 24, 3, 27, 37, 39 vorkommt, sonst dafür „Tag(e) des Menschensohnes“ (Lk. 17, 24), „jener Tag“ (Lk. 17,…
Buch mit Kruzifix

Apostel

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Apostel 1) Der Name Apostel geht auf Jesus zurück (Lk. 6,13), wird häufig von Lk. (Evangelium und Apostelgeschichte), selten noch von Mt. (nur 10,2) und Mk. (6,30) gebraucht, die meist „die 12 Jünger“ oder…

Weitere Lexikon-Beiträge

Buch mit Kruzifix

Karl der Große bis Karl V. römisch-deutsche Kaiser

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Römisch-deutsche Kaiser mit Namen Karl Karl der Große (768-814) * Karl II. der Kahle (875-877) * Karl III. der Dicke (881-888) * Karl IV. (1316 bis 1378) * Karl V. (1500 bis 1558) Karl der Große, Sohn des Pippin d. J. und der Bertrada, Zeit und Ort der Geburt…
Buch mit Kruzifix

Meschler, Moritz

Biographie
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Meschler Meschler, Moritz, SJ (seit 1850), aszetischer Schriftsteller, * 16.9.1830 zu Brig (Kanton Wallis, Schweiz), machte seine höheren Studien zu Paderborn, Bonn und Maria Laach, 1866 Prediger in Bonn, 1867-1871 Novizenmeister (zu Gorheim, Münster, Exaeten, Blyenbeck), 1881-1884 Provinzial der deutschen Jesuiten, 1892 -1906 Assistent des Ordensgenerals, zuletzt Schriftsteller zu…
Buch mit Kruzifix

Kain

Heilige Schrift AT
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Kain Kain (vielleicht = Schmied oder Gebilde, Genesis 1 zusammen gestellt mit qānāh =  hervorbringen), erstgeborener Sohn Adams, bebaut das Feld, wird aus Neid, da Jahve Abels Opfer bevorzugt, zum Brudermörder. Gegen alle Gnadeneinsprüche trotzig und verstockt, dann verzweifelt, trifft ihn Gottes Fluch, so daß er als Nomade umher…
Buch mit Kruzifix

Philister

Heilige Schrift AT
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Philister Philister (…), eine im Alten Testament oft genannte Völkerschaft, welche den Israeliten Jahrhunderte lang den Besitz des Westjordanlandes und die nationale Selbständigkeit streitig machte. Der Etymologie nach waren die Philister die Bewohner des nur bei den Dichtern des Alten Testamentes genannten Landes Pelescheth, des späteren Palästina, d. h.…
Buch mit Kruzifix

Monismus

Freigeist
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Monismus Monismus. I. Begriff. Der Name Monismus stammt von Christian von Wolff, ist durch die Schule Hegels in allgemeinen Gebrauch gekommen (Goeschel, 1832) und von Haeckel übernommen worden. Monismus bezeichnet die Weltanschauung, die als Grund des Wirklichen nur ein Prinzip annimmt, das den Charakter der Absolutheit an sich trägt…
Buch mit Kruzifix

Rabbi

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Rabbi Rabbi, Rab (= viel, groß), im Alten Testament „Oberster“, in der Mischna „Herr“, mit der Zeit „Meister“, Lehrer“ (analog Magister), in diesem Sinne spezieller Titel für die babylonischen Amoräer (Plural: rabbanan = „unsere Lehrer“). Ohne Namensbeifügung ist damit im Talmud stets das Schulhaupt von Sora Abba Areka gemeint.…
Consent Management Platform von Real Cookie Banner