A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T Ü V W Z

Hostie

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Hostie

Hostie, ehedem Bezeichnung (hostia = Opfer) für die ganze Oblation, Brot und Wein (Amalar., De eccl. Off. Praef. Alt.), während das Opferbrot, wie noch in den älteren römischen Ordines, oblatio oder oblata genannt wurde. Seit dem 9./11. Jahrhundert aber ist die Hostie der gebräuchliche Name für das Opferbrot bei der hl. Messe. Als Materie der Hostie dient reines Weizenmehl (CIC can. 815), und zwar bei den Lateinern, Armeniern und Maroniten ungesäuertes, bei den übrigen Riten gesäuertes Brot. Bis ins frühe Mittelalter (Gregor d. Gr., Dial. IV 55; Konzil v. Toledo 693) fand auch im Abendland bei der Opferfeier gesäuertes Brot Verwendung; der Gebrauch des ungesäuerten ist seit dem 8./9. Jahrhundert belegt (Alkuin, Ep. 69; Hrabanus Maurus, De inst. Cler. I 31). Darob kam es im 11. Jahrh. Zwischen dem Morgen- und Abendland zum Azymenstreit. – Die Hostie darf nicht alt sein (can. 1272). Wie lange sie als frisch (recens) gelten kann, ist im CIC nicht näher bestimmt; dagegen erklärte die Sakramenten-Kongregation 7.12.1918 es für unzulässig, 2-3 Monate alte Hostien zu verwenden. In manchen Diözesen ist monatliche Erneuerung vorgeschrieben, berechnet von der Bereitung, nicht von der Konsekration der Hostien an. – Die älteste Form war die eines runden Kuchens (Epiphanius, Ancor. c. 57) wie noch jetzt in den orientalischen Kirchen. Rom kannte auch die Reif- oder Kranzform (LP I 139; Gregor d. Gr., Dial. IV 55), die verschwand, als sich der Gebrauch des ungesäuerten Brotes durchsetzte. – Die Hostien waren, solange sie für die Kommunion des Volkes gebrochen werden mussten, größer als die jetzigen. Mit der Zunahme der Privatmessen, bei welchen nur der Priester kommunizierte, kamen kleinere Hostien in Gebrauch. Honorius Augustodunensis (Gemma animae I 35 66) vergleicht bereits die Hostie mit einer Münze. – Eine Verzierung der Hostie mit dem Bild des Gekreuzigten, mit Inschrift bereits von Honorius Augustodun. Bezeugt, ist nicht vorgeschrieben; doch soll die Gewohnheit des Ortes beobachtet werden (Ritenkongreg. v. 26.4.1834). Dieses Bild ging hervor aus einem eingedruckten Kreuzzeichen, das in der antiken Brotkerbe seinen Vorläufer hat. – Die Herstellung der Hostien geschah im Mittelalter vielfach durch Priester und Diakone, mit größter Sorgfalt bei den Cluniazensern (Albers, Consuet. Monast. IV 138), in manchen französ. Diözesen noch bis zur großen Revolution durch die Pfarrer, oder die Priester waren zu strenger Kontrolle der Hostienbäcker verpflichtet (Hartzheim VIII 990; IX 553)
Als Heiligenattribut, das an ein Hostienwunder erinnern oder die besondere Verehrung des heiligsten Sakramentes andeuten will, kommt die Hostie, meist mit Kelch, vor bei Barbara, Hyazinth, Juliana, Konrad, Bonaventura, Thomas v. Aquin, Klara, Norbert, Burchard v. Halberstadt, Paschalis Baylon.

aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. V, 1933, S. 156-157

In neuerer Zeit sind vielfach die Klosterfrauen damit betraut worden, von denen man nicht bloß die Befolgung der liturgischen Vorschriften, sondern auch die schuldige Ehrfurcht und Sorgfalt bei Herstellung eines so wichtigen Gegenstandes erwarten darf. Im Mittelalter bestanden in den Orden ausgedehnte Anweisungen und strenge Vorschriften bezüglich der Reinlichkeit und der Pietät, mit welchen das Backen der Hostien vorgenommen werden musste. (Martène, De antiq. Monach. Ritt. 2, 8; Höfler, Die deutschen Päpste I, 26); vom hl. Wenzeslaus ist bekannt, daß er dieses Geschäft selbst besorgte, um jedem Mangel an Ehrfurcht bei Anderen vorzubeugen (Brev. 28. Sept. lect. 4). Es darf nur reines, unverdorbenes Weizenmehl nebst natürlichem frischem Wasser genommen werden…
Da die Gegenwart Jesu im allerheiligsten Sakrament von dem Vorhandensein der Gestalten abhängt, so muss Sorgfalt getragen werden, daß die konsekrierten Hostien nicht so lange aufbewahrt werden, bis die Gestalt des Brotes sich geändert hat. Als Vorbedingung hierfür gilt, daß die Hostien bei der Konsekration noch frisch sind, so daß eine Änderung der Materie für die nächste Zeit nicht zu erwarten steht. Das Alter von einem Monat gilt als das höchste, welches die zu konsekrierenden Hostien haben dürfen (Marc, Instit. Mor. Alph. II, 1520). Ferner müssen die konsekrierten Hostien frühzeitig genug erneuert werden… Allgemein gilt die Zeit von 14 Tagen als die längste, während deren ohne Not die heiligen Hostien aufzubewahren sind.

Quelle: Wetzer und Welte`s Kirchenlexikon, Bd. 6, 1889, S. 307-310

Buch mit Kruzifix
Dereser
Buch mit Kruzifix
Leander van Eß

Weitere Lexikon-Einträge

Buch mit Kruzifix

Weiß, Albert Maria

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Weiß, Albert Maria Weiß, Albert Maria (Taufname Adalbert), OP, Apologet von umfassendem Wissen und flammendem Wort, * 22.4.1844 zu Indersdorf (O.-Bayern), studierte in München und Freising, 1867 Priester, 1870 Dr. theol. in München, dann…
Buch mit Kruzifix

Barnabasbrief

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Barnabasbrief Barnabasbrief, vollständig überliefert in dem 1859 von Tischendorf entdeckten Codex Sinaiticus (jetzt in Petersburg) aus dem 4. oder 5. Jahrhundert und in dem von Ph. Bryennios 1875 aufgefundenen Codex Hierosolymitanus (jetzt in Jerusalem)…
Buch mit Kruzifix

Judäa

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Judäa Judäa (so 2. Makk. ausschließlich, in 1. Makk. daneben häufiger das hebräisierende), in gräzisierte Form aus aramäisch = Jude, bezeichnet zunächst den nachexilischen Wohnsitz der Juden. Politisch genommen, bedeutet es im Zusammenhang mit…
Buch mit Kruzifix

Migne

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Migne Migne, Jacob Paul, Publizist und verdienter Verleger, wurde am 25. Oktober 1800 zu St. Flour in der Auvergne geboren, machte seine Studien zu Orleans, versah eine Zeitlang eine Lehrstelle am Kolleg von Chateaudun…
Buch mit Kruzifix

Jansenismus

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Jansenismus Jansenismus, von Kornelius Jansenius dem Jüngeren und seinem Freund Du Vergier begründete religiöse Reformbewegung, die sich im Frankreich des 17. und 18. Jahrhunderts zu heftigem Widerspruch gegen Lehramt und Tradition der Kirche entwickelte.…

Weitere Lexikon-Beiträge

Buch mit Kruzifix

Pfingstfest

Heilige Schrift AT
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Pfingstfest bei den Juden Bei den Juden das 2. der 3 großen Wallfahrtsfeste, am 50. Tag oder 7 Wochen nach dem Passah-Fest (Lv. 23, 15f.; Dt. 16, 9), daher auch „Fest der Wochen“ genannt (Ex. 34, 22; Dt. 16, 10; 2. Chr. 8, 13; 2. Makk. 12, 31). An…
Buch mit Kruzifix

Hergenröther

Biographie
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Hergenröther Hergenröther, Joseph, Kirchenhistoriker * 15.9.1824 zu Würzburg, † 3.10.1890 in Mehrerau (hier bestattet); studierte 1842-44 in Würzburg, 1844 bis 1848 am Germanikum in Rom, promovierte 1850 in München auf Grund der Schrift „Die Lehre von der göttlichen Dreieinigkeit nach dem hl. Gregor von Nazianz“ (Regensburg 1850) zum Dr.…
Buch mit Kruzifix

Gamaliel

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Gamaliel Gamaliel (Gamali`el): 1) Familienhaupt im Stamme Manasse (Nm. 1,10; 2,20; 7,54 u. 59; 10,23). 2) Gamaliel I, der Ältere, gefeierter Gesetzeslehrer, zu dessen Füßen auch der hl. Paulus saß (Apg. 22,3; vgl. 5,34ff); im Gegensatz zu Rabbi Schammai nicht Rigorist. Auf seinen vermittelnden Einfluß hin, wobei er das…
Buch mit Kruzifix

Die makkabäischen Brüder

Heilige Schrift AT
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Die Makkabäischen Brüder Die Makkabäischen Brüder, Bezeichnung der 7 Söhne der „Makkabäermutter“, so genannt, weil sie alle in der Verfolgung starben, die den Anlass zum Aufstand der Makkabäer gab. – Diese Hebr. 11, 35 gepriesenen Vorkämpfer des Monotheismus wurden von den Frühchristen sehr geschätzt und schon von Cyprian (Ad…
Buch mit Kruzifix

Reformationsrecht

Irrlehrer und Irrlehren
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Reformationsrecht Reformationsrecht (jus reformandi) des Landesherrn heißt in der Geschichte der sogenannten Reformation das Recht, welches sich die Fürsten und Stände des deutschen Reiches beilegten, kraft ihrer Territorialhoheit in ihren Ländern die eigene Konfession einzuführen und andere bestehende Religions-Bekenntnisse abzuschaffen, gemäß dem Satz: Cujus regio, illius et religio. Der…
Buch mit Kruzifix

Faber, Frederick William

Biographie
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Faber Faber, Frederick William, aszetischer Schriftsteller, * 28.6.1814 zu Calverly in Yorkshire; † 26.9.1863 zu London; studierte zu Oxford, empfing 1839 die anglikanische Ordination, wurde Hauslehrer und 1843 Pfarrer von Elton; arbeitete an einer Sammlung „English Saints“ mit. Seine früh erwachten Zweifel an der Hochkirche führten ihn zum Traktarianismus.…
Consent Management Platform von Real Cookie Banner